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Reich unterm Radar

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Eine Reportage von Anja Lordieck und Julian Herbst

Im beschaulichen Heidenheim an der Brenz mit seinen 48.000 Einwohnern gibt es einen Briefkasten, den Anleger kennen sollten.

Was nach Briefkastenfirmen aussieht, ist in Wirklichkeit ein weit verzweigtes Firmen-Imperium, das Anleger, Staatsanwälte, Amtsgerichte, Anlegerschützer, Journalisten und eine ganze Gemeinde in Atem hält.

Der Briefkasten gehört zum Reich der Reichs.

Dies ist die Geschichte über einen Vorstand, der keiner mehr sein darf, spektakuläre Hauptversammlungen, machtlose Kleinaktionäre, vernichtete Existenzen, eine untätige Justiz und eine bedrohte Touristenattraktion.

Und es ist die Geschichte von Wolfgang Wilhelm Reich.

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Wolfgang Wilhelm Reichs Karriere als Gesellschafter beginnt früh. Als Schüler führt er zum ersten Mal eine GmbH, mit 21 wird er Vorstand einer AG - vielleicht der jüngste, den es in Deutschland je gegeben hat. Nicht nur im "Gesellschaften gründen" verschafft er sich Bekanntheit, im Degenfechten ist er sogar schon öfter Deutscher Meister geworden.   

Was beinahe nach einer Heldengeschichte klingt, entpuppt sich nach langer Recherche als eine Art Posse, bei der man nicht so recht weiß, ob man lachen oder weinen soll.

Viele Menschen, die mit Wolfgang Wilhelm Reich zu tun hatten, wollten sich aus verschiedenen Gründen nicht öffentlich äußern. Zum Teil, weil sie keinen Ärger mit Reich riskieren wollten. Sie alle schildern ihn aber ähnlich:

Wolfgang Wilhelm Reich soll leicht reizbar sein und eine "kurze Zündschnur" haben. Manche vergleichen ihn auch mit einem kleinen Kind, das ein Nein nicht akzeptieren wolle. 

Bei ihm läuft es nicht immer professionell. Teilweise handelt er irrational und soll manchmal auch selbst den Überblick über seine Tätigkeiten verlieren.




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Wir wollen mit Wolfgang Wilhelm Reich sprechen und machen uns auf den Weg in sein Reich in Heidenheim. Doch trotz monatelanger Nachfragen und eigentlich zugesagter Interviews will hier niemand mit uns sprechen. Als wir nach einer Verhandlung vor dem Gerichtsgebäude warten, verschwindet die Reich-Gruppe durch einen Hinterausgang. 

Auf unsere schriftlichen Fragen bekommen wir nur sehr knappe Antworten, oft nur ein “trifft nicht zu”. Wesentlich umfangreicher in dem “Antwort-Fax” sind seine Unterstellungen und Androhungen von Strafanzeigen und Schadenersatzklagen.

Dafür wollen andere mit uns reden. Aktionäre, Bürgermeister, Anlegerschützer, Staatsanwälte, Journalisten, Familienmitglieder und ehemalige Mitarbeiter.

Auf der nächsten Seite stellen wir Ihnen die wichtigsten Akteure unserer Geschichte vor.

Einer Geschichte, die  - so viel sei vorweggenommen - mehr Fragen aufwirft, als Antworten gibt.

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Im deutsch-österreichischen Grenzgebiet wehrt sich die Gemeinde Mittenwald gegen einen Eindringling. Bürgermeister Adolf Hornsteiner kämpft gegen die Heidenheimer Investorengruppe um Wolfgang Wilhelm Reich, die die Macht über die Karwendelbahn an sich gerissen hat.

In diesem Kapitel treten auf: Adolf Hornsteiner als Bürgermeister, Aniko Köpf als Phantom von Mittenwald und die Gemeinde Mittenwald.


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Das beschauliche Mittenwald bangt um seine wichtigste Touristenattraktion - die Karwendelbahn, die Wanderer und Skifahrer auf Deutschlands zweithöchstem Berg bringt.

Neben der zum Schauplatz passenden Volksmusik hören Sie im Hintergrund übrigens Einschätzungen von Touristen wie Bewohnern, was es bedeuten würde, wenn die Bahn ihren Betrieb einstellen würde.

Aber was ist geschehen?

Der wegen Marktmanipulation, unrichtiger Darstellung und falscher Angaben verurteilte Heidenheimer Investor Wolfgang Wilhelm Reich hat sich über Umwege in die Karwendelbahn AG eingekauft und die Macht über die Touristenattraktion an sich gerissen.

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Die AG scheint seit der Machtübernahme des Heidenheimer Investors tatsächlich neben dem Betrieb der Karwendelbahn auch andere Prioritäten zu setzen. Zuletzt veröffentlichte sie mit mehr als einem halben Jahr Verspätung den Jahresabschluss 2015, bei dem einige Angaben seltsam erscheinen, bedenkt man, dass das Geschäftsfeld der AG hauptsächlich das Betreiben einer Bergbahn ist.

So wurden mehr als 300.000 Euro in Finanzanlagen investiert, wobei nicht klar ist, in welche. Außerdem wurde laut Bürgermeister Hornsteiner für 200.000 Euro physisches Gold von einer anderen Reich-Gesellschaft gekauft. Wolfgang Wilhelm Reich bestreitet das. Die Forderungen stiegen um 420.000 Euro, gleichzeitig schrumpfte der Barbestand um 480.000 Euro. Eine offensichtliche Tatsache, die im Jahresabschluss vermerkt ist. Laut Wolfgang Wilhelm Reich stimmt dies aber nicht.
  
Schon vor der Veröffentlichung des Jahresabschlusses haben die Aktionäre auf der Hauptversammlung eine Sonderprüfung beschlossen, um durch einen neutralen Wirtschaftsprüfer Einblick in die wirtschaftliche Situation der Gesellschaft zu bekommen. Bis heute verweigert die Reich-Gruppe dem Sonderprüfer den Zugang. Auch das bestreitet Wolfgang Wilhelm Reich schriftlich.

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Seit Jahren also streiten sich das Firmengeflecht Reich und die Mittenwalder erbittert um die Karwendelbahn. Mittlerweile ist nicht nur die Macht, sondern auch die Adresse nach Heidenheim gewandert. Die Karwendelbahn AG firmiert jetzt nicht mehr in Mittenwald, sondern an der Privatadresse von Wolfgang Wilhelm Reich.

Schon oft standen sich die Parteien vor Gericht gegenüber. Da wird um Aufsichtsrats- und Vorstandsposten gestritten, um fehlende Jahresabschlüsse und verweigerte Einsichten in die Bücher. Um Verleumdungsklagen, geänderte Bebauungspläne, Grenzverletzungen und Hausverbote für den Bürgermeister durch die Karwendelbahn AG.

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Seitdem die Karwendelbahn mehrheitlich zum Reich der Reichs gehört, ist der Umgangston etwas - nennen wir es einmal - ruppiger geworden.

Hier einige Kostproben aus der Kommunikation zwischen der Karwendelbahn AG und der Gemeinde Mittenwald sowie der lokalen Presse:


"Der Bürgermeister Hornsteiner ist seinem Christof Schnürer vom Garmisch-Partenkirchner Tagblatt soweit ins Arschloch gekrochen, dass man nur noch den Schnürsenkel gesehen hat."
Die AG lässt einen "neutralen Besucher" in einer Pressemitteilung berichten.
 

"An der einseitigen Berichterstattung und Lobhuldigung des Bürgermeisters Hornsteiner und von Herrn Schöner, oder soll man dies bereits Propaganda nennen, hätte auch Goebbels seine wahre Freude gehabt."
Karwendelbahn AG über die Berichterstattung eines Lokalreporters, die Aussage wurde knapp einen Monat später zurückgenommen.


 "Die Verantwortlichen sollten mal ihren gesunden Menschenverstand einschalten."
Stellungnahme der Karwendelbahn AG zum Bebauungsplan und einer Sonderprüfung wegen einer Licht-Installation.


"Politiker äußern sich meist zu Dingen, von denen Sie nichts wissen und/oder keinen Ahnung haben. Dieses Phänomen ist in Mittenwald wohl auch verbreitet."
Stellungnahme dazu, dass das Aufsichtsratsmitglied Schöner (2. Bürgermeister) nicht an Aufsichtsratssitzungen teilnimmt, sich aber trotzdem zu Belangen der Bahn äußert.


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Und so klingt es, wenn man aus einer Pressemittelung der Karwendelbahn AG vorliest, in der fleißig gegen den Bürgermeister gewettert wird.

Hintergrund waren die Feierlichkeiten um das 50-jährige Jubiläum der Karwendelbahn.








Mittlerweile hat sich aber auch das "Phantom von Mittenwald" im Kampf um die Karwendelbahn eingemischt...

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Anfang 2016 nahm der Streit um die Karwendelbahn geradezu absurde Formen an. Eine Aniko Köpf sei vom Aufsichtsrat zum Vorstand der Karwendelbahn AG bestellt worden, teilte die Reich-Gruppe mit.

Die Dame war bei ihrer Bestellung nicht mal anwesend, die Reich-Gruppe hatte aber die Mehrheit und stimmte für sie, ohne dass der restliche Aufsichtsrat sie je zu Gesicht bekommen hatte. Auch danach ließ sich Aniko Köpf lange nicht in Mittenwald blicken, sodass das Garmisch-Partenkirchner Tagblatt sie zum "Phantom vom Mittenwald" erklärte.

Erst Monate nach der Bestellung kam Aniko Köpf zum ersten Mal nach Mittenwald: Zur lang ersehnten Hauptversammlung der Karwendelbahn AG. Dort hielt sie sich vornehm zurück. Als sie direkt um Stellungnahme gebeten wurde, wurde die Versammlung unterbrochen.


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Noch immer ist die Vorstandsfrage bei der Karwendelbahn nicht richtig geklärt. Mit Aniko Köpf kam auch Patrick Kenntner auf die Bühne und wurde im Eilverfahren zum Vorstand gewählt. Das ging zu schnell - hat das Landgericht München II beschlossen und seine Bestellung für nichtig erklärt. Dagegen legt die Reich-Gruppe aber Berufung ein.

Das Hin und Her belastet die Gemeinde. Doch alle Versuche, sich gütlich zu einigen, scheiterten bisher an den überzogenen Forderungen aus Heidenheim.

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Aber in Mittenwald sorgt die Reich-Gruppe nicht nur für Ärger mit und um, sondern auch in der Karwendelbahn.

Betriebsleiter Gehrz und Betriebsrat Sellmaier wurden Anfang 2016 kurz nacheinander auf unschöne Art entlassen, mit teilweise sehr abstrusen Vorwürfen.

Der Betriebsleiter soll an einem Unfall vor neun Jahren schuld gewesen sein, obwohl die Aufsichtsbehörden das damals gänzlich anders sahen. Auch soll er die Mitarbeiter massiv gemobbt haben. Allerdings gab es vor der Kündigung keine Klagen. Die gesamte Belegschaft war sogar wenige Wochen vorher geschlossen beim Bürgermeister Mittenwalds um sich über Wolfgang Wilhelm Reich zu beschweren.

Gehrz war 13 Jahre bei der Karwendelbahn, ist seit 20 Jahren begeisterter Seilbahner und immer noch in einem "depressiven Keller" wie er sagt. Seine Entlassung, das anschließende Hausverbot, die Art und Weise und die Begründung - für ihn ein "böser Traum, ein Irrsinn", den er nicht fassen kann. Das Verfahren vor dem Arbeitsgericht läuft noch immer.

Im Fall des Betriebsrats hingegen haben die Gerichte bereits entschieden. Die Kündigung wurde schon im August 2016 aufgehoben. Die Gründe für die Entlassung hier: Angeblich ohne Absprache bestellte Winterhosen für die Belegschaft und ein angeblicher Tritt auf den Fuß des damaligen Aufsichtsrats Patrick Kenntner.

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Die Karwendelbahn AG ist nur ein kleiner Teil eines weit verzweigten Reichs mehrerer Dutzend Gesellschaften. 

In diesem Kapitel geht es um die Geschichte des Reichs, Marktschreierei und eine wundersame Geldvermehrung.

Es treten auf: ein verstoßener Onkel, ein web_gambler, ein verwirrendes Firmengeflecht und ein fauler Apfel.

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...von Onkel Benz markiert den Aufstieg seines Neffen Wolfgang Wilhelm Reich.

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Wieso baut sich jemand ein solches Netz aus Gesellschaften auf? Was verspricht er sich davon? Einen ersten Hinweis gibt ein Urteil des Landgerichts Stuttgart, in dem die meisten der Gesellschaften aufgelistet sind. Wolfgang Wilhelm Reich nutzte diese für seine krummen Geschäfte, für die er zu anderthalb Jahren Haft auf Bewährung verurteilt wurde. 

Zwischen 2000 und 2007 gründete er mehrere Dutzend Gesellschaften, die untereinander beteiligt waren und sich gegenseitig bei Kapitalerhöhungen das Geld kurzfristig überwiesen haben. Nach Eintragung der Kapitalerhöhung im Handelsregister flossen die Gelder zurück. 

Von dem tatsächlich vorhandenen Vermögen der Unternehmen gönnte sich Vorstand Wolfgang Wilhelm Reich dem Urteil zufolge einige Privatdarlehen im Wert von mehreren hunderttausend Euro.

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Nur sieben der 32 Gesellschaften, die 2013 Gegenstand des Verfahrens waren, erzielten überhaupt Umsatzerlöse, während die anderen lediglich Forderungen an Unternehmen aus der gleichen Firmengruppe stellten oder sich beteiligten.

Um die Anteile seiner AGs an die Anleger zu bringen, täuschte Reich Marktbewegungen vor. Dazu nutzte er die Depots seiner Gesellschaften und die von Familienangehörigen. Mit einen Depot kaufte er eine Aktie, die er kurz zuvor von einem anderen zum Kauf angeboten hatte.

Auch ließ er seine Gesellschaften in vermeintlich unabhängigen Börsenbriefen und in Anlegerforen unter Angaben einer falschen Identität bewerben. Die Forumsbeiträge sind immer noch unter dem Namen „web_gambler“ bei wallstreet:online zu finden.

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Reich machte aber nicht nur Geschäfte mit seinen eigenen Anteilen, er versuchte auch über Tauschangebote an andere „wertvollere“ Anteile zu kommen.

Das Prinzip: Nach der Wirtschaftskrise wurden viele offene Immobilienfonds vorübergehend geschlossen. Unerfahrene Anleger bekamen Panik, ihr Geld zu verlieren - ein guter Nährboden für zweifelhafte Angebote. Gesellschaften von Reich schlugen ihnen vor, ihre Fondsanteile gegen Anteile von Gesellschaften aus Reichs Netz zu tauschen. Wer sich nicht genügend informierte, tauschte seine "guten" Anteile gegen "schlechte" von Reich.

Solche Tauschangebote sind grundsätzlich nicht verboten, müssen aber von der Finanzaufsicht genehmigt werden, wenn das Tausch-Volumen 100.000 Euro übersteigt. Reich blieb immer darunter. 2009 und 2010 warnten dennoch viele Medien, zum Beispiel die Süddeutsche Zeitung vor den wenig vorteilhaften Geschäften mit Gesellschaften der „Reich-Gruppe“.

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Mittlerweile gründet Reich nur noch selten neu. Seit 2012 kauft er sich in bestehende Gesellschaften ein. Dabei versucht er eine Mehrheit in der Hauptversammlung zu bekommen und Aufsichtsrat und Vorstand zu bestellen und so die Geschicke der AGs zu lenken. So geschehen zum Beispiel bei der Karwendelbahn AG und der Kremlin AG.

Was bezweckt Reich mit den neuen Beteiligungen? Wir recherchieren und bekommen erste Hinweise durch Ralf Bake. Der Vermögensverwalter wurde Anfang 2016 vom Amtsgericht Hamburg zum Aufsichtsrat der Kremlin AG bestellt und hat dabei Einblick in die Vorgänge der Gesellschaft bekommen.


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Mit ihren Machenschaften hat sich die Reich-Gruppe auf dem Kapitalmarkt einige Feinde gemacht. In diesem Kapitel geht es um halbierte Aktienkurse, verschobene Gelder und Edelmetallbestände sowie fragwürdige Immobilienkäufe.  

Es treten auf: Der Vermögensverwalter Ralf Bake (oben), Notvorstand Hans-Hermann Mindermann (Mitte)  und Kleinaktionär Joachim Traut (unten), die einiges über die aktuellen Geschicke der Gruppe herausgefunden haben.

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Bei "Kremlin AG" und "Beteiligungen im Baltikum AG" halbierte sich der Aktienkurs, als Wolfgang Wilhelm Reich einstieg.

Wie geht man damit als Anleger um? Vor dieser Frage standen Vermögensverwalter Ralf Bake und Kleinaktionär Joachim Traut.

Laut Wolfgang Wilhelm Reich haben sich die Kurse dieser Gesellschaften wegen “der Verleumdungen” von Bake und Traut halbiert. Was dagegen spricht:

1. In die Quere kamen sich Ralf Bake, Joachim Traut und die Reich-Gruppe erst, nachdem die Kurse gefallen waren. Vorher waren Bake und Traut lange in die Gesellschaften investiert.
  
2. In Anlegerforen liest man Sätze im Sinne wie: “Reich is in the house! Bloß raus aus der Aktie” als Reaktion auf Reichs Übernahme der Unternehmen. Erst daraufhin sind die Kurse gefallen.

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Um um die Beteiligungen im Baltikum AG und die Kremlin AG zu kämpfen, haben sich Altaktionäre zusammengeschlossen. Sie konnten erreichen, dass Ralf Bake in den Aufsichtsrat der Kremlin AG berufen und Hans-Hermann Mindermann zum Notvorstand bestellt wurde. Was sie während ihrer kurzen Amtszeit herausfinden konnten: 


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Das Beispiel der Kremlin AG lässt die Frage aufkommen, ob die Gesellschaften noch vernünftig geführt werden.

Edelmetallbestände sind für den Notvorstand nicht auffindbar, Geld wird ohne für Außenstehende nachvollziehbaren Grund von einer Gesellschaft in die andere geschoben, Kapital für möglicherweise nicht sinnvolle Investitionen ausgegeben. Diesen Eindruck bekommt man nach den Erzählungen der Kleinaktionäre. Sie haben Angst um das Kapital, das sie in die Gesellschaften investiert haben.

Oft werden Jahresabschlüsse gar nicht oder erst verspätet veröffentlicht. Die Anleger wissen also gar nicht, was mit ihrem Kapital passiert, wo die Gesellschaft investiert. Die Anleger können aber kaum eingreifen, weil die Reich-Gruppe Hauptversammlungen immer wieder verzögert und verschiebt. Hauptversammlungen sind aber die einzige Möglichkeit für die Anleger, das Geschehen in der Gesellschaft zu beeinflussen.
 
Trotzdem konnten die Aktionäre kleine Erfolge verbuchen.




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Mittlerweile ist Ralf Bake vorsichtig optimistisch, dass die Reich-Gruppe in naher Zukunft aufgeben muss.




Stößt das System Reich etwa an seine Grenzen? Mehr dazu erfahren Sie nach diesem Video auf der nächsten Seite.



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Wie kann es aber sein, dass die Reich-Gruppe seit rund 17 Jahren mit ihren “eigenwilligen” Geschäften durchkommt, ohne dass ihr jemand Einhalt gebietet?

Dass selbst angesehene Aktionärsschützer im Zusammenhang mit dem System Reich nicht vor einem Begriff wie "Volksgerichtshof" zurückschrecken, bedeutet mehr als nur ein weiteres "V" in dieser Aufzählung.

Denn es treten auf: Ein System aus Verschleierung, Verzögerung, Verwirrung, Verunsicherung und Vorstände von Reichs Gnaden.

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Reich ändert öfter Namen und Zweck der Gesellschaften.

Die Beteiligungsanteile werden zwischen den Gesellschaften hin und her geschoben. Dafür haben wir eindeutige Belege aus Registerdokumenten. Wolfgang Wilhelm Reich streitet das ab.  

Jahresabschlüsse werden verspätet oder gar nicht veröffentlicht. Dies ist schon im Bundesanzeiger eindeutig nachweisbar. Aber auch das streitet Wolfgang Wilhelm Reich ab.

Internetseiten der Gesellschaften werden vom Netz genommen.

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Hauptversammlungen werden verschoben und kurzfristig abgesagt. Das ist zuletzt noch im April 2017 passiert, als die Hauptversammlungen von Kremlin AG und AGS Portfolio AG wenige Tage vor dem Termin abgesagt wurden, nachdem das Registergericht Hamburg einen Tagesordnungspunkt der Reich-Gegner zugelassen und Versammlungsleiter bestimmt hatte. Laut Reich trifft das nicht zu. Die Akten der Registergerichte dokumentieren es jedoch.

Gegen jede Entscheidung wird durch die Reich-Gruppe Beschwerde eingelegt, neue Fristen erwirkt. Bei den Amtsgerichten stapeln sich deshalb die Akten.

Die Liquidation (Abwicklung) einzelner Gesellschaften zieht sich jahrelang hin und wird dann gelegentlich doch zurückgenommen. Dies streitet Reich ab. Auch hier belegen es die Dokumente im Registergericht jedoch eindeutig.

Aufsichtsräte werden oft nicht mehr auf (abgesagten) Hauptversammlungen gewählt, sondern auf Antrag der Reich-Gruppe von den Amtsgerichten bestellt.

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Nicht selten ist unklar, wer eigentlich Aufsichtsrat, Vorstand oder Geschäftsführer war und ist.

Gesellschaft A kauft ein Haus, das Geld dafür wird von Gesellschaft B und C überwiesen. Verträge, Belege, Schriftstücke dazu? Fehlanzeige.

Die Gesellschaften ziehen öfter um, zumindest der Adresse nach. 

Zuständigkeiten innerhalb der Verwaltung sind unklar.

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Andreas Breijs, Hauptversammlungssprecher der DSW und in dieser Berufung häufig Gast auf Hauptversammlungen im Allgemeinen und denen von Unternehmen aus dem Hause Reich im Besonderen, findet für die Zustände auf den Reich-HVs sehr drastische Worte:

"Es waren Zustände wie am Volksgerichtshof. Es war ein aberwitziges Niedermachen aller Anwesenden durch die Reichs, vor allem gegenüber Mindermann, Bake und Deibert. Jeder im Raum wurde bedroht, selbst der GSC-Journalist, als er an der falschen Stelle gelacht hat. Nach dem Motto 'Mit Ihnen rechnen wir auch noch ab."

GSC ist übrigens ein Research-Haus, das sich auf Small und Mid Caps aus dem deutschsprachigen Raum fokussiert hat. Die Journalisten von GSC gehen regelmäßig auf Hauptversammlungen und berichten für die Aktionäre.

Auf den nächsten beiden Seiten finden Sie ein paar besonders abstruse Episoden von Reich-Hauptversammlungen.

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In den Kreisen der Aktionäre von mittleren bis kleineren Unternehmen sind "Reich"-Hauptversammlungen geradezu legendär. Und das liegt nicht nur an der eigenwilligen Wahl der Veranstaltungsorte. Zum Bespiel bei der Hauptversammlung der VCI Venture Capital und Immobilien AG im September 2016 im Restaurant Pflug (heute Alberti's Grill Bar). Das war übrigens die erste Hauptversammlung der VCI seit fünf Jahren - Beschlüsse gab es am Ende aber keine.

Die Kollegen von GSC haben von ihren Besuchen aufschlussreiche Berichte mitgebracht, aus denen wir gerne an dieser Stelle Auszüge präsentieren:

Zwischen Billardtisch und Theke

Im Juli 2016 findet eine Hauptversammlung der Konsortium AG in einem Rock Café statt. Zwölf Stunden dauert die Versammlung, am Ende gibt es kein Ergebnis. Während der Versammlung wird der Betrieb des Cafés aufgenommen, sodass die Versammlung neben den regulären Gästen tagt.

Außerdem:

Wolfgang Wilhelm Reich sitzt am Tisch bei Aufsichtsrat und Vorstand, obwohl er kein Organ der Gesellschaft ist. Die Begründung: Er kandidiere für den Aufsichtsrat.

Als ein Aktionär sich aus demselben Grund dazusetzen will, lehnt Reich dies ab, da der Aktionär nicht von der Verwaltung vorgeschlagen sei.

Alleinvorstand Patrick Kenntner macht sich die Aussagen von Reich zu Eigen. Man beachte: Kenntner ist Vorstand und Reich lediglich ein von sich selbst und Kenntner gewählter Versammlungsleiter.

Reich schlägt während der Sitzung erst seine Frau, dann Steffen Saur und dann Aniko Köpf für dasselbe Aufsichtsratsmandat vor.

Es geht noch weiter...


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"Gott sei Ihnen gnädig!" ruft Wolfgang Wilhelm Reich in Richtung von Hans-Hermann Mindermann und Ralf Bake auf der letzten Hauptversammlung der Kremlin AG Ende 2016. Mindermann ist zu der Zeit noch Notvorstand der AG, Ralf Bake sitzt im Aufsichtsrat. Bevor Reich diesen Ausruf von sich gibt, erklärt er, dass die beiden ihn verleumdet hätten und dass er die ganze "Sauerei" aufklären werde.
Damit spielt er auf die Tätigkeiten der beiden bei der Kremlin AG an.

Außerdem:

Die Baltikum AG steht nicht auf der Präsenzliste, obwohl sie die Hauptversammlung selbst einberufen hat.

Wolfgang Erhard Reich wird in den Aufsichtsrat gewählt, obwohl er zuvor noch in einem Verfahren gegen die Kremlin AG aufgetreten ist.

Um 20:30 Uhr gibt es plötzlich Zweifel an der Identität von Mindermann, die dann vom Notar überprüft wird. 

Am Ende dieser Versammlung haben fast alle Anwesenden Widerspruch gegen irgendetwas eingelegt.

So ein Zirkus:

Drei Anläufe hat die Baltikum AG im Jahr 2014 gebraucht, um einen Aufsichtsrat zu bestellen. Warum?

Auf jeder Hauptversammlung ist nur ein einziges Aufsichtsratsmitglied anwesend.

Sein Vater Wolfgang Erhard Reich (Aufsichtsratsmitglied) habe schon teilnehmen wollen, wenn er aber den Zirkus sehe, überlege er es sich noch, so Wolfgang Wilhelm Reich.

Weil das einzige anwesende Aufsichtsratsmitglied nicht bereit ist, Versammlungsleiter zu sein, wird stundenlang über eine Abstimmung debattiert, an deren Ende immer Wolfgang Wilhelm Reich, der kein Organ der Gesellschaft ist, Versammlungsleiter wird.

Ohne Organ der Gesellschaft zu sein, beantwortet Reich die Fragen der Aktionäre. Als eigentlich "normaler" Aktionär scheint er mehr zu wissen als der Vorstand der Gesellschaft.


Doch die Eskalation kann noch weiter gehen und einen Polizeieinsatz nötig machen, wie die Geschichte auf der nächsten Seite zeigt.

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Auf der Hauptversammlung der Konsortium AG am 16. September 2016 wollte sich der vom Amtsgericht bestellte Aufsichtsrat Ralf Bake zu den anderen Organen der Gesellschaft an den Tisch setzen, was dem Aufsichtsratsvorsitzenden Wolfgang Erhard Reich (Vater von Wolfgang Wilhelm Reich) nicht gefiel. Auch am herangerückten Nachbartisch sollte er nicht sitzen, was Bake laut GSC lächerlich fand.

Nun kam der Auftritt von Wolfgang Wilhelm Reich. Bake solle machen, was sein Vater sage. Als Bake dem aber nicht Folge leisten wollte, habe Wolfgang Wilhelm Reich ihn an die Wand geschubst. Das bestätigten auch die anwesenden Aktionäre der Polizei, die nach dem Tumult gerufen wurde.

Wolfgang Wilhelm Reich hat eine ganz eigene Wahrnehmung: Ralf Bake sei derjenige gewesen, der handgreiflich geworden ist.

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Wolfgang Wilhelm Reich ist Initiator des Reichs und hat überall seine Finger im Spiel. Wegen einer Verurteilung ist er eigentlich juristisch nicht mehr fähig, Vorstand zu sein. Darüber, wie er es de facto doch ist, handelt dieses Kapitel.

Es treten auf: Ralf Bake (Vermögensverwalter), Hans-Hermann Mindermann (Notvorstand), Joachim Traut (Kleinaktionär), Adolf Hornsteiner (Bürgermeister), Michael Benz (Onkel), Hans Richter (ehemaliger Staatsanwalt) und Silja Kummer von der Heidenheimer Zeitung. Sie schildern, wie Wolfgang Wilhelm Reich sich verhält. 

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Seit seiner Verurteilung 2014 ist Wolfgang Wilhelm Reich kein Vorstand mehr. Zumindest theoretisch. De facto bleibt Reich aber weiterhin Vorstand und Geschäftsführer. Sein Name steht teilweise noch fast drei weitere Jahre in den Handelsregistern und auch nach der Löschung dort lenkt er weiterhin die Geschicke “seiner” Unternehmen, wie wir bei unseren Recherchen herausfanden. Wie ist das möglich?

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Gemäß §76,III AktG und §6 II GmbHG kann Wolfgang Wilhelm Reich nach seiner rechtskräftigen Verurteilung 2014 nicht mehr Vorstand oder Geschäftsführer sein, wie uns Hans Richter, der Staatsanwalt der Wolfgang Wilhelm Reich vor Gericht brachte, erklärt.

Aber mit Rechtskraft des Urteils wird er eben nicht automatisch aus dem Handelsregister gelöscht. Und er macht sich auch nicht strafbar, wenn er wider besseren Wissens keine Löschung veranlasst und weiter als Vorstand auftritt. Strafbar würde sich Reich nur dann machen, wenn er ein neues Vorstandsamt annehmen und dabei unterschreiben würde, nicht wegen einer der in §76 aufgeführten Straftaten verurteilt worden zu sein.

Unklar ist, wer die Amtsgerichte auf das Urteil und die daraus resultierenden Folgen hätte hinweisen müssen. Das Amtsgericht sagt, die Staatsanwaltschaft, die Staatsanwaltschaft sagt, sie sei nicht dafür zuständig, konnte aber auch nicht sagen, wer sonst. 

Das ist etwa so, wie wenn ein Verkehrsrowdy wegen Trunkenheit am Steuer, gefährlichem Eingriff in den Straßenverkehr und Fahrerflucht zum Entzug der Fahrerlaubnis verurteilt würde, aber niemand der Führerscheinstelle Bescheid gibt, dass der Führerschein eingezogen werden soll. Und wenn er weiter mit seinem Führerschein unterwegs ist, dann würde er sich auch nicht strafbar machen. Nur einen neuen Führerschein würde er nicht bekommen, bzw. sich damit strafbar machen.

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Die erste, die überhaupt darüber berichtet hat, dass Wolfgang Wilhelm Reich eigentlich kein Vorstand mehr sein konnte und aus den Registern hätte gelöscht werden müssen, war Silja Kummer von der Heidenheimer Zeitung. Durch ein anonymes Schreiben kam sie auf die Machenschaften des stadtbekannten Investors.

Mehrmals hatte sie über die Reichs berichtet und ist ihnen ganz schön auf die Füße getreten. Nach Veröffentlichung ihrer Artikel bekam sie nach eigenen Angaben Anrufe aus dem Hause Reich, die sie jedoch nicht daran hinderten, mit uns zu sprechen. Andere Redaktionen wollten aus Angst vor Reich-Klagen nicht vor unsere Kamera.

Vor ihrem ersten Bericht erklärte sich Wolfgang Wilhelm Reich tatsächlich dazu bereit, persönlich mit ihr zu sprechen Selbstverständlich "off the record".
 
Ihr Eindruck:

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Familie Reich hat ein eigenes Rechtsverständnis, das sich oftmals nicht mit dem der deutschen Justiz deckt.





Zu seiner Verurteilung schrieb Wolfgang Wilhelm Reich uns übrigens, er habe ein falsches Geständnis abgelegt. Was das genau bedeutet und warum er es gemacht hat, hat er nicht erklärt.

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Was andere, die Reich kennen gelernt haben, über ihn denken ...

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...in offiziellen Berichten eines Unternehmens, Pressemitteilungen oder dem ein oder anderen Brief formuliert die Reich-Gruppe Aussagen, die Politiker, Behörden und Aktionäre beleidigen und bedrohen. So mancher wird sich vielleicht fragen, was solche Aussagen in offiziellen Meldungen zu suchen haben.


"Mit der Aufrichtigkeit von Herrn Bake ist es wohl nicht allzu weit her."
"Wir halten es für einen Skandal, dass eine durch das Registergericht Hamburg ins Amt gehievte Gruppe die Gesellschaft unserer Meinung nach versucht zu plündern."
"Nachdem die Gruppe Bake, Traut, Deibert und Mindermann die Kremlin AG feindlich übernommen hat, herrscht Chaos und es wird gegen wesentliche Bestimmungen gem. WpHG oder AktG verstoßen."
(Quelle: Eine Stellungnahme der Beteiligungen im Baltikum AG zu den Ereignissen bei der Kremlin AG.)


Wolfgang Wilhelm Reich fordert einen neu bestellten Aufsichtsrat der Konsortium AG auf, der nicht zur Reich-Gruppe gehört, sofort sein Amt niederzulegen oder gar nicht erst anzutreten. Am Ende des Tages wolle er von ihm kein Gejammer hören, dass er nicht gewarnt worden sei. Er solle sich gut überlegen, ob er sich das antun wolle.

Wolfgang Wilhelm Reich schreibt an Ralf Bake, der zum Aufsichtsrat bestimmt worden ist, er werde schon sehen, was er davon habe, wenn er ihm Schäden zufüge. Reich gibt an, zu vermuten, dass die Konsortium AG Gläubigern nun höhere Zinsen zahlen muss, da Bake im Aufsichtsrat sitzt.

Die VCI Venture Capital und Immobilien AG warnt das Amtsgericht Ulm ausdrücklich davor, auch nur mit dem Gedanken zu spielen, Bake oder Deibert (anderer Aktionär) zum Aufsichtsrat zu bestellen. In dem Schreiben werden die beiden als “Versager” bezeichnet.

Die Konsortium AG schreibt an das Registergericht München, dass dieses sich blamiert habe, nachdem es auf Herrn Traut hereingefallen sei. Nun brauche es sich nicht wundern, wenn Traut weitere Anträge stelle, die dem Schikaneverbot gem. § 226 BGB unterlägen. Bei dem Schreiben ging es um eine Aufsichtsratsbestellung.



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Hat die Justiz geschlafen? Was ist ihr Problem, wo doch scheinbar so offensichtlich etwas bei den Gesellschaften schief läuft. 

Ganz so einfach ist es nicht.

In diesem Kapitel, in dem die Rolle der Justiz näher beleuchtet werden soll, treten auf: Notvorstand Hans-Hermann Mindermann, der ehemalige Staatsanwalt Hans Richter, DSW-Hauptversammlungssprecher Andreas Breijs, Daniel Bauer von der SDK, und Silja Kummer von der Heidenheimer Zeitung. 

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Wolfgang Wilhelm Reich macht es Justitia nicht einfach, gar keine Frage. Bei der Recherche stellt sich uns aber öfter die Frage:

Warum macht es Justitia Reich eigentlich so einfach?

So wurden vom Amtsgericht immer wieder Zwangsgelder mit Frist angedroht, wenn Protokolle fehlten oder Hauptversammlungen überfällig waren.

Die Antworten Reichs: Kommt ja noch / Ist jetzt schlecht. Die Reaktion des Amtsgerichts? Muss aber! Neue Frist und neue Androhung.

Oft wurden auch zum Beispiel Hauptversammlungen angekündigt und kurzfristig wieder abgesagt. Das Amtsgericht hat dann nur die Ankündigung gesehen, aber nicht die Absage. Die Angelegenheit war für den Richter also erledigt. So ging das über viele Monate hin und her.

Tatsächlich verhängte Strafen konnten wir nicht entdecken.

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Auf unsere Nachfrage, warum kein Zwangsgeld verhängt worden ist, bekamen wir je nach Gesellschaft unterschiedliche Antworten. Meist sei es an nicht ausreichend besetzten Aufsichtsräten oder deren unklarer Zusammensetzung gescheitert. In anderen Fällen seien Protokolle und Jahresabschlüsse rechtzeitig nachgereicht worden. Wobei etwa im Fall der Klosterbrauerei Königsbronn aus dem Protokoll der Hauptversammlung eindeutig hervorgeht, dass für die Jahre 2012 bis 2015 weder über die Jahresabschlüsse und die Entlastung des Vorstands weder diskutiert noch abgestimmt wurde.

Bei der VAP-Vorboersliche-Aktienplattform.de AG habe man keine Zwangsgeldverfahren einleiten können, weil die AG 2014 bis 2016 keinen Vorstand gehabt habe. In dieser Zeit war im Handelsregister allerdings Wolfgang Wilhelm Reich eingetragen. Von seiner Unfähigkeit, Vorstand zu sein, wusste das Amtsgericht nach eigener Aussage aber gar nichts.

Bei der Königsbronner Vermögensverwaltungs UG wurde Wolfgang Wilhelm Reich ein Jahr später aus dem Handelsregister gelöscht als bei den anderen Gesellschaften. Kurioserweise erst kurz, nachdem wir danach gefragt haben. Das lag aber bei dieser sehr kleinen Gesellschaft laut dem Amtsgericht Ulm an "vorzunehmenden Rücksprachen mit Kollegen in Parallelverfahren".

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Auch Hans-Hermann Mindermann, ehemaliger Notvorstand der Kremlin AG glaubt, dass die Behörden mit Reichs Verhalten einfach überfordert sind.

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Der DSW- Hauptversammlungssprecher Andreas Breijs findet, dass die Justiz versagt hat. Allein auf EINER Hauptversammlung habe Reich so viele Dinge getan, dass es ein Leichtes sein müsse, ihm seine Bewährung zu entziehen.

Nicht jeder sieht im Handeln der Justiz pures Versagen. Aber alle, die sich mit dem Fall Reich beschäftigen, sind der Meinung, dass es eben extrem lange dauert. Daniel Bauer von der SDK meint, dass die Staatsanwaltschaft eben nicht die nötigen Ressourcen habe, um derartig komplexe Fälle schnell aufzuklären. Der Nachweis bei Wirtschaftsverbrechen dauere eben lange. So begründet auch der ehemalige Staatsanwalt Hans Richter die Situation.

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Auch im Umgang mit Nachfragen zeigten Justizbehörden sich nicht immer aufgeschlossen. Diese Erfahrung musste Silja Kummer, Journalistin bei der Heidenheimer Zeitung, bei ihren Recherchen über Wolfgang Wilhelm Reich machen.

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Bei unseren Recherchen machten wir ähnliche Erfahrungen. Bei der Staatsanwaltschaft Ellwangen hieß es, wir sollten uns dort nicht mit hineinziehen lassen, die Reich-Gruppe würde schnell mit Unterlassungsklagen drohen. Auskünfte bekamen wir dort nicht. Es gelte die Unschuldsvermutung.

Bei den Amtsgerichten haben wir Anträge auf Akteneinsicht gestellt. Teilweise hat es Wochen gedauert, bis wir Einsicht nehmen durften.

In Ulm war dies vielleicht dem Fakt geschuldet, dass sich etwa zehn Sachbearbeiter mit den insgesamt 26 Gesellschaften beschäftigten. Da war man in Ulm auch über die Aktenberge, die im Zusammenhang mit Reich ausgegraben worden sind, überrascht. 

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Die Geschichte der Reich-Gruppe zeigt: Die gesetzlichen Strukturen auf dem Kapitalmarkt scheinen ineffizient, der Verwaltungsapparat überfordert, der Kampf um einen transparenten und sauberen Kapitalmarkt extrem mühselig.

Wolfgang Wilhelm Reichs Handeln hat seine eigene Familie entzweit. Einzelne Menschen sehen ihre berufliche Existenz bedroht. Eine ganze Gemeinde hat Angst um ihre Zukunft. Aktionäre bangen um ihr Geld.

Das System Reich funktioniert so seit 17 Jahren - die einzige bisherige Konsequenz: Eine geringe Geldstrafe und eine Verurteilung, die Wolfgang Wilhelm Reich keinen großen Nachteil gebracht hat.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt nach Angaben von Hans-Hermann Mindermann gegen Reich. Ob die neuen Ermittlungen schlimmere Folgen für Wolfgang Wilhelm Reich bringen werden, bleibt abzuwarten.

Redaktionsschluss war der 29. Juni 2017.




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... ist eine Multimedia-Reportage von boerse.ARD.de

Autoren: Anja Lordieck, Julian Herbst

Redaktion: Burghard Schnödewind

Videos: Marc Brockmöller, Julian Herbst

Fotos: Marc Brockmöller, Julian Herbst, Hannes Möller

Quellen: picture alliance/dpa, Colourbox, Alpenwelt Karwendel GmbH, Heidenheimer Zeitung


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Aber warum ist die Karwendelbahn eigentlich eine Aktiengesellschaft und warum hält Mittenwald nur etwa ein Drittel der Anteile?

In den 1950er Jahren war mit dem Bau begonnen worden, den dann aber die Insolvenz der Gesellschaft stoppte. Um die Bahn dennoch realisieren zu können, suchte der Initiator Investoren. Neben der Gemeinde Mittenwald gab es einen weiteren Großinvestor. Aber auch Anwohner und Touristen kauften Aktien. So konnte der Betrieb 1967 doch starten. Die Anteile des Großinvestors wechselten den Besitzer und landeten schließlich bei der Konsortium AG. Bei dieser übernahm die Reich-Gruppe 2012 den Vorstand.

Nun besitzt Mittenwald 32 Prozent und die Reich-Gesellschaft Konsortium AG rund 43 Prozent der Karwendelbahn AG. Die verbleibenden 25 Prozent der Anteile sind in Streubesitz, nach 50 Jahren allerdings kaum mehr aufzufinden.

Mittenwalds Bürgermeister Adolf Hornsteiner befürchtet, dass das das Ende der Bahn sein könnte.

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Der Onkel von Wolfgang Wilhelm Reich ist Diplom-Ingenieur Elektronik, hat in den 90ern bereits mit zwei Kollegen die Technologiefirma Jumptec gegründet und wollte Anfang 2000 mit eigener Idee von vorn anfangen. Dazu hatte er die Anteile an Jumptec für mehrere Millionen Mark verkauft - und später alles verloren.

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Laut Benz lief die Gründung der MMC AG und die folgenden zwei Jahre so ab:

Das Geld zur Gründung der MMC Embedded Technology Internet AG kam von Dorothea Reich, Benz’ Schwester, und ihm selbst. Im Aufsichtsrat saßen Dorothea Reich, Wilhelm Benz (Benz’ Bruder) und Olga Stern (eine Freundin von Benz). Im Vorstand Neffe Wolfgang Wilhelm Reich als Alleinvertretungsberechtigter und Michael Benz selbst. Die Verträge entwarf sein Schwager Wolfgang Erhard Reich in seiner Funktion als Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und Rechtsanwalt. Wolfgang Wilhelm Reich streitet den letzten Teil ab.

Zunächst lief für Benz alles nach Plan. Eine Wertpapierhandelsbank brachte die Gesellschaft in den Freiverkehr. 14,70 Euro kostete eine Aktie. Technologieunternehmen waren zu der Zeit heiß begehrt, sodass die Emission völlig überzeichnet war. Direkt nach der Kapitalerhöhung bekam Benz zunehmend das Gefühl, dass Familie Reich kein Interesse an einer Weiterführung des jungen Unternehmens hatte. Reich Junior wollte die MMC AG umfirmieren zu einer Kapital- und Immobilien-Gesellschaft. Als Benz dabei nicht mitmachen wollte, sei er durch falsche Anschuldigungen aus dem Unternehmen gedrängt worden und habe juristisch keine Chance gehabt, sich zu wehren, da sein Schwager die Verträge im eigenen Sinne gestaltet habe. Sein ganzes Geld, das er in die Gesellschaft gesteckt hatte, war weg. In den Händen der Reichs.

Zu seinen Geschwistern hat er bis heute keinen Kontakt mehr.

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Von seinem damals einundzwanzigjährigen Neffen Wolfgang Wilhelm Reich war er anfangs begeistert.

Das war sein "Todesurteil", wie er selbst sagt und der Anfang des "Reich der Reichs".

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Es gibt auch in Deutschland Gesetze, die vorgeben, bis wann und mit welchem Inhalt Jahresabschlüsse zu veröffentlichen sind. Gerade bei Aktiengesellschaften ist das für die Aktionäre wichtig, damit diese erfahren, wie es um die Gesellschaften steht.

Bei börsennotierten Gesellschaften setzt dies die Finanzdienstleistungsaufsicht durch. Bei der KREMLIN AG hat diese zum Beispiel ein Zwangsgeld von 140.000 Euro festgesetzt, da der Jahresabschluss 2015 bislang nicht veröffentlicht wurde. Um dieses Zwangsgeld nicht zahlen zu müssen, müsste die Gesellschaft den Abschluss einfach veröffentlichen. Das hat sie aber bisher nicht getan.

Außerdem setzt das Bundesamt für Justiz bei allen Aktiengesellschaften und GmbHs die Veröffentlichung von Jahresabschlüssen im Bundesanzeiger (einer Veröffentlichungsplattform) durch. Verzögern Gesellschaften die Veröffentlichung, leitet das Bundesamt für Justiz ein Ordnungsgeldverfahren ein.

Auf Nachfrage haben wir erfahren, dass das Bundesamt für Justiz bereits bei mehreren Reich-Firmen Ordnungsgeldverfahren eingeleitet hat oder hatte. Vielleicht auch deshalb hat die Reich-Gruppe in den vergangenen Monaten viele Abschlüsse nachgereicht.

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Selbst das Landgericht Stuttgart kam im Urteil zu dem Schluss, dass die Verzögerung "zum Teil der Justiz angerechnet werden" kann, dass es beim Ermittlungsverfahren "teilweise Zeiträume der Untätigkeit" gab und dass es "sachlich nicht zu begründende Verzögerungen" gegeben habe. Aber das lässt sich auch so erahnen:

31.10.2006: Einleitung des Ermittlungsverfahrens

07.03.2007: Telefonüberwachung von vierzig Anschlüssen

22.04.2007: Durchsuchung von 22 "Objekten"


     ... drei Jahre später...


29.04.2010: polizeilicher Abschlussbericht

19.11.2010: Eingang der Anklageschrift


     ...rund zwei Jahre später...


11.02.2013: Eröffnungsbeschluss

12.04.2013: Beginn der Hauptverhandlung

17.05.2013: Urteil

27.02.2014: rechtskräftiges Urteil (nach Berufungsverfahren)







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Ralf Bake vermutet, dass Gelder zwischen den Gesellschaften verschoben werden und ab und an auch ganz verloren gehen. Den Verdacht hat er, seitdem der Jurist Hans-Hermann Mindermann als Notvorstand der Kremlin AG bestellt worden ist. Dieser suchte während seiner Mandatszeit vergeblich Edelmetallbestände der Gesellschaft und ein großes Aktienpaket, das laut einem früheren Geschäftsbericht im Besitz der Kremlin AG gewesen war.

Wolfgang Wilhelm Reich sagt hingegen, die Edelmetallbestände seien "sicher verwahrt und vorhanden", das Aktienpaket ebenfalls.

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Im Juni 2016 bestellte das Amtsgericht Hamburg  den Juristen Hans-Hermann Mindermann als Notvorstand der Kremlin AG, bei der Reich gerade gelöscht worden war.

Dabei stieß er auf allerhand Widerstand und Kuriositäten.

Mindermann gibt an, er hätte keinen Zugang zu den Geschäftsunterlagen der Gesellschaft gehabt. Dies bestreitet Reich.

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Ein besonders seltsamer Vorgang, der dem Notvorstand der Kremlin AG aufgefallen war, war der Kauf einer Immobilie (Foto) in Heidenheim. Laut Mindermann hatte die Kremlin AG scheinbar nur die Maklerprovision selbst gezahlt.

Das restliche Geld kam angeblich von zwei anderen Gesellschaften der „Reich-Gruppe“. Allerdings gab es keinerlei schriftliche Verträge mit Forderungen der anderen AGs. Das Geld schien also entweder geschenkt oder auf Zuruf geliehen. Als Wolfgang Wilhelm Reich vom Amtsgericht als Vorstand der Kremlin AG gelöscht worden war, forderten die zwei Gesellschaften, die vorher das Geld "geliehen" hatten (wie gesagt, ohne dies zu dokumentieren), ihr Geld von der Kremlin AG zurück.

Auch das trifft laut Wolfgang Wilhelm Reich nicht zu.

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Egal wer jetzt wirklich “offiziell” Vorstand ist, Handelnder ist und bleibt Wolfgang Wilhelm Reich selbst. So schrieb er etwa im April 2016 an das Amtsgericht Düsseldorf:

Für den Fall, dass er nicht mehr Vorstand der AGS Portfolio AG sei, sei er als leitender Angestellter der AGS tätig und mache sich sämtliche Anträge zu eigen, die er als Vorstand der Gesellschaft gestellt hat.

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Auch tragen alle Schreiben der beherrschten Unternehmen Wolfgang Wilhelm Reichs “Handschrift”, auch wenn offiziell ein anderer Name darunter steht. Wobei es genau da manchmal geradezu absurd wird. So finden sich in den Unterlagen der Amtsgerichte teilweise Schreiben gleich mehrerer Reich-Gesellschaften mit angeblich unterschiedlichen Vorständen, die sich bis auf die Unternehmensanschrift und den Namen des Unterzeichners gleichen. Sogar die Unterschrift “i.A.” ist identisch und stammt von einer Mitarbeiterin im Panoramaweg. 


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Kapitel 1 Reich unterm Radar- im Sumpf des grauen Kapitalmarkts

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Kapitel 2 Bedrohte Touristenattraktion

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Kapitel 6 Vorstand ohne Fähigkeit

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