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Geschichte der EZB

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Anfangs betonte die EZB im Kampf für stabile Preise ihre Unabhängigkeit gegenüber der Politik. Doch mit immer neuen Herausforderungen in Krisenzeiten wuchsen auch die Erwartungen an die europäische Institution. Ihr beherztes Eingreifen sorgte für heftige Kritik.

Überschreitet die EZB damit ihr Mandat, macht sie sich zum Handlanger der Politik?

Blicken Sie mit uns zurück auf die bewegte Geschichte der Europäischen Zentralbank.

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Anfangs war es die Vision europäischer Politiker: Sie setzten sich für eine gemeinsame Wirtschafts- und Währungsunion in Europa ein und vor allem: für eine gemeinsame Währung. Darüber wachen sollte die Europäische Zentralbank. Ihr oberstes Ziel: die Preisstabilität. Am 1. Juni 1998 wurde sie gegründet. Die EZB hatte ihren Sitz zunächst im Frankfurter Eurotower. Erster EZB-Präsident wurde Wim Duisenberg.

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Tagesthemen, Autor: Ingo Nathusius (November 1998)

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Die Skepsis war groß, als der Euro 1999 als Buchgeld und drei Jahre später als Bargeld eingeführt wurde. In Deutschland, wo er die stabile D-Mark ablöste, war er als "Teuro" verschrien. Außerdem sorgten sich viele, die Einführung des Euro könnte hohe Inflationsraten nach sich ziehen.

Der Aufwand war enorm: Der Handel und die Banken mussten mit Euros versorgt werden. Preise wurden in zwei Währungen ausgezeichnet. An den Bankschaltern wurden zum Einstieg Millionen Starterkits verkauft, im Gegenwert von je 20 D-Mark.

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Plusminus, Autor: Andreas Thomasch (Januar 2001)

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2001 führte Griechenland den Euro ein, nachdem das Land nach Ansicht der EU die nötigen wirtschaftlichen Anforderungen erfüllte. Für EZB-Chef Wim Duisenberg damals ein Erfolg. Ein paar Jahre später stellte sich heraus: Die Zahlen waren geschönt, die Hellenen hatten sich den Beitritt erschlichen. Schlamperei wurde nicht nur den Griechen vorgeworfen, sondern auch den EU-Prüfern. Sanktionen verhängte Brüssel gegenüber Griechenland jedoch nicht.

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Im September 2008 meldete die US-Investmentbank Lehman Brothers Insolvenz an: der Anfang einer globalen Finanzkrise, die vor allem Banken in Bedrängnis brachte, und der Euro-Schuldenkrise. Griechenland saß bald auf einem enormen Schuldenberg und setzte einen Schuldenschnitt durch. Auch Irland, Portugal und etwa Spanien gerieten in Schieflage. 

Während die Politik den Rettungsschirm spannte, senkte die EZB den Leitzins, von 4,25 auf 1,00 Prozent. Außerdem brachte sie unter ihrem Chef Jean-Claude Trichet ein Kaufprogramm von Anleihen gefährdeter Eurostaaten auf den Weg, um deren Kosten zur Refinanzierung niedrig zu halten. 160 Milliarden Euro an Staatsanleihen hatte die EZB bald in ihrer Bilanz stehen. Damit überschreite sie ihr Mandat, mahnten Kritiker.

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Zinssenkung der EZB, Tagesschau, Autor: Klaus-Rainer Jackisch (November 2008)

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2012 schaukelte sich die Euro-Krise hoch: Die Risikoaufschläge für südländische Staatsanleihen erreichten neue Höchststände. Es gab Gerüchte rund um einen baldigen Zerfall des Euro. Auf dem Höhepunkt der Krise im Juli hielt EZB-Chef Mario Draghi eine Rede. Seine klare Botschaft: Die EZB werde alles tun, um den Euro zu erhalten.

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Rede von Mario Draghi, Plusminus, Autor: Stefan Jäger (Januar 2013)

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Die EZB zog ihre Lehren. Der Bankensektor sollte keine neue Krise auslösen können, für die die Steuerzahler wieder zahlen müssten. Deshalb wollte sie ihn künftig kontrollieren, und damit rund 120 Großbanken im Euroraum. Um kein faules Ei zu übernehmen, hatte die EZB vorher einen Bankenstresstest durchgeführt. Dabei waren zwölf Banken durchgefallen.

Geldpolitik und Bankenaufsicht unter einem Dach, darin sahen viele Kritiker einen Interessenskonflikt. Die EZB will zwischen beidem eine „chinesische Mauer“ errichten.

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Tagesschau, Autor: Klaus-Rainer Jackisch (Oktober 2014)

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Die Krisenpolitik der EZB bekommt Rückendeckung: Der Generalanwalt des Europäischen Gerichtshofs ist der Meinung, dass sie Staatsanleihen kaufen darf, notfalls unbegrenzt. Die Ankündigung sei nicht rechtswidrig. Allerdings muss die EZB nachvollziehbar erklären, dass sie aus geldpolitischen Gründen handelt und keine verbotene Staatsfinanzierung betreibt.

Ein Urteil des EuGH steht noch aus. An sie hatte das deutsche Bundesverfassungsgericht verwiesen und behält sich das letzte Wort in der Sache vor.

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Die stärkste Waffe im EZB-Arsenal erhielt den Namen "Bazooka", Panzerfaust. Mit dem Verweis darauf konnte EZB-Chef Mario Draghi lange beruhigen. 2015 ließ er Taten folgen: Monat für Monat sollten für 60 Milliarden Euro vor allem Staatsanleihen der Euroländer gekauft werden. Mindestens 1,14 Billionen Euro wollte Draghi bis 2016 ausgeben, um eine Deflation abzuwehren. Eine Maßnahme in nie dagewesenem Ausmaß. Inzwischen wurden die Ankäufe auf 80 Milliarden im Monat erweitert. Sie sollen im März 2017 auslaufen, doch besteht Hoffnung auf eine Verlängerung.

Die EZB sollte nur Papiere kaufen, die im Umlauf waren. Sonst würde sie verbotene Staatsfinanzierung betreiben.
Trotzdem befürchteten Kritiker genau das und stellen sich zwei Fragen: 

Bedeutet das nun die Rettung oder den Ruin? Und geht die EZB damit nicht zu weit?

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ARD-Brennpunkt (Januar 2015)

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Der EZB-Neubau im Osten Frankfurts, das sind Zwillingstürme, die wie ein einziges Gebäude aussehen. Dazu gehört die denkmalgeschützte Großmarkthalle. Der Entwurf stammt vom Architekturbüro Himmelb(l)au. Kosten: 1,3 Milliarden Euro. Im März 2015 bezogen die Währungshüter ihr neues Domizil.

Begleitet wurde die Einweihungsfeier von gewaltätigen Auseinandersetzungen. Polizisten hatten den neuen EZB-Sitz abgeriegelt. Trotzdem versuchten Demonstranten, zu stören. Wasserwerfer und Wurfgeschosse kamen zum Einsatz.

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Tagesthemen, Autorin: Sandra Scheuring (März 2015)

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Die neu gewählte griechische Regierung wollte den Sparkurs, der für finanzielle Hilfen gefordert wurde, zunächst nicht mehr einhalten. Außerdem lehnte sie die Zusammenarbeit mit der Troika aus EZB, EU-Kommission und IWF, die Reformen kontrollieren, ab. Die EZB wiederum akzeptierte von den Athener Banken keine griechischen Staatsanleihen mehr als Sicherheit für neues Geld, stellte dem Land aber dafür teurere Notkredite zur Verfügung.

In den Bemühungen um eine Annährung folgte Krisentreffen auf Krisentreffen. Ob die Hellenen mit ihren Verhandlungspartnern eine Einigung in letzter Minute finden werden, ist unklar. Schon heißt es, Griechenland sei bald zahlungsunfähig.

Die Uhr tickt. Und das Projekt Euro ist weiter in Gefahr.

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Im November 2016 ist Mario Draghi nun seit fünf Jahren im Amt. Doch die besonders in Deutschland gefürchtete Geldentwertung hat trotz einer beispiellosen Geldflut in dieser Zeit nicht stattgefunden. Im Gegenteil: Die Inflation im Euroraum ist vom Ziel einer Zwei-Prozent-Marke noch weit entfernt.
Wegen der Absenkung der Leitzinsen auf Null bekommen Sparer kaum noch Zinsen für ihr Geld. Und die ohnehin renditeschwachen deutschen Banken, Sparkassen und Volksbanken beklagen den Wegfall der Zinsmarge.
Dagegen hat das viele Notenbankgeld die Aktienmärkte beflügelt. Der deutsche Leitindex Dax etwa legte – allerdings nach vorherigem Absturz in der Finanzkrise - seit November 2011 um etwa 80 Prozent zu. Gleichzeitig heizt das Zinstief die Preise an den Immobilienmärkten an.
Für eine endgültige Bilanz der Arbeit von Mario Draghi ist es aber zu früh. Die Amtszeit des Italieners endet turnusgemäß im Herbst 2019.

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"Die Retterin des Euro"

… ist eine multimediale Chronologie der Geschichte der Europäischen Zentralbank

Fotos: picture alliance / dpa, colourbox

Videos: Hessischer Rundfunk, ARD 

Texte: Ursula Mayer

Grafik und Bildredaktion: Hannes Möller 

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