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Michel Lindenberg: Einen Unterschied machen

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Wer in Michel Lindenbergs Büro im bayerischen Erlangen kommt, blickt auf vollgeschriebene Zimmerwände. Eine spezielle Farbe macht's möglich. Hier macht sich der Gründer Notizen für sein neues Projekt, elo-games.

Derzeit arbeitet Lindenberg an der Werbekampagne. Frauen sprechen besser darauf an - dabei besteht das elo-Team nur aus Männern. "Alles Frauenversteher", erklärt Lindenberg, um seine Augen entstehen dabei tiefe Lachfalten.

Dann erzählt er von der Angst vorm Scheitern. Vom Scheitern überhaupt. Von der Börse, an die er sein Unternehmen lieber nicht gebracht hätte. Und vom Erfolg. 



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Michel Lindenberg hat in seinem Leben mehr als einmal gegründet: Das Soziale Netzwerk Stayfriends beispielsweise. Und die WWL Internet AG, die er an den Neuen Markt brachte.

Lindenbergs berufliches Schaffen, wie er es nennt, drehte sich also immer um eins: das World Wide Web.

Heute kann er sich noch sehr gut daran erinnern, wie er das erste Mal mit dem Internet in Berührung kam. 

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Einen Monat später, im Sommer 1995, gründeten Lindenberg und sein Bruder Andreas mit zwei Mitstreitern WWL.

Die junge Firma wurde schnell bekannt - denn sie konnte einen Großkunden gewinnen: Das Versandhaus Quelle gab bei WWL seinen Online-Shop in Auftrag.

Was heute selbstverständlich ist, war damals eine absolute Neuheit. Die WWL-Firmengründer galten hierzulande als Pioniere im Webdesign. Sie wurden zu "denen, die den Quelle-Shop gemacht haben".


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Im Sommer 1999 folgte dann der Schritt an den Neuen Markt - als erster Dienstleister überhaupt.

Doch damit änderte sich auch die Geschäftsstrategie der Unternehmer. Statt auf Qualität zu setzen, akquirierte WWL einen Kunden nach dem anderen. Der Börsenneuling geriet in einen Strudel aus falschen Prioritäten: 

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Aber Lindenbergs börsennotiertes Unternehmen wollte nicht nur mehr Kunden. WWL wollte wachsen.

Auch damit war die Firma aus Bayern nicht allein - die Konkurrenz wollte ebenfalls groß werden. Ein Wettrennen um den Aufbau von Know-How entbrannte.

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Es sei kein Wunder, dass der Neue Markt zusammengebrochen ist, meint Lindenberg. "Es gibt einen Grund, warum ich diese Zeit nicht als persönliches Scheitern sehe: Überhaupt keiner von damals ist übrig geblieben." 

Denn das schnelle Wachstum brachte für die Unternehmen einige Probleme mit sich.

Im Fall der WWL wurde die Firmenstruktur durch mehr Mitarbeiter und Zweigniederlassungen bald unübersichtlich. 
Auch in der Spitze der AG gab es niemanden mehr, der klar das Kommando übernehmen konnte. Denn mittlerweile bestimmten nicht nur die vier Gründer die Musik bei WWL.


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Es zeigt sich: Die Visionen der Vorstandsmitglieder driften auseinander, als die WWL mit dem Rücken zur Wand steht. 

Anfang 2001 kündigt Lindenbergs Bruder Andreas. Nun schwindet allerdings Michels Rückhalt in der Unternehmensspitze. Andreas lässt sich daraufhin in den Aufsichtsrat wählen, um seinen Bruder zu unterstützen.

Neben Personalfragen drängt sich noch ein weiteres Problem auf: Die WWL braucht dringend Geld. Als endlich ein neuer Investor gefunden ist, macht der allerdings klar: Er will Andreas Lindenberg nicht weiter im Aufsichtsrat haben. Also nimmt der seinen Hut.

Michel Lindenberg bleibt dagegen noch im Unternehmen, um den Turnaround voran zu bringen. Bis zu jenem Abend im August 2001:



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Nach seinem Ausscheiden bei der WWL sucht der 36-Jährige nach neuen Geschäftsideen. Er mietet ein Büro an, fährt jeden Tag dorthin und grübelt. Hatte er sich getäuscht? War das Internet gar keine bahnbrechende Entwicklung?

Am Ende wird Lindenberg allerdings von seiner neuen Geschäftsidee gefunden - und nicht umgekehrt. 


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Lindenberg nimmt Unterricht bei einer Englischlehrerin, um seine Sprachkenntnisse aufzupolieren. Die kennt aus Großbritannien ein Soziales Netzwerk, mit dem man Schulfreunde wiederfinden kann. Ob das keine Idee für ihn wäre?
Daraufhin gründet der Geschäftsmann sein Netzwerk Stayfriends.

Heute glaubt Lindenberg, dass die Begegnung mit der Englischlehrerin kein Zufall war.

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Und noch etwas war für Michel Lindenberg zu diesem Zeitpunkt wichtig: Er will Stayfriends alleine gründen.

Das Scheitern von WWL habe die Beziehung zwischen Andreas und ihm nicht belastet, erzählt Lindenberg. Aber es sei an der Zeit gewesen, nicht mehr der kleine Bruder zu sein.

Mit Andreas habe es nie eine Diskussion gegeben, wer welche Zuständigkeiten und Stärken habe. Egal bei welcher Aufgabe - "es war immer klar, in wessen Garten das jetzt fällt". Der Grund, weshalb sich Michel Lindenberg bei Stayfriends für einen anderen Weg entscheidet.

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Nach der Gründung von Stayfriends dauert es nicht lange, bis ein Angebot ins Haus flattert: Das US-Netzwerk ClassMates will das Unternehmen aufkaufen.

Lindenberg schluckt: Das Angebot kommt gelegen, schließlich will er wachsen - dieses Mal in angemessenem Rahmen. Aber was, wenn er wieder aus seinem Unternehmen gedrängt wird? Denn ClassMates macht schnell klar: Wenn wir kaufen, dann komplett. Die Amerikaner wollen alle Anteile. Lindenberg bekommt aber das Angebot, als Geschäftsführer bei Stayfriends zu bleiben. 

Der Gründer fliegt in die USA, will ClassMates kennen lernen und dann entscheiden. Ein besonderes Erlebnis im Silicon Valley hilft ihm dabei, seinen Entschluss zu fassen:

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Bis Anfang 2016 halten die Amerikaner ihre Anteile an Stayfriends, Lindenberg bleibt Geschäftsführer. Dann verkauft ClassMates die Plattform an den deutschen MDax-Konzern Ströer.

Ein Anstoß für Lindenberg, sich Gedanken über seine Zukunft zu machen. 

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Lindenberg zieht sich aus dem operativen Geschäft bei Stayfriends zurück - auch, wenn er offiziell nach wie vor Geschäftsführer ist.

Seine nächste Idee "Vobe" scheitert. Das Abstimmungs-Tool sei nicht abgehoben, wie Lindenberg erklärt.

Derzeit widmet sich der 53-Jährige einem neuen Projekt: Der Spieleplattform elo games. "Es geht darum, mit anderen zu spielen. Nicht gegen seinen eigenen Highscore, wie man das bei so vielen Apps hat", erklärt Lindenberg.

An elo arbeitet er leidenschaftlich. Nicht nur, weil er selbst Spiele-Fan ist:









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Dass er sich ganz auf seine Arbeit konzentrieren kann, sei natürlich ein luxuriöser Zustand. Seine Frau managt das Familienleben. 

Es habe aber noch andere Gründe, dass er bei seinen Lieben so viel Verständnis für seinen Job findet: Natürlich hänge auch das finanzielle Wohlergehen der Fünf vom Erfolg der neuen Ideen ab. 

Genauso wie Lindenbergs Laune:

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Fragt man ihn nach seinem Ziel, dann hat Michel Lindenberg eine ganz klare Antwort.

Mit Stayfriends habe er bereits einen Schritt in diese Richtung gemacht. Aber noch reicht ihm das nicht.

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"Michel Lindenberg - einen Unterschied machen" ist ein multimediales Porträt von boerse.ARD.de.

Redaktion: Burghard Schnödewind
Autorin: Claudia Wiggenbröker
Videos: Julian Herbst, Fabius Engel, Georg Gilstein
Bilder: Martin Brandt, Fabius Engel
Quellen: dpa picture alliance, elo games, Stayfriends, Colourbox, kpa, Zuma Press

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