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Fußball und Finanzen: Oliver Roth

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Oliver Roth pendelte lange Zeit zwischen den Welten. Zwischen der des Frankfurter Fußballs - und der des Parketts.

Die Umstellung vom Fußball-Training am Abend zu den Aktien-Kursen am nächsten Morgen ist ihm nie schwer gefallen. Dafür gab es viele Gründe.

Zum Beispiel, dass der Umgang mit den Menschen auf Rasen und Parkett ähnlich ist. Nämlich sehr direkt.

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Oliver Roth ist seiner Heimat, der Rhein-Main-Region, fast sein Leben lang treu geblieben. Fast.
Da gab es zum Beispiel den Abstecher nach Dortmund, weil er beim BVB einen Vertrag als Fußballprofi bekam.

Heute kennen ihn viele Menschen aus dem Fernsehen - allerdings tritt er dort nicht im Trikot auf. Sondern im Anzug.

Roth arbeitet auf dem Frankfurter Börsenparkett. Er ist Leiter der Aktienabteilung der Oddo Seydler Bank, hat ein Börsen-Buch geschrieben, ist bei Journalisten als Experte für Interviews gefragt.

Waren Sie eigentlich schon immer an dem Themen Aktien und Börse interessiert, Herr Roth?



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Trotzdem fühlte sich Oli Roth von Anfang an wohl, als er seine Ausbildung an der Wertpapierbörse begann. Obwohl die erste Zeit hart war, erzählt er. 

Doch er konnte einige Gemeinsamkeiten zwischen Parkett und Rasen entdecken...

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In den 80ern seien viele Fußballprofis zur Börse gegangen, erklärt Oli Roth.

"Du brauchst kein abgeschlossenes Studium im Fußball, aber du brauchst Sozialkompetenz."

Diese Sozialkompetenz sei auch an der Börse unabdingbar. Die Umgangsarten sind ebenfalls ähnlich - egal ob im Trikot oder im Anzug: 

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Oli Roth versichert: Er hat kein Penthouse. Einen Porsche könnte er sich schon leisten, tut er aber nicht. Und mit drei Mädels war er sowieso noch nie im Bett. Stattdessen hat er Arbeitstage, die ihn zwischen neun und zwölf Stunden ans Parkett fesseln.

An die Menschen, die an der Börse arbeiten, würden hohe Anforderungen gestellt. Sie hantieren mit viel Geld, dementsprechend hoch sei die Belastung. "Es ist ein Handwerk, das man lernen muss", erklärt Roth.

Ein Handwerk, das der 49-Jährige "sauspannend" findet:

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Doch so zufrieden Oli Roth auch scheint, eigentlich hatte er keine zweite Karriere geplant. Sein großer Traum war nicht die Börse.

"Seit ich sieben war, wollte ich Fußballer werden." Das hatte Roth mit 19 Jahren auch geschafft. Doch die Zeit damals war alles andere als leicht für ihn.


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1988 ging Roth nach Dortmund - er hatte beim BVB einen Profivertrag unterschrieben. "Nach einem Jahr habe ich mich unwohl gefühlt, weil es da einfach von allen Seiten (...) Mobbing gab. Da habe ich komplett den Spaß am Fußball verloren."

Schon der Start verlief holprig: Der Trainer, der ihn zum BVB holte, wurde rausgeworfen. "Mit dem Neuen hab ich mich nicht gut verstanden."

Oli Roth nimmt sich vor: "Du gibst alles, was du hast, solange du ne Chance siehst. Und wenn du keine siehst, quittierst du halt."  
Erst sieht es so aus, als ob Roth die Chance nutzen konnte: Seine Vereinskollegen loben ihn für sein Spiel. Ermuntern ihn, so weiter zu machen. Aber...

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Roth geht zurück in seine Heimat. Auch Fußball spielt er weiter, in der Oberliga bei Rot-Weiß Frankfurt.

Der damalige Vereinspräsident Wolfgang Steubing, heute beim FSV Frankfurt, betreibt ein Börsenmaklerbüro. "Er hat einfach junge Leute gesucht. Und mir hat er den Job zugetraut."

Man habe ihn aber schon bitten müssen, erzählt Oli Roth: "Ich wollte weder zu Rot-Weiß noch zur Börse."

Aber er hatte beim BVB gelernt, sich nicht nur vom Fußball abhängig zu machen. Dabei sollte es bleiben - egal, ob in Dortmund oder in Hessen.

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Ja, er hadere schon damit, wenn er seine Bundesligastatistik sieht, erzählt Roth. Nur ein Spiel. Und er habe auch noch ein paar mal "gewackelt", wie er es nennt - es gab noch mehrere Chancen, wieder in der ersten Liga zu spielen.

Da war zum Beispiel das Angebot von Werder Bremen. Drei Mal habe Otto Rehhagel bei Roth angerufen, um ihn zu überzeugen. 

"Aber ich habe mich nicht getraut, weil ich dachte: Wer weiß, ob das meinem Arbeitgeber so gut gefällt, wenn ich mich da vorstelle."

Sechs Jahre arbeitet Roth für seinen Vereinspräsidenten und Chef Steubing. Doch dann quittiert er seinen Dienst:

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Roth kehrt aus den USA mit verbesserten Englischkenntnissen im Gepäck nach Frankfurt zurück.
Nun bekommt er eine Anstellung bei der Oddo Seydler Bank, für die er noch heute arbeitet.

Zeitgleich lässt er sich wieder als Fußballer verpflichten - für die Offenbacher Kickers. Der Verein, für den Roth zum Helden wurde: Er schoss ihn in die zweite Liga. Nach der Saison 98/99 steigen die Kickers zwar wieder ab und Roth beendet endgültig seine Fußballerkarriere - aber der Ruhm bleibt.

Der OFC macht Oli Roth erst zum Trainer, dann zum Manager. Eine Zeit, die seine Sichtweise auf das "Business" Fußball geprägt hat.

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Oli Roth hatte lange sein Ehrenamt bei den Offenbacher Kickers inne. Er sei nur nie Präsident gewesen und die Trikots habe er nicht gewaschen - "ansonsten habe ich dort alles gemacht". Vom Vizepräsidenten bis zum Trainer.

Dementsprechend kennt er die Schattenseiten eines Traditionsvereins: "Da haben sehr viele mitgesprochen, die wenig bis keine Ahnung haben."

Doch der moderne Fußball verlange, dass man Strategien parat habe: eine sportliche Strategie, eine Finanzstrategie. Dazu bedürfe es einer Struktur im Verein:

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Dass die Transfersummen im Fußball immer höher werden, hält Roth dennoch für eine Perversion. Aber: "Mit Verlaub: Das Geld kommt aus der Privatwirtschaft." 

Natürlich wäre es besser, wenn Großteile der Summen für humanitäre Zwecke gespendet würden. Oder wenn wichtige Berufsgruppe wie beispielsweise Krankenschwestern besser entlohnt würden.

Über deren schmales Gehalt regt sich Roth nämlich viel mehr auf als über das Geld im Fußball. Oder darüber:

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Und wie beurteilt der Ex-Fußballer die Aktien des BVB - des einzigen deutschen Vereins, der an der Börse notiert ist?

Oli Roth und den Club verbindet eine gemeinsame Geschichte. Obwohl die für Roth eher enttäuschend verlief, kann er dem Dortmunder Anteilsschein etwas abgewinnen.

Früher sei der ein reiner Fanartikel gewesen. Wenn man etwas risikofreudig ist, könne man heute aber durchaus einen Blick auf das Papier werfen. Das liege nicht zuletzt am Management des BVB:

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Und seine eigene Anlagestrategie, wie sieht die aus? Nun, in der Hinsicht ist Oli Roth mit allen Börsenwassern gewaschen:

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Allerdings: Es gibt ein paar Menschen, die kann Roth mit seinem Börsenwissen so gar nicht begeistern. Denen war und ist seine Leidenschaft für den Fußball allemal lieber: 

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"Fußball und Finanzen: Oliver Roth" ist ein multmedialer Pageflow von boerse.ARD.de.

Redaktion: Burghard Schnödewind
Autorin: Claudia Wiggenbröker
Videos: Marc Brockmöller, Julian Herbst
Schnitt: Marc Brockmöller, Julia Pannewick
Fotos: colourbox, dpa picture alliance, Imago, SG Rotweiß Frankfurt
Bildredaktion: Hannes Möller

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