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Los geht's

Der Neubau der Europäischen Zentralbank

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Kleine Feier - große Wirkung: Mit Krawallen haben in Frankfurt die Blockupy-Proteste gegen die europäische Krisenpolitik begonnen. Autos wurden angezündet und Polizisten angegriffen. Rund 90 Polizisten und Dutzende Demonstranten werden verletzt, etwa 350 Aktivisten festgesetzt.

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Es war kein rauschendes Fest, sondern ein kleiner Festakt. So hatte es die EZB bereits Monate zuvor entschieden.

Angesichts brennender Polizeiwagen in Frankfurt und der erneuten Griechenland-Krise wohl eine gute Entscheidung.

Die Eröffnungsfeier fand im Rahmen einer Sitzung des EZB-Rates statt, an dem alle Gouverneure und Präsidenten der nationalen Zentralbanken der EU-Länder teilnahmen.

Und somit endet am 18. März 2015 erst einmal eine Geschichte, die 1926 begann.

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Basis für den heutigen Bau ist das Gelände der Frankfurter Großmarkthalle. Erbaut ab dem Jahr 1926 - nach einer Planungsphase von mehr als einem Jahrzehnt -  wurde sie im Jahr 1928 eröffnet. 76 Jahre lang wurden hier vorwiegend Obst und Gemüse für Frankfurt und die Region gehandelt.

Die Großmarkthallte ersetzte damals mehrere über ganz Frankfurt verteilte Handelsplätze und führte sie an einem Ort zusammen.

Genug Platz gab es bei 220 Metern Länge, 50 Metern Breite und bis zu 23,5 Meter Höhe. Zu ihrer Zeit war sie der größte Gebäudekomplex der Stadt.

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Im dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte spielte die Frankfurter Großmarkthalle leider eine unrühmliche Rolle.

“Ihr seid Juden und ihr müsst hier weg”: Mit diesen Worten stand die Gestapo vor der Tür, als Friedrich Schafranek und seine Familie 1941 abgeholt wurden.

Sehen Sie dazu den Beitrag des Hessischen Rundfunks aus dem Jahr 2010.

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Die Kellerräume der Frankfurter Großmarkthalle verwendeten die Nationalsozialisten als Sammelpunkt, um jüdische Männer, Frauen und Kinder in die Gaskammern der Konzentrationslager abzutransportieren. Auf dem künftigen Gelände der Europäischen Zentralbank soll ein großes Mahnmal an die Deportation der Juden in der NS-Zeit erinnern. 

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Ende der Fünfziger Jahre, Frankfurt war noch stark von den katastrophalen Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs gezeichnet, wirkt die Großmarkthalle wie ein Magnet. Aus ganz Deutschland kommen Arbeitslose in der Hoffnung nach Frankfurt, im Großmarkt Arbeit zu finden - meist vergeblich. Die Heilsarmee versorgt sie mit dem Nötigsten, sie übernachten in den zerbombten Häusern rund um den zerstörten Ostbahnhof.

Sehen Sie dazu den Beitrag des Hessischen Rundfunks aus dem Jahr 1958.


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Im Jahr 1984 wird die Großmarkthalle unter Denkmalschutz gestellt. Damit ist ein Abriss normalerweise nicht möglich. Allerdings gab es in der wechselvollen Geschichte Frankfurts eine Reihe von Beispielen, bei denen auch der Denkmalschutz einen Abriss nicht verhinderte - wie beim Zürich-Haus gegenüber der Alten Oper.

Doch der Großmarkthalle bleibt dieses Schicksal größtenteils erspart. Nur ein Zwischenstück - im Verhältnis zur Gesamtgröße unbedeutend - weicht 
beim EZB-Neubau dem Zugang zu dem neuen Doppelturm. Außerdem müssen einige Nebengebäude dran glauben, die nicht als erhaltenswert gelten.

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Im Jahr 1994 kündigen die Amerikaner an, nach dem Fall des “Eisernen Vorhangs” ihr Engagement in Deutschland stark zu reduzieren. Das bis dato als "Headquarter" für ihre Streitkräfte benutzte IG-Farben-Haus wird nicht mehr benötigt.

Die europäische Währungsunion taucht durch das Engagement von Bundeskanzler Helmut Kohl und des französischen Staatspräsidenten François Mitterrand bereits am Horizont auf. Als ein möglicher neuer Nutzer wird die damals noch nicht gegründete Europäische Zentralbank ins Spiel gebracht. Doch wegen der NS-Vergangenheit hält sich das Interesse in Grenzen. Der Kauf des IG-Farben-Gebäudes durch die Goethe-Universität schafft hier endgültig Fakten.

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Spätestens Anfang des neuen Jahrtausends zeichnet sich ab, dass die Frankfurter Großmarkthalle trotz ihrer beeindruckenden Größe längst zu klein ist und einen viel größeren Ersatz benötigt.

Im Jahr 2002 kauft die Europäische Zentralbank das Großmarkthallen-Gelände, um dort ihren neuen Sitz zu errichten.

Im November 2002 startet die EZB einen internationalen Architekturwettbewerb. Insgesamt 80 Bewerber werden zugelassen, 71 reichen in der ersten Wettbewerbsphase ihre vorläufigen Entwürfe ein. Bei einer Vorauswahl bleiben zwölf Entwürfe übrig. Die Architekten dieser Entwürfe werden aufgefordert, einen detaillierteren architektonischen Entwurf vorzulegen.

Wieder wird eine Auswahl getroffen - im Februar 2004 stehen die drei Preisträger fest. Schließlich wird am 13. Januar 2005 der endgültige Gewinner gewählt. Es ist der Entwurf von Wolf Prix, Chef des Wiener Architekturbüros Coop Himmelb(l)au.

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Am 4. Juni wird das letzte Mal Obst und Gemüse in der Großmarkthalle gehandelt. Zwei Tage später wird das Geschäft im völlig neuen Frischezentrum Frankfurt im Ortsbezirk Kalbach-Riedberg fortgesetzt. Es liegt verkehrsgünstig direkt am Bad Homburger Autobahnkreuz und ist mit insgesamt 128.000 Quadratmetern Fläche erheblich größer als der bisherige Standort.

Sehen Sie zur Geschichte der Großmarkthalle zwei Beträge des Hessischen Rundfunks aus den Jahren 2004 und 1991.








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Der Bauch von Frankfurt

Hunderte Händler machten hier jede Nacht ihr Geschäft. 2004 war damit Schluss. Der Film “Der Bauch von Frankfurt” erzählt die Geschichte der Halle – und die der Menschen, die in ihr arbeiteten. (Ein Beitrag des Hessischen Rundfunks von 2004)

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Mit Hirn, Charme und Melone

Ursula Montani wollte eigentlich Schauspielerin werden – und dann ist es doch einen ganz andere Bühne geworden. Ihr Schauspielhaus ist der alte Frankfurter Großmarkt, die Bretter, die für sie die Welt bedeuten, ist der Betonboden der von den Frankfurtern liebevoll genannten “Gemüsekirche”. (Ein Beitrag des Hessischen Rundfunks 1991)

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Die Pläne für den EZB-Neubau werden konkreter. Die Zentralbank will maximal 500 Millionen Euro ausgeben - Kosten für Grundstück, Erschließung, Planung und Sicherheitsvorkehrungen nicht eingeschlossen.

Im Frühjahr 2008 ist man immer noch optimistisch, den Kostenrahmen einhalten zu können. Die ersten vorgezogenen Baumaßnahmen wie Aushub- und Gründungsarbeiten werden durchgeführt. Doch im Juni gibt es dann Gewissheit: Kein Unternehmen will die beiden Hochhäuser zu dem von der EZB gewünschten Preis bauen. Angeblich hat es nur ein Angebot für rund 1,5 Milliarden Euro gegeben.

Doch die EZB gibt nicht auf. Ende 2008 schreibt sie den Neubau erneut aus, unterteilt in 15 Einzelprojekte. So hofft man den ursprünglichen Kostenrahmen doch noch einhalten zu können.


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Der Umzug der Europäischen Zentralbank ist beschlossene Sache. Kleiner als ursprünglich geplant, aber immer noch 500 Millionen Euro teuer, soll der Neubau noch mehr internationales Flair in die Bankenmetropole bringen.

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Die neue Strategie hat mehr Erfolg. Am 17. Dezember 2009 beschießt die Zentralbank den Neubau auch tatsächlich anzugehen.

Aber was halten die Frankfurter von dem Mammutprojekt?

Sehen Sie dazu einen Beitrag des Hessischen Rundfunks aus dem Jahr 2009

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Im Februar 2010 wird dann wirklich gebaut. Am 19. Mai findet die Grundsteinlegung im Beisein der Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth, des damaligen EZB-Präsidenten Jean-Claude Trichet und des Architekten Wolf Prix statt.

Sehen Sie dazu einen Beitrag des Hessischen Rundfunks aus dem Jahr 2010.

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Video: Grundsteinlegung der EZB

Grundsteinlegungen sollen Glück bringen und den Bauherren vor allem Schlechten beschützen. Der Tag der Grundsteinlegung für die Europäische Zentralbank ist von Regen und Eurokrise geprägt. Warum Oberbürgermeisterin Petra Roth den Regen für ein gutes Zeichen hält…

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Zu Beginn des Jahres 2011 tauchen die nächsten Probleme auf. Die EZB ist mit den Leistungen des Rohbauunternehmens unzufrieden. Es habe Probleme beim Betonieren gegeben, heißt es. Der Rohbauer darf nur noch die Bodenplatte und die Tiefgarage des Büroturms vollenden, für den Rest des Rohbaus wird ein Nachfolger gesucht - und gefunden. Am 19. September 2012 wird Richtfest gefeiert.

Im Jahr 2014 nähern sich die Arbeiten am EZB-Tower dem Ende, der neue Terminplan wurde eingehalten.

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Das Frankfurter Ostend gilt als wenig entwickelt und sozial bunt gemischt. Durch die Nähe zum Osthafen ist der Stadtteil ein  Arbeiterviertel und war bis zum zweiten Weltkrieg vor allem durch die jüdische Bevölkerung geprägt. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts verloren sowohl das Ostend als industrieller Standort, als auch der Osthafen immer mehr an Bedeutung.

Der neue Bau beschleunigt nun die Veränderungen und beeinflusst das Ostend nicht nur optisch. Straßen werden saniert, die Infrastruktur verbessert und Wohnhäuser renoviert. Das Viertel wird attraktiver. Allerdings zu Lasten der Einwohner, denn die Mietpreise im Ostend sind deutlich gestiegen.

Sozial, kulturell und wirtschaftlich entsteht ein völlig neues Viertel. Attraktiver, mit urbaner Qualität, ein Schmelztiegel verschiedenster Milieus.

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Ein neues Hochhaus in Frankfurt ist zunächst nichts Besonderes. Die in Deutschland einzigartige Skyline ist schließlich ein Markenzeichen der Mainmetropole. Allerdings sondert sich die neue Unterkunft der Europäischen Zentralbank im Ostend von den üblichen Wolkenkratzern ab.

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Mitte November ist die neue EZB-Zentrale bezugsfertig - es beginnt ein Umzug der Superlative. Verteilt über mehrere Wochen müssen etwa 20.000 Umzugskartons aus drei Gebäuden in der Innenstadt in die neue Zentrale gebracht werden. Das neue Gebäude bietet Platz für 2.900 Mitarbeiter.

Wie sieht es in der neuen EZB-Zentral aus? Sehen Sie dazu einen Beitrag des Hessischen Rundfunks.

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Der Hessische Rundfunk hat sich noch einmal in dem Doppelturm umgeschaut, bevor die ersten Banker dort loslegen.

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Der Einzug in die neue Zentrale wird von Protesten begleitet. Die Blockupy-Bewegung mobilisiert nach Polizeiangaben rund 2.000 Menschen, die von der Frankfurter Innenstadt zur neuen EZB-Zentrale im Ostend laufen.

Bei der Abschlusskundgebung kommt es zu kleineren Rangeleien mit Polizei. Demonstranten stiegen über den Zaun und werfen Farbbeutel gegen die Glasfassade des Hochhauses. Die Demonstranten beklagten 20, die Polizei 9 Verletzte. Am letzten Tag der Proteste blicken die Demonstranten bereits in die Zukunft. Sie wollen am 18. März 2015 wiederkommen, wenn der Neubau im Frankfurter Ostend auch offiziell eröffnet wird.

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Das antikapitalistische Blockupy-Bündnis hat am Samstag in Frankfurt mit einem Protestzug gegen die Macht der Banken begonnen. Nach einer Kundgebung an der Paulskirche zogen rund 2.000 Menschen in Richtung EZB-Neubau.

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Noch vor der offiziellen Eröffnung wurde es im Neubau der Europäischen Zentralbank bereits ernst.

Am 4. Dezember 2014 tagte der geldpolitische Rat erstmals im Frankfurter Ostend. Die Währungshüter unter der Leitung von EZB-Präsident Mario Draghi berieten über die Geldpolitik im Euroraum.

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Der 22. Januar 2015 ist auch für die EZB eine Zäsur. Die Europäische Zentralbank 
eifert der US-Notenbank Fed nach und öffnet die Geldschleusen weiter als gedacht: Sie will Wertpapiere für 60 Milliarden Euro pro Monat, also 720 Milliarden Euro pro Jahr kaufen. Das löste an der Börse Jubelstürme aus.

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Die neue EZB-Zentrale besteht aus vier Teilen. Basis ist die ehemalige Großmarkthalle aus dem Jahr 1928. Von ihr musste nur ein kleiner Teil weichen - für das neue Eingangsbauwerk.

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Über das Eingangsbauwerk ist die Großmarkthalle mit einem 185 Meter hohen Nord- (45 Stockwerke) und einem 165 Meter hohen Südturm (43 Stockwerke) verbunden. Rechnet man die Antenne mit, hat der Nordturm eine Gesamthöhe von 201 Metern.

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Von den erhofften Baukosten von rund einer halben Milliarde Euro hat man sich schon vor Jahren verabschieden müssen. Der Neubau dürfte nach den aktuellsten Schätzungen insgesamt 1,3 Milliarden Euro gekostet haben. Nichts Ungewöhnliches für das an Kummer mit Großprojekten gewöhnte Deutschland, auch wenn dieses Mal fast ganz Europa bezahlen muss.

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Wie stark sich die Großmarkthalle durch den EZB-Neubau verändert hat, zeigt der Vorher/Nachher-Vergleich.

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"Die zwei Türme - Wie aus dem alten Frankfurter Großmarkt der neue Sitz der Europäischen Zentralbank wurde. "

… ist ein multimedialer Rückblick über die Entstehungsgeschichte des Neubaus der EZB von boerse.ARD.de

Fotos:  dpa,  Hessischer Rundfunk, Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen, EZB, Andreas Bauer

Videos: Hessischer Rundfunk 

Bildredaktion: Hannes Möller 

Redaktion: Burghard Schnödewind, Mark Ehren (boerse.ARD.de)  

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