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Los geht's

30 Jahre Dax

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happy Börsday! Nun bist Du schon 30 Jahre alt - voller Energie, ohne Falten und schön, so bist Du heute anzuseh'n! Was hast Du nicht alles erlebt in drei Jahrzehnten: Asien-Krise, Russland-Krise, Internet-Blase, Terrorangst, Salami-Crash, Finanzkrise, Eurokrise… Und immer wieder bist Du aufgestanden und bist größer geworden.

Einst warst Du nur 1.163 Punkte wert, jetzt bringst Du es auf über 12.000 Zähler. Du hast viele Anleger reich gemacht. Ja, vielleicht hast Du manche zur Verzweiflung getrieben, die nicht lange durchgehalten haben. Aber Du warst immer eine sichere Bank - langfristig gesehen.

8,5 Prozent Gewinn jährlich hast Du im Durchschnitt erwirtschaftet. Das schafft kein Sparbuch, kein Festgeld-Konto, kein Mischfonds und wohl auch kaum eine Immobilie! Gut, Dein großer Bruder, der Dow ist besser gelaufen. Auch der MDax hat Dich klar abgehängt. Aber andere europäische Indizes hast Du geschlagen. Wir sind stolz auf Dich!  

Lieber Dax, wir wünschen Dir weiter viel Schwung, dann bleibst Du sicher noch lange jung!

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Lange Zeit fehlte in Deutschland ein Pendant zum amerikanischen Dow Jones. Banken und Medien bildeten die Entwicklung des deutschen Aktienmarkts in eigenen Indizes ab. So gab es einen Index der "Börsenzeitung", einen der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" und einen der Commerzbank. Um dieses Durcheinander zu beenden, schafft die Frankfurter Wertpapierbörse den "Deutschen Aktienindex" - am 1. Juli 1988.  

Die Öffentlichkeit bekommt davon kaum etwas mit. Die Bundesbürger sind noch mit dem Halbfinal-Aus gegen Holland bei der Fußball-Europameisterschaft im eigenen Land beschäftigt. Und dann wird Holland auch noch Europameister...

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In den ersten Tagen firmiert der deutsche Aktienindex noch als "DAI". "Dieser hölzernen Bezeichnung fehlte allerdings Charme und Symbolkraft", erinnert sich Manfred Zaß, einer der Gründerväter des Dax. "Da habe ich nicht den ersten, sondern den letzten Buchstaben von Index genommen", erzählt er. Somit ist der Dax geboren.

Fortan wird der deutsche Leitindex minütlich berechnet - eine Revolution in einer Welt, wo noch handschriftlich die Kurse eingetragen wurden.  

Am ersten Handelstag notiert der Dax bei 1.163 Punkten. Rasch geht es weiter nach oben - wenn auch zunächst nur in kleinen Schritten.

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Im Sommer 1989, als sich zunehmend das Ende der DDR abzeichnet, steht der Dax schon bei mehr als 1.600 Punkten. Doch dann kommt der erste Rückschlag: der Crash an der Wall Street am Freitag, den 13. (Oktober). Der Dax erlebt daraufhin seinen "schwarzen Montag". Mit einem Minus von 12,8 Prozent verzeichnet der deutsche Leitindex den größten prozentualen Kurssturz seiner Geschichte.  

Für Börsen-Moderator Friedhelm Busch war der 16. Oktober 1989 ein Alptraum: "Die Kleinanleger haben an diesem Tag Millionen verloren. Sie waren in Panik verfallen und hatten massenhaft Verkaufsorders für die kommende Woche gestellt. So war es zu Handelsbeginn am Montag stundenlang unmöglich, erste Kurse zu ermitteln…"

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Nach einer jahrelangen Seitwärtsphase geht es ab 1993 wieder aufwärts: Im Oktober wird erstmals die Schwelle von 2.000 Punkten geknackt. Runde Marken haben für viele Anleger eine besondere Anziehungs- und Symbolkraft. Häufig sind solche Marken nicht nur von psychologischer, sondern auch charttechnischer Bedeutung.

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Im Herbst 1996 erobert die Börse die deutschen Wohnzimmer. Schauspieler Manfred Krug rührt in Fernseh-Spots die Werbetrommel für den Börsengang der Deutschen Telekom, das größte deutsche IPO aller Zeiten. "Wenn die Telekom jetzt an die Börse geht, geh ich mit", erklärt Krug. "Sie könnten mir ja auch mal was nachmachen", rät er.

Fast zwei Millionen Kleinanleger gehen mit – und kaufen T-Aktien zum Preis von 28,50 D-Mark (14,57 Euro). Am 18. November feiert die Telekom mit ihrem damaligen Vorstandschef Ron Sommer ihr Debüt an der Frankfurter Börse. Es herrscht Euphorie. Gleich am ersten Handelstag saust die neue Volksaktie auf 33,90 Mark - ein Plus von gut 19 Prozent.

Ron Sommer verkündet mit stolz geschwellter Brust: "Die T-Aktie wird so sicher wie eine vererbbare Zusatzrente sein." Tatsächlich legen die Telekom-Papiere einen atemberaubenden Höhenflug bis 2000 hin, bevor sie abstürzen.

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Im Sommer 1997 überwindet der Dax erstmals die Marke von 4.000 Punkten. Dann folgt die kalte Dusche. Im Sog der Asien-Krise sackt der deutsche Leitindex am 28. Oktober 1997 um bis zu 13 Prozent ab. Am Ende des Tages liegt das Minus bei acht Prozent. Doch rasch ist der Schock verdaut, und der Dax rappelt sich zu neuen Höhen auf.

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Gerade mal neun Jahre ist der Dax alt, als seine größte Veränderung erlebt: die Einführung von Xetra. Das vollelektronische Handelssystem beschleunigt den Aktienhandel und macht menschliche Instruktionen nahezu überflüssig. Die Computer übernehmen die Geschäfte.

Schnell setzt sich Xetra durch. Heute läuft fast der gesamte Handel mit Dax-Aktien über Xetra.

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Nach der überwundenen Asien- und Russlandkrise dreht der Dax ab 1999 kräftig auf. Mitte März 2000 erreicht er sein Rekordhoch von 8.136 Punkten. Der Boom am Neuen Markt versetzt die Anleger in Euphorie.

Aktien sind plötzlich beliebtes Gesprächsthema am Stammtisch oder beim Friseur. Börsenberichte schaffen es in die "Tagesschau" oder gar in die "Bild-Zeitung". Nur wenige Börsenexperten warnen vor einer Blase, die dann bald platzt…

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Nach den Terroranschlägen in New York bricht in Europa eine panische Verkaufswelle aus. Der Dax stürzt um neun Prozent ab. In Frankfurt gibt es eine heftige Diskussion, ob der Handel nicht ausgesetzt werden soll. An der Wall Street herrscht sechs Tage lang Zwangspause.

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Nach der Party am Neuen Markt folgt der Kater: Drei Jahre lang strudelt der Dax abwärts. Am 12. März 2003 erreicht die Talfahrt ihren Tiefpunkt mit 2.202 Punkten, den niedrigsten Stand seit 1995. Tiefer geht's nimmer.

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Mit der sich erholenden Wirtschaft geht's auch mit dem Dax wieder aufwärts. Binnen viereinhalb Jahren kann sich der deutsche Leitindex nahezu vervierfachen. Im Sommer 2007 stellt der Dax seinen Rekord aus dem Jahre 2000 wieder ein und steigt auf bis 8.151 Punkte.

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Danach kommt erneut die Abkühlung. Die Lehman-Pleite löst eine beispiellose Finanzkrise aus. Die früher im Dax gelistete Immobilienbank Hypo Real Estate muss von der Bundesregierung gerettet werden. Der Dax rutscht auf ein Fünf-Jahres-Tief von 3.588 Punkten.

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Nun kommen die besten Jahre für den inzwischen volljährigen Dax. Nach dem Zwischentief vom März 2009 folgt eine langjährige Hausse – angeheizt vom Billiggeld der Zentralbanken.

Vor allem die Fed wirft die Notenpresse an und sorgt mit ihrer lockeren Geldpolitik für gute Stimmung an den Aktienmärkten. 2013 klettert der Dax auf neue Rekordhochs.

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Kurz vor der Fußball-WM in Brasilien knackt der Dax erstmals die runde Marke von 10.000 Punkten. Die Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB), die Zinsen fast auf null zu senken, beflügelt die Börsen.

Doch dann geht dem Dax wieder etwas die Puste aus. Die fünfstellige Zahl kann er bis zum Jahresende nicht halten.

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Erst "Super Mario" bringt Dax & Co wieder auf Touren. Mario Draghi, der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), wirft Anfang 2015 ebenfalls die Notenpresse an - und befeuert den Dax.

Im Sog des schwächeren Euro klettert der deutsche Leitindex in den ersten viereinhalb Monaten 2015 um über 2.000 Punkte nach oben und erreicht bei 12.338 Zählern ein neues Rekordhoch. Danach ist wieder Verschnaufen angesagt. Im Laufe des Jahres gibt er einen Großteil der Gewinne wieder ab.

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Weder Brexit noch die Wahl des Populisten Donald Trump zum neuen US-Präsidenten können den Anlegern die Stimmung verderben. Ab Dezember 2016 startet der Dax eine neue Rally.

2017 knackt er das alte Rekordhoch von 2015. Am 23. Januar 2018 wird der vorläufige Zenit erreicht. Mit 13.596 Punkten schafft der Dax eine neue Bestmarke.

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Bei runden Geburtstagen fragt man sich oft: Was habe ich in all den Jahren erreicht?

Fragt man den Dax, so kann er eine überaus erfolgreiche vorläufige Lebensbilanz ziehen: Das deutsche Börsenbarometer hat sich seit 1988 fast verelffacht. Was will man mehr als Anleger? Happy Börsday!

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Dumm nur, dass die meisten Kursgewinne in ausländische Portemonnaies fließen. Knapp 54 Prozent der Dax-Aktien werden von ausländischen Investoren gehalten, hat das Beratungsunternehmen EY festgestellt.  

An den Privatanlegern ging der Börsen-Boom weitgehend vorbei. Sie halten durchschnittlich lediglich elf Prozent der Dax-Papiere. Die Kursverluste mit der "Volksaktie" Telekom und die geplatzte "New Economy"-Blase haben die deutsche Aktienkultur nachhaltig beschädigt. Seither haben viele Deutsche das Vertrauen in die Aktien verloren - und sparen sich lieber arm.

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Wie geht es weiter? Bleibt der Dax so wie er ist? Knackt er bald den nächsten Gipfel von 14.000, 15.000, 20.000 oder gar 50.000 Punkten? "Wenn man annimmt, dass der Dax in den nächsten 30 Jahren so stark zulegt wie in den vergangenen 30 Jahren - acht bis neun Prozent pro Jahr -, dann würde er auf 170.000 Zähler steigen", prophezeit Ulrich Stephan, oberster Anlagestratege der Deutschen Bank.  

Trotzdem: Weiter so machen wie bisher sollte der Dax nicht. Manche Index-Experten fordern, dass er aufgestockt wird – auf 40 oder 50 Mitglieder. Nur so könne der Dax die deutsche Wirtschaft besser abbilden. Bisher nämlich ist zum Beispiel der Maschinenbau als zentraler Wirtschaftsfaktor Deutschlands im Dax so gut wie nicht vertreten. Dagegen sind Autokonzerne überrepräsentiert im deutschen Leitindex.

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