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30-jahre-schwarzer-montag-1987

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Die 1980er Jahre sind eine Zeit der Exzesse und Übertreibungen: die Schulterpolster sind groß, die Frisuren sind groß – und die Gewinne an den Aktienmärkten sind noch größer.

Seit 1982 schwingen die Bullen an der Wall Street das Zepter. 1985 steigt der Dow Jones um 28 Prozent, 1986 um 23 Prozent. Auch das Jahr 1987 lässt sich fantastisch an: Bis zum Herbst schießen die Kurse um schwindelerregende 40 Prozent in die Höhe.

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Sorgen bereitet aber die steigende Inflation in den USA. Dafür sind vor allem zwei Faktoren verantwortlich. Erstens der steigende Ölpreis. Zweitens der rasante Dollar-Verfall: Zwischen Februar 1985 und Oktober 1987 wertet der Dollar um 38 Prozent gegenüber dem britischen Pfund und um 47 Prozent gegenüber dem japanischen Yen ab.

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Die steigende Inflation ist Paul Volcker ein Dorn im Auge. Der Chef der US-Notenbank Fed versucht, mit massiven Zinserhöhungen gegenzusteuern. Im August 1987 tritt Alan Greenspan seine Nachfolge an.

Im Laufe des Jahres 1987 erhöht die Fed den Leitzins von 6,0 auf 7,25 Prozent – und verstärkt damit die Nervosität an den Märkten nur noch weiter. 

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Unter der Schuldenpolitik von US-Präsident Ronald Reagan hat die Handelsbilanz der USA ein Rekorddefizit erreicht. Als am Mittwoch, den 14. Oktober, die frischen Zahlen zur Handelsbilanz überraschend schlecht ausfallen, reißt das den Dow Jones Index um 3,8 Prozent in die Tiefe. Am Donnerstag geht es um 2,4 Prozent abwärts, am Freitag nochmals um 4,6 Prozent.

Den Anlegern steht ein nervenzerfetzendes Wochenende bevor. Die Zeitungen sind voll mit Abgesängen auf den Aktienmarkt, Gerüchte über eine neuerliche Zinserhöhung der Notenbank machen die Runde.

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Als die Börsen am Montag, den 19. Oktober, wieder öffnen, rollt eine Welle an Verkaufsaufträgen herein. Schon nach wenigen Minuten sind die technischen Systeme an der Wall Street überlastet. Aufträge können nur mit Verzögerung ausgeführt werden – wenn überhaupt. Das verstärkt die Panik.
     
Binnen nur sechseinhalb Stunden verliert der Dow Jones 22,6 Prozent. 500 Milliarden Dollar lösen sich in Luft auf. Es ist der größte Tagesverlust in der mehr als 100-jährigen Geschichte des amerikanischen Aktienmarktes, schlimmer noch als der "Schwarze Montag" von 1929, als der Markt um 12,8 Prozent einbrach.

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Auch an der Frankfurter Börse wollen viel zu viele Anleger durch eine viel zu kleine Tür. Die roten Zettel, auf denen Verkaufsorders notiert werden, landen gleich waschkörbeweise auf den Schreibtischen.

Trotzdem fällt das Tagesminus mit 9,4 Prozent vergleichsweise milde aus. Das hat einen simplen Grund: Den Deutschen Aktienindex (Dax) gibt es damals noch gar nicht. Damit fehlt das Interesse großer internationaler Investoren. In Frankfurt wird nur zwei Stunden am Tag gehandelt.

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Der Crash an der Wall Street ruft unterschiedliche Reaktionen hervor. "Es ist ja nur Papier", lautet der lakonische Kommentar von Sam Walton, Chef der Kaufhauskette Wal-Mart Stores und reichster Mann Amerikas.

Andere können das nicht so lässig sehen. Viele kleine Anleger, die gerade Zutrauen zu Aktien gewonnen haben, verlieren große Teile ihres Ersparten. Ganze Existenzen werden vernichtet.

Diese Meldung der "Neuen Zürcher Zeitung" stammt vom 26. Oktober 1987.

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Für die Menschen, die am Schwarzen Montag alles verloren haben, muss es wie Hohn klingen, als Michael Douglas alias Gordon Gekko doziert: "Die erste Lektion in Wirtschaft: Werde nicht emotional wegen einer Aktie." 

Der Film "Wall Street" kommt im Dezember 1987 in die Kinos – nur zwei Monate nach dem Schwarzen Montag. Der Antiheld des geldgierigen Börsenspekulanten Gordon Gekko wird zum Vorbild einer neuen Generation von Bankern und Händlern.

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Tatsächlich ist die Aktienparty noch lange nicht vorbei. Zum Jahresende 1987 ziehen die Kurse an der Wall Street bereits wieder deutlich an. Nur 15 Monate nach dem Schwarzen Montag hat der Dow Jones sämtliche Verluste wieder wettgemacht.

1988 schnellt der amerikanische Leitindex um 12 Prozent in die Höhe, 1989 geht es um 27 Prozent aufwärts. Die Rally endet erst im Januar 2000 – bei einem Indexstand, der mehr als viermal so hoch ist wie vor dem Schwarzen Montag.

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Bei der Aufarbeitung des Crashs von 1987 kommt heraus, dass Computer den rasanten Absturz beschleunigt hatten. Die so genannte "Portfolio-Versicherung" führte dazu, dass sich viele Computer nach dem ersten Verkaufssignal gegenseitig weitere unlimitierte Verkaufssignale sandten. Das setzte eine regelrechte Verkaufslawine in Gang.

Seit 1987 hat sich der Anteil der Transaktionen von vollautomatisierten Handelssystemen am US-Aktienmarkt verdoppelt, der superschnelle Computerhandel (Algo-Trading) dominiert das Börsengeschehen. Und das ist nicht die einzige beunruhigende Parallele zu 1987...

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Schwarzer Montag 1987, Asienkrise 1997, Finanzkrise 2007 – die letzten großen Korrekturen fanden nahezu allesamt in 7er-Jahren statt. Das schürt 2017, 30 Jahre nach dem Schwarzen Montag, bei einigen Anlegern Ängste vor einer Wiederholung dieses Musters.

Tatsächlich gibt es noch mehr Parallelen zu 1987: Damals war der amerikanische Aktienmarkt 20-fach überbewertet, heute ist er 23-fach überbewertet. Damals wie heute befindet sich die Wall Street in einem Zinserhöhungszyklus.

Sind die Märkte – mal wieder – reif für ein böses Erwachen?

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Wenn Anleger aber eines aus dem Crash von 1987 gelernt haben sollten, dann dieses: Greift an der Börse Panik um sich, heißt es Ruhe bewahren. Wer am Schwarzen Montag seine Aktien Hals über Kopf verkauft hat, dürfte dies schon kurze Zeit später bitterlich bereut haben. Im Rückblick war der Schwarze Montag 1987 eine der seltenen großen Kaufgelegenheiten am Aktienmarkt.

Crashs und Krisen gehören zur Börse dazu wie Herbst und Winter zu den Jahreszeiten. Anleger, die darum wissen, werden dafür reichlich entlohnt.

Gier ist gut? Nein, Gelassenheit ist gut.

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Redaktion und Recherche: Angela Göpfert
Bildredaktion und Grafik: Hannes Möller

Bildquellen:
picture-alliance / dpa
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