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Alles Blockchain - oder was?

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Die Zukunft mit der Blockchain

Gelobt wird sie für ihre Dezentralität, Transparenz und Sicherheit vor Manipulation: Die Blockchain gilt mit ihrer fortgeschritten Technologie als "the next big thing".

Viele erwarten eine digitale Revolution für zahlreiche Branchen und Unternehmen. Wie könnte das tatsächlich mal aussehen?
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Die räumliche Entfernung und verschiedene politische und rechtliche Systeme erschweren noch immer die Abwicklung von Im- und Exportgeschäften. Bis alle Formulare ausgefüllt sind, vergehen im Schnitt rund fünf bis zehn Tage.

Mit der Blockchain könnte das viel schneller gehen.
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Wie das aussehen kann, zeigt ein Versuch der Großbanken HSBC und ING: Das US-Unternehmen Cargill verschickte einen Kreditbrief für einen Sojabohnen-Import von Argentinien nach Malaysia, an die niederländische ING Bank. Das Ganze dauerte nur rund 24 Stunden, so die britische HSBC.

Genutzt wurde dafür die Plattform Corda des Blockchain-Start-up R3.   Ähnliches planen die Deutsche Bank, HSBC, KBC, Natixis, Nordea, Rabobank, Santander, Société Générale und UniCredit mit we.trade: Die Plattform wurde von IBM entwickelt und soll ebenfalls globale Transaktionen erleichtern.

An einem ersten, erfolgreichen Test Anfang Juli waren zehn Unternehmen und vier Banken in fünf Ländern beteiligt. Auch andere Finanztransaktionen sollen künftig durch Smart Contracts über we.trade ausgeführt werden.

Die Plattform ähnelt dem Zahlungsnetzwerk Ripple, das mit einer eigenen Blockchain arbeitet.
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Die Betten-Datenbank ermöglicht Reiseanbietern in Sekundenschnelle zu sehen, in welchen Hotels noch Zimmer verfügbar sind. Dieser Prozess kann auch über die Blockchain laufen.


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Früher hatte jedes Tochterunternehmen der Tui Group einzelne Verträge mit Hotels, die den Austausch über deren Kontingente regelten.

Das war ein hoher manueller Aufwand und sehr unübersichtlich und wenig effizient, so Konzernsprecher Kuzey Alexander Esener gegenüber boerse.ARD.de. Denn die Tochterunternehmen konnten ihre freien Kontingente gegenseitig nicht überblicken und austauschen.

Durch das neue Buchungssystem sei das nun problemlos möglich. "Die Verträge lassen sich mit so genannten Smart Contracts abbilden, diese unterstützen zudem die technische Abwicklung", so Esener.

Verfügbare Zimmer können so ganz einfach zwischen den Tochtergesellschaften hin- und hergeschoben werden – auch Überbuchungen werden technisch garantiert vermieden. Die Vorteile seien eine deutlich bessere Übersicht, mehr Effizienz und geringere Transaktionskosten.
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Ein Flug verspätet sich, der Anschlussflug wird verpasst - und niemand kommt dafür auf. Das ist ärgerlich, aber man kann sich dagegen versichern.

Das bietet die AXA Versicherung seit Juni mit "Fizzy" an: Wer mit dem Flugzeug verreisen will, gibt seine Flugdaten an und zahlt vorab einen ganz normalen Versicherungsbeitrag. Fizzy bekommt dann über die öffentlich zugängliche Flugverkehrsdatenbank die Informationen über Verspätungen. Gibt es eine, erhält der Kunde durch Smart Contracts seine Entschädigung ausgezahlt.

Der Vorteil für Kunden: Sie  müssen nicht mehr selbst den Verspätungsnachweis vorlegen, das findet die Versicherung automatisch heraus. Das spart auch hier Zeit, Aufwand und Kosten.

Das Modell lässt sich auch auf andere Versicherungsbranchen übertragen, in denen "Wenn/Dann"-Situationen eintreten. Allianz und Münchener Rück testen bereits den Einsatz von Smart Contracts im Fall von Naturkatastrophen.
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Der komplexe Verlauf einer Lieferkette lässt sich durch die Blockchain vollständig und in Echtzeit abbilden. Das soll Betrug und Fehler beim Versand, sowie den Zeitaufwand von Versandprozessen und die Kosten reduzieren – und im Gegenschluss die Effizienz der Lieferkette steigern.

Bürokratisch aufwändige Prozesse wie bei der Zollabfertigung könnten so schneller und kontrollierter ablaufen.
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Diese Vorteile will die Bitcoin in Transport Alliance (BiTA) als neue Standards in der Branche etablieren. Der Verband hat sich 2017 gegründet und verwendet das “OriginTrail“-Protokoll. Damit sollen sich alle Daten einer Lieferkette dokumentieren lassen. Zu den rund 400 Mitgliedern zählen unter anderem FedEx, Uber und UPS.  

Die weltgrößte Containerschiff-Reederei Maersk aus Dänemark verfolgt bereits ihre Transporte per Blockchain. Unterstützt wird das Unternehmen bei diesem Projekt von IBM. Im Januar gründeten die Unternehmen dafür ein Joint Venture.

Für Track-and-Trace müssen meist die QR-Codes auf Containern oder Paketen gescannt werden. Auch das muss jemand übernehmen. Hundertprozentige Sicherheit vor kriminellen Machenschaften oder Fehlern bei der Sendeverfolgung kann  auch die Blockchain nicht bieten - diese aber vielleicht verringern.
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Mangelnder Datenschutz ist ein Grund, warum Ärzten und Krankenhäusern der schnelle Zugriff auf Patienteninformationen verwehrt bleibt. Der andere ist, dass es noch immer an digitalen Lösungen fehlt.

Wenn es schnell gehen muss, kann das zu folgenschweren Behandlungsfehlern führen.
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Die Blockchain könnte mit ihrer Verschlüsselung und Dezentralität für den notwendigen Datenschutz sorgen und gleichzeitig Daten in Echtzeit liefern - das ist die Hoffnung einiger Forscher.

Einige arbeiten weltweit schon an einer digitalen Blockchain-Lösung, unter anderem am Neth Israel Deaconess Medical Center in Boston. Der dort entwickelte Prototyp "MedRec" soll automatisch kontrollieren, wer Patienteninformationen erhalten darf und anzeigen, welche Medikamente der Patient nimmt.
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Arzneimitteltransporte sind anspruchsvoll – und sollten besser nicht schief gehen.

Die Blockchain eignet sich auch hier zu Dokumentation der Lieferkette: So können Risiken und Probleme wie Temperaturveränderungen aufgedeckt und Prozesse optimiert werden.
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Weltweit wollen Entwickler mit ihren Supply-Chain-Tracking-Lösungen auch die Pharmabranche revolutionieren.

Gemeinsam mit dem Software-Entwickler Adents will Microsoft eine Lösung anbieten: "NovaTrack" soll die Einhaltung regulatorischer Anforderungen überprüfen.

Ein Riesenthema in der Pharmaindustrie sind Fälschungen: Etwa zehn Prozent der weltweit im Umlauf befindlichen Medikamente sind Plagiate.

Der Pharmakonzern Merck hat bereits gemeinsam mit dem em Tech-Unternehmen CryptoTec eine Software entwickelt, die Medikamentenfälschungen verhindern soll. Nutzer sollen die Medikamentenverpackung einscannen und dadurch die Echtheit der Arzneimittel überprüfen können.
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"Energieversorger werden sich nach neuen Geschäftsmodellen umsehen müssen", sagte Freeelio-Gründerin Sebnem Rusitschka im Interview mit boerse.ARD.de.
Sie ist überzeugt: In Zukunft wird es ein dezentral gesteuertes Energiesystem geben.

Die Blockchain werde den direkten Austausch zwischen Verbrauchern und Besitzern von alternativen Energien wie  Photovoltaikanlagen oder Energieanbietern ermöglichen.

Nicht nur der Zahlungsprozess kann per Blockchain ablaufen: Auch sonst können die Energiedaten darüber dokumentiert und später analysiert werden.
So lässt sich festhalten, wie viel Strom, wann und wo produziert wurde oder anderswo benötigt wird. Das kann helfen, den Stromverbrauch zu optimieren. Freeelio nutzt dazu "Tobalaba": Ein Testnetzwerk basierend auf der Ethereum-Blockchain.
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Innogy, die RWE-Tochter für erneuerbare Energien, beschäftigt sich bereits mit dem Einsatz der Blockchain. In ihrem Innovation Hub enstand die Idee zu "Share & Charge":
Besitzer einer Ladestation können ihren Strom via App anbieten. Die Besitzer von E-Autos wiederum sollen über die App den abgezapften Strom an einer Ladestationen per Blockchain bezahlen können. Das läuft wieder über Smart Contracts.

Benötigt werden dafür keine Kryptowährungen: Das Ganze läuft über ein App-Wallet, dessen Guthaben sich auf üblichem Weg aufladen lässt.

Doch was so schön im Mai 2017 begann, endete im vergangenen Februar. Einer der Hauptgründe: Die geringe Skalierbarkeit und damit die Leistung der Blockchain, die gleichzeitig zu höheren Transaktionskosten führt.

Aufgeben will man das Projekt noch nicht. Denn sollte sich dieses Problem lösen, könnte sicherlich schnell ein "Share & Charge 2.0" folgen.
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Der Einsatz der Blockchain-Technologie wird in Zukunft ein große Rolle spielen, so viel ist klar. Aber nicht überall wäre ihr Einsatz wirklich nötig: Einige Ideen ließen sich auch anders realisieren - ganz ohne Blockchain.

Außerdem ist auch die innovative Technologie noch immer anfällig für Fehler. Die Skalierbarkeit der Blockchain und die damit verbundene geringe Leistung bei höheren Transaktionskosten sind nur ein Problem, das es zu lösen gilt.

Bisherige Lösungsansätze gingen oft auf Kosten der Sicherheit. Entwickler arbeiten aber bereits an sogenannten "Proof of Stake"-Lösungen: Sie kommen ganz ohne das zeit- und energieintensive Mining (Proof of Work) aus - das würde also auch Stromkosten sparen. 

Ebenso bleibt die Blockchain anfällig für Hackerangriffe. Sie gilt zwar als manipulationssicher - doch damit ist ausschließlich die transparente Dokumentation aller Vorgänge auf der Blockchain gemeint.

Die Sicherheit gilt also nicht für Daten, die mithilfe der Blockchain verschlüsselt werden sollen. Denn auch ein Schlüssel kann geklaut werden. Das wird dann zwar dokumentiert - rettet jedoch nicht vor Datenmissbrauch.


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Redaktion:
Jule Zentek, boerse.ARD.de

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