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Sprudelnde Renditen

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Durch diese Rohre fließt heißes Wasser. So heiß, dass man sich die Finger verbrennen kann.

Es ist Thermalwasser aus mehreren Kilometern Tiefe, das zur Energiegewinnung genutzt wird. Fünf Kraftwerke möchte die FG-Gruppe in Oberbayern bauen. Auch Kleinanleger können einsteigen: bis zu 190 Millionen können sie investieren, verzinst mit bis zu 7,25 Prozent im Jahr.

Momentan warten über 3.000 FG-Anleger jedoch auf ihre Zinsen fürs vergangene Jahr. Was ist passiert? boerse.ARD.de hat den Fall recherchiert und ist auf eine Serie von Verzögerungen, Kostensteigerungen und Umplanungen gestoßen. Ihren Anlegern berichtet die FG lieber von vermeintlichen "Vorzeigeprojekten".

Es folgt eine Reise auf den grauen Kapitalmarkt, auf dem es vor "grünen Investments" mit hohen Renditeversprechen nur so wimmelt. Ob das neue Kleinanlegerschutzgesetz hier für mehr Ordnung sorgen kann, untersuchen wir anhand dieses Falles am Ende der Story.

Redaktionsschluss war der 29.06.2015.

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Wie genau er auf die Regensburger Forever Green-Gruppe (FG) aufmerksam geworden ist, weiß Markus S. (Name geändert) heute nicht mehr. Irgendwann im Jahr 2013 hielt er den weiß-blauen Prospekt in den Händen und wurde neugierig . Eine Namensschuldverschreibung bot die FG-Tochter Geokraftwerke.de ihm an – mit lukrativsten Konditionen: Basiszins von jährlich 7,25 Prozent, "kalkulierbarer Gewinn" dank "gesetzlich garantierter Einspeisevergütung"; außerdem eine "nachhaltige Investition in Geothermie".

Mit dem Kapital will die FG Kraftwerke bauen, in denen mit heißem Wasser aus der Erde Strom erzeugt wird. Vom Staat schmackhaft gemacht durch die EEG-Vergütung von damals noch rund 19 Cent pro Kilowattstunde.

Markus S. ist überzeugt und zeichnet. Er ist damit einer von heute über 3000 Anlegern der FG-Gruppe. Insgesamt sollten allein mit dieser Anleihe 50 Millionen Euro eingeworben werden.

Anschließend rechnet Markus S. zu Jahresbeginn 2014 fest mit der ersten Ausschüttung des Basiszinses – aber so einfach sei das nicht, sagt ihm die FG.

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Erste Zweifel

Markus S. erfährt, dass er den Basiszins nicht automatisch bekommt. Trotzdem soll er weiteres Geld in die FG investieren.

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Für das vergangene Jahr hat Markus S. bis Ende Juni 2015 die 7,25 Prozent Zinsen nicht erhalten. Stattdessen schlug ihm die FG aber vor, in zwei neue Finanzprodukte des Unternehmens zu investieren: ein partiarisches Nachrangdarlehen und eine nachrangige Namensschuldverschreibung. Er lehnte ab und wusste auch überhaupt nicht genau, was das für Produkte waren.

Eine Mail von Geokraftwerke.de-Geschäftsführer Tobias Reber Anfang Mai veranlasste ihn jedoch, sich näher mit den Konditionen seines Investments zu beschäftigen. "Die jährliche Zinsausschüttung steht gemäß den Anlagebedingungen (...) unter dem Vorbehalt ausreichender Jahresüberschüsse", schreibt Reber. Markus S. verstand: Den "Basiszins" kriegt er nur, wenn das Unternehmen Gewinne macht – und das steht aktuell wohl nicht fest. Aber wieso nicht? Sollte der Gewinn nicht "kalkulierbar" gewesen sein?

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Ein Blick in aktuelle Broschüren und Mitteilungen der FG legt nahe, dass das Geschäft hervorragend läuft. "Wir liegen im Zeitplan" steht im Geschäftsbericht 2013/14, außerdem gebe es Einnahmen, mit denen "in der ursprünglichen Konzeption nicht zu rechnen war".

Gemeint ist damit ein riesiges Gewächshaus im oberbayerischen Örtchen Kirchweidach. Hier wachsen tonnenweise Tomaten und Paprika – beheizt mit warmem Thermalwasser durch eine Bohrung, die unter anderem die FG finanziert hat. Ein "Vorzeigeprojekt", wie Reber in seiner Mail schreibt.

Dass beim Kirchweidach-Projekt in Wirklichkeit einiges nicht so gelaufen ist wie ursprünglich geplant, wird Markus S. erst später durch die Recherchen von boerse.ARD.de erfahren.

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Paprika im Postkasten

Auf die Zinsen für dieses Jahr wartet Markus S. derzeit noch. Dafür gab's letztes Jahr Paprika von der FG für die über 3000 Anleger.

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Neben dem "Vorzeigeprojekt" in Kirchweidach plant und entwickelt die FG derzeit nach eigenen Angaben in vier weiteren Orten in Südostbayern Geothermieprojekte.

Am weitesten ist die Firma offenbar in Schnaitsee. Auf ihrer Homepage spricht sie vom "Erfolgsprojekt", in das direkt investiert werden könne.

boerse.ARD.de fährt hinab ins tiefste Bayern, nahe an die österreichische Grenze heran, auf der Suche nach den vorzeigbaren Erfolgen.

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Das Gewächshaus in Kirchweidach ist gigantisch. Auf einer Fläche von 11,8 Hektar – das sind über 16 Fußballfelder – werden täglich 100.000 Kilo Tomaten und 40.000 Kilo Paprika geerntet. Gegossen werden die Pflanzen mit Regenwasser, durch die Hallen summen Hummeln und bestäuben die Blüten.

Gemüsebauer Josef Steiner hat mit dem Projekt bereits mehrere Nachhaltigkeitspreise gewonnen.

Das Besondere: Die Wärme kommt aus der Tiefe. Kilometerlange Wasserleitungen halten die Temperatur stets zwischen 19 und 21 Grad Celsius. Damit spart Steiner pro Jahr 4,8 Millionen Liter Heizöl ein.

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"Warum müssen wir in Bayern Tomaten importieren?"

Der Österreicher Josef Steiner (56) hatte früher eine Heidelbeerplantage und eine Baumschule. Aber die Idee, mit bezahlbarer Wärme ein Gewächshaus zu betreiben, schlummerte schon länger in ihm.

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Warum hatte noch kein anderer diese Idee? "Das frage ich mich auch", antwortet Steiner mit einem zufriedenen Lächeln. Sein Plan scheint aufzugehen.

Momentan erweitert er seine Anbaufläche um weitere 7,8 Hektar. Dazu hat er noch einen Absatzmarkt direkt vor der Haustür: 90 Prozent der Tomaten gehen an "Rewe", das offensiv mit der "Bayerntomate" wirbt. Steiners Gemüse wird nämlich nur im Freistaat vertrieben. So würden lange Transportwege vermieden, sagt er.

Steiner liefert der FG-Gruppe damit die Einnahmen, mit denen "nicht zu rechnen war". Doch auch er weiß, dass der Plan ursprünglich ein anderer war.

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"Vertrag beruht darauf, dass ein Kraftwerk errichtet wird."

In der meisten Zeit des Jahres würde es Josef Steiner reichen, die Abwärme aus einem Kraftwerk zu nutzen.

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So funktioniert eine Geothermie-Anlage

Josef Steiner könnte sein Gewächshaus auch betreiben, wenn das Wasser erst zur Stromgewinnung genutzt würde. Hier erfahren Sie, wie das genau funktioniert. Musik: Macroform - Feeling in Space (cc-by-sa-3.0).

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Von hier kommt die Wärme, die Steiners Tomaten reifen lässt. Wenige hundert Meter vom Gewächshaus entfernt hat die FG zusammen mit einem Investor, der Geoenergie Bayern, schon 2010 mit den Bohrarbeiten begonnen.

Noch Anfang 2013 teilte die Firma mit: "Die Inbetriebnahme der Stromproduktion ist für Frühjahr 2015 geplant." Im Juni 2015 ist von einem Kraftwerk jedoch nichts zu sehen. Nur zwei Bohrlöcher, einige Container und ein großer asphaltierter Platz.

Dass sich der Fokus in Kirchweidach verschoben hat, wurde den Anlegern im letzten Geschäftsbericht mitgeteilt: mehr Wärmeverkauf, weniger Stromproduktion. Dass damit die einst so wichtige EEG-Vergütung wegfällt, wertet die FG nun positiv. Der Vorteil des Wärmeverkaufs "liegt in der Preisanpassung an die jeweilige Inflationierung. Die EEG-Vergütung berücksichtigt hingegen keinerlei Inflation." Der Vorteil ist offenbar so groß, dass selbst die Erhöhung der EEG-Vergütung für Geothermie um satte 30 Prozent nichts ändert.

Nun soll schrittweise ein erheblich kleineres Stromkraftwerk erbaut werden. "Um die Expansionsbemühungen des Großkunden" Steiner nicht zu behindern, wie es heißt. Wirklich nur deshalb?

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"Die Temperatur stimmt", sagt Marcus Hansen zufrieden beim Blick aufs Thermometer. Der 44-Jährige leitet die Verwaltung in Kirchweidach und ist gleichzeitig Geschäftsführer der "Kirchweidacher Energie Gmbh" – eine städtischer Tochtergesellschaft, die im Zuge des Geothermieprojekts gegründet worden ist. Hansen ist damit das Bindeglied zwischen Gemeinde, Gemüsebauer und Investoren – und kennt dadurch einige Hintergründe.

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"Das Problem der Fündigkeit"

Marcus Hansen erklärt, warum es neben dem Großkunden Steiner einen weiteren Grund gibt, dass bis heute kein Geothermie-Kraftwerk in Kirchweidach steht.

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Durch dieses Bohrloch fließt offenbar weniger Wasser, als die Voruntersuchungen vermuten ließen. Damit ist eingetreten, was den FG-Anlegern in den Risikohinweisen mitgeteilt wurde. "Ein besonderes Risiko bei geothermischen Vorhaben stellt das sogenannte Fündigkeitsrisiko dar."

Statt der mindestens geplanten 150 Liter pro Sekunde werden wohl nur 120 Liter pro Sekunde gefördert. Außerdem ist das Wasser drei Grad kälter als kalkuliert, wie der Mitgesellschafter der FG, die Geoenergie Bayern, auf Anfrage bestätigt. Heißt das weniger Strom, weniger Wärme – weniger Rendite?

Die FG schrieb ihren Anlegern, dass die Fördermenge "nur leicht verfehlt" wurde. Tatsächlich bestätigen die Recherchen in Kirchweidach jedoch Informationen von boerse.ARD.de, wonach selbst die heute kolportierten 150 Liter pro Sekunde ursprünglich schon das untere Limit der Prognosen war. Die Geoenergie Bayern berichtet außerdem von "einigen Schwierigkeiten" bei den Bohrungen, die zu Verzögerungen und höheren Kosten geführt haben.

Keine guten Nachrichten für die Investoren. Glück im Unglück hingegen für die Gemeinde Kirchweidach: Sie bekommt nun schneller das gewünschte Fernwärmenetz.

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"Sonst hätte erst wieder ein Kraftwerk gebaut werden müssen."

Der Kirchweidacher Bürgermeister Johann Krumbachner (63) – seit 2008 ehrenamtlicher Bürgermeister und ehemaliger Landwirt – sieht in der geringen Fündigkeit auch einen Vorteil für seine Gemeinde.

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Diese drei Herren freuen sich über das "Vorzeigeprojekt", das in Kirchweidach entstanden ist. Gemüsebauer Steiner kann optimal produzieren, der Bürgermeister hat dem verschlafenen Örtchen ein  Alleinstellungsmerkmal verpasst und Marcus Hansen baut ein Fernwärmenetz auf. "Momentan ist für uns eine sehr angenehme Phase, weil wir günstig Wärme haben", sagt Hansen.

Wie günstig genau? Dazu schweigen sich die Beteiligten in Kirchweidach aus. Ob die zusätzlichen Wärmeeinnahmen aktuell reichen, um den Wegfall der EEG-Vergütung zu kompensieren, wollte die FG auf Anfrage nicht kommentieren. Der Mitgesellschafter, die Geoenergie Bayern, deutet hingegen an: "Die geringere Schüttung hat gegenüber den ersten Planzahlen einen erlösreduzierenden Effekt."

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Schnaitsee hat zwar nur 3.500 Einwohner, dafür aber 118 Ortsteile. Entsprechend kompliziert kann es sein, sich zwischen den vielen Mini-Dörfern zurechtzufinden.

Die FG sieht sich beim "Erfolgsprojekt" jedoch auf Kurs. Umweltbewusste Kleinanleger können hier investieren. Über eine Tochtergesellschaft sammelt die FG aktuell mit einem Nachrangdarlehen 40 Millionen Euro ein, um ein Geothermie-Kraftwerk zu bauen. Auch hier ist der Gewinn laut Broschüre "kalkulierbar" dank EEG-Vergütung.

Schnaitsee haben die Regensburger schon länger ins Auge gefasst. Das Oberbayerische Volksblatt berichtete einmal, dass ab Februar 2015 sogenannte Pumptests stattfinden sollten. Die folgen auf eine Bohrung. Offenbar kam zwischenzeitlich etwas dazwischen, denn zuletzt hieß es dann, dass im Februar 2015 erst einmal ein Bohrunternehmer gefunden werden muss. Ab März oder April könne dann begonnen werden, den Bohrplatz zu bauen und die "Bagger rollen".

Aber wo sind sie, die Bagger?

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Hier, im Schatten des "Pumperhölzl", wie die Schnaitseer das kleine Flurstück liebevoll nennen, sollte laut FG-Mitteilung Ende des zweiten Quartals mit den Bohrungen begonnen werden. Momentan gedeiht auf dem unbestellten Acker die wilde Windergerste noch prächtig. Keine Spur von rollenden Baggern.

In Schnaitsee wurden die Regensburger ohnehin nicht so freundlich empfangen wie noch in Kirchweidach. Der Bohrplatz hier ist bereits der dritte, wo die FG das Kraftwerk bauen will. Zweimal musste das Areal gewechselt werden, weshalb es zu Verzögerungen kam.

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"Sieht so aus, dass das hier hinkommt."

Franz Rieperdinger (59) – seit Kindstagen in Schnaitsee zu Hause und seit sieben Jahren zweiter Bürgermeister im Ort – erzählt, wie die FG einen passenden Standort gesucht hat. Er befürwortet das Vorhaben, damit Schnaitsee einen Beitrag zur Energiewende leisten kann.

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Der erste Standort hat Gabriele Niederberger auf den Plan gerufen. Er lag in der Nähe ihres Hauses. Seitdem ist sie zur Kämpferin gegen das Projekt geworden und informiert die Bürger im Ort über mögliche Gefahren der Geothermie. Experten halten die zwar für beherrschbar, eine kilometertiefe Bohrung fürchtet Niederberger aber trotzdem. Sie spricht bei Politikern vor, stellt Anfragen an Behörden und sammelt alles, was sie zur Geothermie finden kann – und seit Kurzem hat sie auch einige Verbündete.

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Zu Niederbergers Info-Veranstaltung kamen Anfang Juni einige Dutzend Bürger, das Oberbayerische Volksblatt berichtete von einer "konträren Diskussion". Dennoch kämpft die Interessengemeinschaft auf verlorenem Posten. Denn in Bayern werden Geothermieprojekte politisch gefördert. Kraftwerksvorhaben sind privilegiert und können notfalls gegen den Willen einer Gemeinde errichtet werden.

Das jedoch, betonte die FG mehrmals, wolle man nicht. Stattdessen suchten die Regensburger den Dialog zum Gemeinderat und erreichten schließlich, dass der Antrag, um den Bohrplatz in Schnaitsee zu bauen, mit 14:1-Stimmen angenommen wurde. Die FG sagte beim Lärmschutz sogar mehr zu als gesetzlich gefordert.

Der Weg war damit noch vor Weihnachten frei – umso größer ist nun die Verwunderung bei Politikern und Nachbarn, dass seit Monaten nichts mehr passiert.

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"Man sieht's ja: Das ist nichts!"

Franz Rieperdinger und seine Kollegen wurden immer wieder angehalten, mit Genehmigungen aufs Tempo zu drücken. Verwunderlich, dass nun nichts mehr passiert, sagt der stellvertretende Bürgermeister.

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Bis heute sorgen vor allem die drei Windräder aus dem "Bürgerwindpark" und 14 Biogasanlagen dafür, dass in Schnaitsee 55 Prozent mehr Strom aus erneuerbaren Energien produziert wird, als die Bürger überhaupt verbrauchen.

Ob und wann es in Schnaitsee weitergeht, beantwortete die FG-Gruppe ebenso wie Fragen nach dem Kirchweidacher "Vorzeigeprojekt" auf Anfrage nicht.

Was aber könnten die Umplanungen und Verzögerungen für die Anleger bedeuten, die aktuell auf ihre Zinsen warten und ab 2018 ihre Einlagen zurückfordern können? Zu dieser Frage recherchiert boerse.ARD.de im nächsten Kapitel.

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Das Geschäftsmodell der FG

Die Anleger, die ins erste Produkt der FG investiert haben, gaben ihr Geld nicht direkt den Kraftwerksgesellschaften, sondern zahlten in eine Finanzierungsgesellschaft ein.
Musik: Macroform - Feeling in Space (cc-by-sa-3.0)

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Die Fahrt nach Oberbayern hat gezeigt: Außer in Kirchweidach dürfte momentan noch keine der Projektgesellschaften Gewinne im operativen Bereich erwirtschaften, denn es steht ja kein Kraftwerk. Und auch in Kirchweidach stellt sich die Frage, ob der Wärmeverkauf aktuell die ursprünglich eingeplante EEG-Vergütung kompensieren kann.

Vertrauliche Informationen von boerse.ARD.de lassen Zweifel zu, die der Mitgesellschafter, die Geoenergie Bayern, bestätigt. Dass bis heute kein Kraftwerk in Kirchweidach steht, "bedeutet anfänglich eine negative Abweichung von den ersten Planzahlen des Unternehmens für die ersten Jahre." Erst auf lange Sicht – über die 20 Jahre garantierte Einspeisevergütung hinaus – sei der Wärmeverkauf auch ökonomisch sinnvoller.

20 Jahre? So lange dürften die FG-Anleger wohl nicht auf ihre Einlagen warten wollen. Ab 2018 können die ersten ihr Geld zurückfordern.

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Was aber ist der Grund für die vielen Verzögerungen im operativen Geschäft? Und warum sollen die Anleger erst Ende Juli ihre Zinsen erhalten?

Ein Blick in die Eröffnungsbilanz der Geokraftwerke.de – damals noch Fröschl Geokraftwerke – dürfte die FG-Anleger weiter beunruhigen. Ursprünglich sollten die Kraftwerksgesellschaften schon ab 2012 mehrere Millionen Zinsen pro Jahr an die Geokraftwerke.de zahlen, womit dann die 7,25 Prozent Zinsen an die Anleger ausgeschüttet werden sollten. Ohne ein einziges Kraftwerk stellt sich die Frage, wie diese Millionen im operativen Bereich momentan erwirtschaftet werden sollen. Die FG ließ sie unbeantwortet.

Und auch bei der Emission lief es nicht wie geplant: Eigentlich sollten die 50 Millionen binnen 18 Monaten eingesammelt werden, also bis Mitte 2012. Dann wurde die Zeichnungsfrist verlängert, zunächst bis Mitte 2013. Heute läuft das Programm immer noch und ist nun bis Mitte 2016 begrenzt. Angaben aus den Geschäftsberichten zufolge war Ende 2013 mit rund 25 Millionen gerade einmal die Hälfte des angestrebten Kapitals eingesammelt.

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boerse.ARD.de wendet sich an Markus Feck, Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht und gleichzeitig Referent bei der Verbraucherzentrale NRW. Wir berichten ihm von den Ergebnissen der wochenlangen Recherche rund um die Regensburger FG-Gruppe:
 
· Bohrungen, die schwieriger und teurer waren als geplant
· Thermalwasser, das kälter und schwächer fließt als berechnet
· versprochene Kraftwerke, die bis heute nicht stehen
· eingeplante EEG-Vergütung, die fehlt
· Zeitpläne, die immer wieder nach hinten korrigiert wurden
· eingeplante Anlegergelder, die nicht gezeichnet wurden  

Feck ist Spezialist für Investments auf dem grauen Kapitalmarkt und schaut sich die Finanzprodukte der FG genau an. Wie die FG ihre Anleger informiert, hält der Jurist für fragwürdig.

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"Beschönigende Mitteilungen"

Markus Feck meint: Die FG beschönigt den bisherigen Projektverlauf und sollte ihren Anlegern deutlicher sagen, was möglicherweise nicht nach Plan gelaufen ist.

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"Ist denn überhaupt genug Geld da", fragt sich wohl nicht nur Markus Feck, sondern auch die über 3.000 Anleger, die die FG nach eigenen Angaben hat. Denen schrieb Geokraftwerke.de-Geschäftsführer Tobias Reber im Mai, dass die Zinsen nicht gezahlt werden könnten, da der Jahresabschluss nicht testiert sei. Es gebe noch "Mitwirkungsbedarf" des Mitgesellschafters. Auf Nachfragen besorgter Kleinanleger wurde die Firma deutlicher: Der Mitgesellschafter in Kirchweidach blockiere die Erstellung des Jahresabschlusses. Den habe man aber nun verklagt und dadurch sei "Bewegung in die Sache" gekommen.

Blockade? Klage? Davon weiß der Mitgesellschafter gar nichts. „Geoenergie Bayern GmbH blockiert die Erstellung des Jahresabschlusses 2014 nicht.  Die Behauptung einer vermeintlichen Blockade können wir nicht nachvollziehen. Unter der Mitwirkung beider Gesellschafter liegt der Entwurf des Jahresabschlusses für das Jahr 2014 seit 28.04.2015 vor." Letzte Punkte müssten lediglich mit dem Steuerberater geklärt werden, Ende Juli solle der Jahresabschluss dann verabschiedet werden.

Wie passen diese Darstellungen zusammen? Fragen dazu ließ die FG unbeantwortet.

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Die versprochenen 7,25 Prozent Zinsen für 2014 hat die FG ihren Anlegern bis Ende Juni nicht gezahlt. Frisches Kapital benötigt sie aber offenbar dringend. Neben diesem alten Programm soll das Kraftwerk in Schnaitsee mit einem Nachrangdarlehen von 40 Millionen Euro finanziert werden. Versprochener Zins: bis zu 3,5 Prozent jährlich, zehn Jahre Laufzeit. "Das Einwerben von Nachrangdarlehen ist typisch für die heutige Zeit, da es bis zum Inkrafttreten des Kleinanlegerschutzgesetzes nur ganz schwach reguliert ist", berichtet Markus Feck.

Doch die FG will noch mehr. Seit März läuft ein Programm, mit dem bis 2021 noch einmal zusätzlich 100 Millionen Euro eingesammelt werden sollen. Anleger können schon ab 100 Euro im Monat investieren und sich auf Wunsch 20 Jahre binden – und dafür bis zu 6,5 Prozent Zinsen erhalten.   Damit läuft – zusätzlich zum alten Produkt – ein Vertrieb mit einem gesamten Emissionsvolumen von 140 Millionen Euro, die Kleinanleger zeichnen sollen – wieder gelockt mit „kalkulierbaren Gewinnen“ dank EEG-Vergütung.

Die offensiven Werbemaßnahmen hält Markus Feck vor dem Hintergrund des bisherigen Projektverlaufs für juristisch problematisch.

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"Nicht deutlich genug kommuniziert"

Markus Feck findet, dass die FG ihre Anleger nicht deutlich genug über die Probleme informiert hat – und hält Schadensersatzforderungen von Neuanlegern für möglich.

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"Geld muss im Unternehhmen bleiben"

Marc Tüngler ist Rechtsanwalt und Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Er meint: Investments mit solch hohen Zinsen, wie sie die FG anbietet, sind hochriskant.

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Die FG teilt mit, man verfolge eine "Politik der Transparenz und Offenheit". Diesen Eindruck bekräftigen Berichte in Zeitungen und Internetblogs über Gesellschafter Wolfgang Hageleit, der gerne Interviews über die Vorzüge der Geothermie gibt. Er sehe sein Unternehmen und sich selbst als "Gewinner der Energiewende", wie er in einem Blog zitiert wird.

Auch die Redaktion von boerse.ARD.de hätte gerne mit Hageleit oder den Geschäftsführern der Tochtergesellschaften, Johannes Falk und Tobias Reber, über die Forever Green-Gruppe gesprochen. Erstmals bat boerse.ARD.de am 12. Juni 2015 um ein Interview. Ein zugesichertes Filminterview wurde kurzfristig durch die FG abgesagt. Eine Liste mit Fragen zu den Sachverhalten ließen die Regensburger daraufhin unbeantwortet.

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Kirchweidach mit seinem riesigen Gewächshaus wird von der Geothermie-Branche gerne als Beispiel herangezogen, welches Potential in der noch jungen Technologie steckt. "Wir werden nicht größenwahnsinnig", sagt Bürgermeister Johann Krumbachner, "aber wir sind natürlich froh, dass wir jetzt ein Fernwärmenetz bekommen." Auch er weiß: Normalerweise würde sich der Bau eines Fernwärmenetzes für einen Ort mit 2300 Einwohnern nicht rechnen.

Als Ortsvorsteher kann es der 63-Jährige daher gelassen sehen, dass weniger Wasser fließt als berechnet – für die Wärmeauskopplung reicht's allemal. Und auch als Privatmann stört ihn wenig, dass das Stromkraftwerk kleiner wird als geplant. Sein eigenes Erspartes hat Krumbachner, selbsternannter Befürworter der Geothermie, nämlich nicht ins Projekt investiert. Wieso eigentlich nicht?

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"Hohe Zinssatz war nicht nachvollziehbar"

Kirchweidachs Bürgermeister Johann Krumbachner hat die Versprechen der FG von Beginn an skeptisch betrachtet.

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Die 7,25 Prozent hat die FG mit einer Namensschuldverschreibung versprochen. "Eine Namensschuldverschreibung ist letztlich nichts anderes als ein Kredit, der in Scheiben geschnitten wird und der Zeichner ist dem Unternehmen namentlich bekannt – daher Namensschuldverschreibung", erläutert DSW-Hauptgeschäftsführer Marc Tüngler. Für Namensschuldverschreibungen muss seit 2012 ein Verkaufsprospekt hinterlegt werden – genauso wie für alle anderen nicht in Wertpapieren verbriefte Vermögensanlagen.

Ausgenommen davon waren Nachrangdarlehen – was zu einem regelrechten Boom auf dem grauen Kapitalmarkt führte. Auch ein Nachrangdarlehen ist letztlich nur ein Kredit, allerdings mit entscheidenedem Nachteil: Bei einer möglichen Firmenpleite sind sie ganz am Ende der Verteilungskette und gehen in der Regel leer aus, falls noch Geld da ist. Auch die FG gestaltete das Investment für das Schnaitsee-Kraftwerk als Nachrangdarlehen – und sparte sich den BaFin-Prospekt.

Das ändert sich nun mit dem Kleinanlegerschutzgesetz, denn neue Nachrangdarlehen müssen fortan prospektiert werden. Eine zentrale Änderung des neuen Gesetzes.

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"Mehr, bessere und aktuelle Informationen"

Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, und Markus Feck, Kaptialrechtler der Verbraucherzentrale NRW, nennen die wichtigsten Änderungen des Kleinanlegerschutzgesetzes.

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Das neue Gesetz könnte auch "Prokon-Gesetz" heißen. Verbraucherschutzminister Heiko Maas (SPD) nannte die Milliardenpleite des Windpark-Betreibers in seinen Erklärungen immer wieder als mahnendes Beispiel, das sich durch das Kleinanlegerschutzgesetz künftig nicht wiederholen solle.

"Grüne Investments" wie das von Prokon boomen am grauen Markt. Das weiß keiner besser als Georg Hetz (Foto), Gesellschafter des Nürnberger "UDI". Sein Unternehmen hat bisher 15.000 Kunden Verträge im Solar-, Wind- oder Biogasbereich verkauft – nach eigener Aussage wurden Zinsen und Einlagen bei UDI-Geldanlagen bisher immer (zurück)gezahlt. "Das Thema Rendite ist bei unseren Kunden dominant, aber der Umweltschutz ist ein angenehmer Zusatz, der für unsere Klientel sein muss", sagt Hetz.

Verbraucherschützer warnen, dass Kleinanleger vor lauter Umweltschutz allzu häufig den Schutz des eigenen Portmonees vergessen. Hetz glaubt jedoch, dass Kunden durch die neuen Regeln künftig noch vorsichtiger sein werden.

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"Leben wird schwieriger"

Georg Hetz rechnet durch die neue Regulierung zwar nicht mit einem Einbruch beim Verkauf, aber manche Anleger dürften von den Warnhinweisen abgeschreckt werden.

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Das Leben wird schwieriger für Anbieter, aber der graue Markt – da sind sich Experten einig – wird Anlegern weiterhin Erfolgsgeschichten und hohe Verluste gleichermaßen bescheren.

Dass sich mit dem neuen Gesetz gar nicht so viel ändert, zeigt anschaulich auch der Fall FG. "Geprüfte Verkaufsprospekte sind ja vorhanden. Was sich ändert, wären die Warnhinweise auf der Werbung und über relevante Entwicklungen hätte das Unternehmen nun deutlicher informieren müssen", sagt Markus Feck. Da die BaFin Verkaufsprospekte aber auch in Zukunft nicht inhaltlich, sondern nur formell auf Vollständigkeit prüft, bleiben sie in ihrer Aussagekraft zweifelhaft.

Verbraucherschützer kritisieren deshalb: Das neue Gesetz ist zwar ein Schritt in die richtige Richtung – mehr aber auch nicht.

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"Anleger müssen sich informieren"

Marc Tüngler hätte sich gewünscht, dass der Gesetzgeber die sogenannte Beweislastumkehr eingeführt hätte – damit nicht Kleinanleger beweisen müssen, dass sie falsch beraten wurden.

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"Wird zweites Prokon wieder geben"

Gelingt es, durch das neue Gesetz Mega-Pleiten wie die von Prokon zu verhindern? Nein, meinen Anlegerschützer und Anbieter gleichermaßen im Fazit.

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Klar ist: Auch wenn das Kleinanlegerschutzgesetz einen besseren Schutz suggeriert, wird es hohe Renditen auch in Zukunft nur mit hohen Risiken geben.

Mehr Informationen zum Thema hat die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) zusammengestellt:

Grauer Markt und schwarze Schafe
Grauer Kapitalmarkt: Rendite und Risiko – Marktabgrenzung, Regulierung und Verantwortung des Anlegers

Eine Liste aller Prospekte, die die BaFin auf Vollständigkeit prüft, ist in einer Datenbank zu finden, zu der Sie hier gelangen:  https://portal.mvp.bafin.de/database/VPInfo/index1.jsp

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"Sprudelnde Renditen – Oder Millionen, die im Erdreich versickern?" ist eine Multimedia-Reportage von boerse.ARD.de.

Autor: Daniel Moßbrucker
Redaktion: Burghard Schnödewind
Fotos/Videos/Schnitt: Daniel Moßbrucker
Grafik: Martin Brandt/hr, Colourbox.de
Musikrechte: Sonoton Music; Macroform - Feeling in Space (cc-by-sa-3.0)

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Übersicht

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Kapitel 1 Sprudelne Renditen

0 0 einstiegsloop still

0 1 einstieg
Kapitel 2 Kalkulierbarer Gewinn

1 0 kapitelstart

2 1 anleger

1 2 anlegerton1

1 3 zeichnungsschein
Kapitel 3 Ortsbesuch in Oberbayern

2 0

2 1 tomatenfahrt

2 2 steiner

2 3 steiner erfolg
Kapitel 4 Nachgerechnet

3 0 loop taschenrechner still

Geothermie finanzen schema neu next

3 2 blockade geoenergie

3 3 planbilanz
Kapitel 5 Neue Spielregeln

4 0 windrad loop still

4 1 bm kwd

4 2 bm kwd still

4 2 fg produkte
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