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Auf dem Holzweg

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Gutes für die Umwelt tun und damit auch noch ordentlich Geld verdienen? Ein verlockendes Angebot, keine Frage. Aber oft eines, bei dem am Ende nur der Anbieter und nicht der Anleger profitiert.

boerse.ARD.de mit einer Geschichte über eine Branche, die umweltbewusste Anleger mit tollen Renditen und grüner Botschaft lockt.

Eine Geschichte über eine Luxus-Villa am Zürichsee, sechsstellige Monatsgehälter, absurde Preisvorstellungen und einen sich selbst kontrollierenden Vorstand.

Eine Geschichte über abenteuerliche Geschäfte in Brasilien, faule Ausreden und ein findiges Geschäftsmodell, bei dem Anleger erst nach Jahr(zehnt)en erfahren, dass ihr Geld “fachgerecht zerkleinert” wurde.

Eine Geschichte von Till Bücker und Julian Herbst.
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Die bewegende Geschichte der Familie Plato

Unsere Geschichte beginnt in einem Vorort Hamburgs. Hier treffen wir Familie Plato. Jeanette Platos Vater Gunther Biegel starb vor einem Jahr an Bauchspeicheldrüsenkrebs. Seiner Familie blieben nur drei Monate von der Diagnose bis zum Tod des pensionierten Feuerwehrmanns. Er war froh, seiner Familie und besonders seiner Enkeltochter Amelie etwas Außergewöhnliches vererben zu können. Unbedingt wollte er ihre Ausbildung und eine Auslandsreise finanzieren.

Deshalb investierte er knapp 130.000 Euro bei der Schweizer Firma Sharewood und kaufte Balsa- und Teak-Bäume in Brasilien. Ihm gefiel die Vorstellung, dass Bäume im brasilianischen Regenwald für seine Enkelin in die Höhe wachsen. Auch Amelie war begeistert.
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Anbieter wie Sharewood werben damit, die eigene Geldanlage mit dem Umweltschutz zu verbinden. “Als Eigentümer und Investor tragen Sie aktiv zum Klimaschutz bei. Denn jeder gepflanzte Baum trägt zu einer besseren globalen CO2-Bilanz bei – und somit zu einem guten Gewissen” - so der Slogan des Unternehmens. Und: Die kommerzielle Bepflanzung schütze den Regenwald.

Auch auf Sicherheit lege man bei Sharewood angeblich großen Wert. Bodenbeschaffenheit und die Licht- sowie Wasserversorgung in den Anbaugebieten seien nahezu optimal. Produktgarantien und Eigentumsübertragung der Bäume plus Rückstellungen in einer "unabhängigen Stiftung" würden das Risiko minimieren. Außerdem: Bäume würden ja bekanntlich immer wachsen und Holz werde stets gebraucht.

Also ein Top-Investment mit geringem Risiko. Oder?
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Nach Gunther Biegels Tod ging das Investment auf Amelie über. Ihre Mutter Jeanette Plato hat sich die Unterlagen angeschaut und wurde skeptisch. Schnell kam die Ernüchterung.

Denn Sharewood hatte ihrem Vater seit Jahren nicht mehr die prognostizierten Summen ausgezahlt, mit immer neuen Begründungen.
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Ist das Ganze realistisch?

Dabei hatte alles so vielversprechend geklungen: grün, nachhaltig und lukrativ. 

Auf der Homepage bietet Sharewood einen Rendite-Rechner an. Bei einem Investment in Teak-Bäume von 158.000 Franken, also etwa 145.000 Euro, werden drei Szenarien ausgerechnet. Im schlechtesten Fall soll man dafür 460.000 Franken (424.000 Euro) bekommen, im besten Fall sogar fast 1,2 Millionen Franken (1,1 Millionen Euro).

Das klingt natürlich bombastisch. Aber ist das auch realistisch?
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Wir fragen bei Eckart von Reitzenstein nach. Er ist Forstwirt und Experte für Tropenholz. Für die deutsche Tropenwaldstiftung OroVerde hat er Holzinvestments in Lateinamerika untersucht. Wir erreichen ihn in Ecuador, wo er für ein deutsches Industrieunternehmen Holzplantagen für den Eigengebrauch anlegt und bewirtschaftet.
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Anbieter wie Sharewood suggerieren jährliche Renditen von sechs bis zwölf Prozent. Und verkaufen den Hektar Teak-Bäume oft für 40.000 Euro und mehr an Anleger. Bei einer Rendite von neun Prozent pro Jahr wären das nach 20 Jahren also 225.000 Euro pro Hektar.

Für den Experten Eckart von Reitzenstein sind solche Zahlen nicht zu erreichen.
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Die Erlöse von 15.000 bis 20.000 Dollar pro Hektar Teakplantage sind nicht nur weit entfernt von den erwarteten 225.000 Euro - sie sind sogar deutlich weniger als das, was die Anleger für die Bäume bezahlt haben. Sharewood verkauft seinen Kunden einen Hektar Teak-Bäume teilweise für 40.000 Euro. Geld kann so nur Sharewood verdienen, kein Anleger.

Die Plantagen von Sharewood liegen in der brasilianischen Region Mato Grosso, 2.400 Kilometer vom nächsten Überseehafen Santos entfernt. Fahrtzeit mit einem Auto über die teils unbefestigten Straßen: Mindestens 31 Stunden. Da können die allein Transportkosten die Erlöse schon übersteigen.
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Das Geschäftsmodell

Der Anleger kauft zum Beispiel einen Hektar Teak-Bäume auf einer Plantage in Mato Grosso, Brasilien. Die Bäume sollen mindestens 20 Jahre wachsen. Erst dann erfährt der Anleger, ob das Holz gewinnbringend verkauft werden konnte und sich das Ganze gelohnt hat.

Zwischendurch wird die Teak-Plantage ausgeforstet. Überflüssige oder schlecht wachsende Bäume werden entfernt. Das dünnere Holz für geringere Summen verkauft. Es gibt also nur kleinere Beträge für die Durchforstungen, meist ein paar hundert Euro. 20 Jahre haben Anbieter wie Sharewood also Zeit, Gelder einzusammeln, bevor auffällt, ob man sich verkalkuliert hat.

Auffällig dabei: Keiner der aktuell großen Anbieter existiert überhaupt schon so lange. Und bei ähnlichen Unternehmen gab es in der Vergangenheit immer wieder Pleiten und Haftstrafen. Wenn Sie das weiter interessiert, klicken Sie hier.
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Grüne Werbung

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Seit Mitte 2007 hat allein Sharewood nach eigenen Angaben Bäume für 100 Millionen Schweizer Franken verkauft.

Vielleicht liegt es am Trend zur Grünen Geldanlage. Seitdem sich Schüler jede Woche für Klimaschutz-Maßnahmen einsetzen, Umweltthemen Wahlen entscheiden können und sich die ganze Welt mit Klima beschäftigt, verbinden auch immer mehr Menschen die Geldanlage mit der Nachhaltigkeit. Das zeigt zum Beispiel eine Umfrage der Fondsgesellschaft Union Investment. Noch nie waren so viele an nachhaltiger Geldanlage interessiert. 54 Prozent der befragten 20- bis 59-jährigen Deutschen halten diese Art des Anlegens für attraktiv. Vor neun Jahren, als die Fondsgesellschaft die Umfrage zum ersten Mal machte, hatten gerade einmal 32 Prozent überhaupt nur davon gehört. Nach Angaben des Forums für Nachhaltige Geldanlagen haben Privatanleger 2018 insgesamt 9,35 Milliarden Euro in nachhaltige Fonds investiert.
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Die Slogans und Werbeclips der Anbieter ziehen scheinbar. Dabei sind aber nicht alle Unternehmen seriös.

Um die Problematik weiß man auch bei der Verbraucherzentrale Hamburg. Heidi Pätzold beobachtet nachhaltige Investments seit Jahren.
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Die BaFin

Seit 2017 sollen solche Direktinvestments wie etwa in Bäume durch das Kleinanlegerschutzgesetz erfasst werden, erzählt Heidi Pätzold von der Verbraucherzentrale Hamburg. Die Gesetzesänderung der Bundesregierung sollte ein Schlupfloch in der Regulierung des Grauen Kapitalmarktes schließen.

Der Graue Kapitalmarkt umfasst vor allem Direktinvestments, bei denen Kunden nach einer vertraglich geregelten Laufzeit Geld bekommen sollen. Vor dem Inkrafttreten der Änderung vor zwei Jahren mussten die Anbieter allerdings weder einen Verkaufsprospekt erstellen noch Warnhinweise veröffentlichen. Mittlerweile ist das anders. Aber: Es bleiben Ausnahmen.

Genossenschaften beispielsweise müssen sich – selbst wenn sie Geldanlagen anbieten – nicht an das Vermögensanlagengesetz halten. Das gilt ebenfalls für Anbieter, von deren Vermögensanlage nicht mehr als 20 Anteile angeboten werden. Der Schutz ist damit ausgehebelt.
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Die Finanzaufsicht BaFin in Frankfurt bestätigt das auf ihrer Website.

Auch wenn die BaFin Prospekte prüft - es geht nur um die Vollständigkeit der Formalien. Eine inhaltliche Einschätzung oder Risikohinweise für Anleger? Fehlanzeige.

Wenn also auch genehmigte Verkaufsprospekte nichts über die Seriosität von Anbietern aussagen, was bedeutet es wohl, wenn Anbieter wie Sharewood nicht mal diesen minimalen Ansprüchen genügen?
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Aber immerhin: Die BaFin reagiert auf die wachsende Zahl der Anbieter. Gleich vier Anbietern von Holzinvestments hat die Behörde das “öffentliche Angebot” in Deutschland in den vergangenen Monaten untersagt, weil keine Prospekte vorlagen - darunter auch Sharewood.

Das Verbot bedeutet für die Anbieter, dass sie keine öffentliche Werbung in Deutschland schalten, geschweige denn potenzielle Kunden von sich aus kontaktieren dürfen.
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An das Verbot hält sich Sharewood jedoch nur bedingt. Wir geben den Suchbegriff “Sharewood” bei Google ein. Und siehe da: Als erstes Ergebnis taucht doch tatsächlich eine Anzeige des Schweizer Unternehmens auf - und das in Deutschland.

Aufgerufen haben wir die Seite am 25. Juni 2019, nachdem der BaFin-Bescheid rechtskräftig war. Das beweist die Information unter der Sharewood-Website: “Du hast diese Seite oft aufgerufen. Letzter Besuch: 17.06.2019”.
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Die Schweiz

Uns fällt auf, dass einige der großen Anbieter aus der Schweiz stammen - auch Sharewood hat seinen Sitz in Zürich.

Zufall? Wohl eher nicht.

Dass Sharewood in der Schweiz sitzt, gab Gunther Biegel eigentlich ein gutes Gefühl. So hat das Land doch in der Finanzwelt einen ziemlich guten Ruf.
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Schon bald merkt Jeanette Plato jedoch, dass die Schweiz nicht nur Vorteile hat - besonders juristisch. Sie befürchtet, dass es aus Deutschland heraus schwierig sei, gegen Schweizer Firmen vorzugehen.

Die Verbraucherzentrale Hamburg sieht das ähnlich.
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Wir finden aber einen Anwalt, der aus Deutschland heraus versucht, Anlegern ihr Geld zurückzuholen. Klaus Seimetz ist Anlegeranwalt und vertritt aktuell etwa zwei Dutzend Mandanten gegen Sharewood. Für ihn ist die Schweiz kein Hindernis.
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Selbst wenn Anleger vor einem deutschen Gericht Recht bekommen - ihr Geld haben sie noch nicht. Denn das Urteil eines deutschen Gerichts ist in der Schweiz nicht so einfach zu vollstrecken. Dabei muss dann ein Schweizer Anwalt helfen, sagt Seimetz.
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Juristisch ist der Weg in die Schweiz kompliziert, journalistisch nicht. boerse.ARD.de in der Schweiz. Sharewood sitzt in Zürich. Für die Recherche vor Ort arbeiten wir mit dem Schweizer Rundfunk zusammen. Hier beschäftigt sich Peter Basler für das TV-Wirtschaftsmagazin „Kassensturz“ mit dem Fall.

Auch bei Basler melden sich seit Jahren Sharewood-Kunden, die befürchten, Geld in den Sand gesetzt zu haben. Möglichkeiten, das zu verhindern? Auch für Schweizer eher unrealistisch. Und der Grund hat einen Namen: die Arglist-Hürde.
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Der Sharewood-Vetrieb

Peter Basler hat aber nicht nur Ahnung von den Schweizer Besonderheiten - er kennt auch die Masche von Anbietern wie Sharewood. Er vergleicht die Verkaufsgespräche mit dem Film “Wolf of Wall Street”. Da würden Versprechungen gemacht von gewaltigen Renditen und Sicherheit des Geldes. Das laufe stets nach dem gleichen Schema ab.
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Peter Basler hat Kontakt zu einem ehemaligen Mitarbeiter von Sharewood.

Auch wir treffen David P. (Name geändert) in einem Café in Zürich. Er will zwar nicht erkannt werden, hat aber dennoch einiges zu erzählen - und bestätigt Baslers Eindruck.
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"Da wurde den Kunden das Blaue vom Himmel versprochen. Den Möckli hat das nicht interessiert. Hauptsache die Umsätze haben gestimmt",

erzählt uns Ex-Mitarbeiter David P.

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Peter Möckli ist Gründer, Vorstand und Verwaltungsrat bei Sharewood. Er zeigt sich seinen Werbevideos gerne vor Ort, anpackend. Aber Möckli hat eine Vorgeschichte: Als Präsident hatte er 2006 die Prime Forestry Switzerland AG in den Konkurs geführt, die ebenfalls Teak-Bäume an Anleger verkaufte.

Unser Informant denkt, dass Möckli auch bei Sharewood bald einiges um die Ohren fliegen wird. 
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"Es gab Verkäufer, die haben sechsstellig verdient, im Monat. Dank der dicken Provision. Bei Sharewood wird das Geld zum Fenster rausgeschmissen. Schauen sie sich nur die Villa an!"

David P. (Ex-Mitarbeiter Sharewood)
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Die Konfrontation

Genau das machen wir. Direkt am Zürichsee, Balkon über dem Hafen, großer Garten, sanfte Brise, beste Lage. Wir wollen mit Peter Möckli über die Vorwürfe sprechen, hatten vorher telefonisch mehrmals Kontakt aufgenommen. Doch man macht uns nicht auf.

Später beantwortet Sharewood-Vorstand Peter Möckli einen Teil unserer Fragen schriftlich.
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Sharewood bestreitet, dass Verkäufer zweistellige Prozente auf Kundengelder bekamen oder bekommen:

"Diese Aussage trifft nicht zu."
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boerse.ARD.de liegen allerdings Dokumente vor, die genau dies belegen. Die Unterlagen zeigen, dass Sharewood-Verkäufer eine Provision von bis zu 12 Prozent auf Kundeneinzahlungen bekommen (konnten).

Unterschrieben von…
Peter Möckli höchstpersönlich.
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Ordentlich Provision dürfte auch Jürgen Käfer bekommen haben, der ab 2010 für einige Zeit bei Sharewood arbeitete.

Der deutsche Verkaufsprofi ist kein Unbekannter. In den vergangenen 20 Jahren machte sich Käfer mit diversen unseriösen Geschäften in der Schweiz einen Namen. 2016 wurde er verurteilt und das Schweizer Fernsehen berichtete über seine Machenschaften.

Wenn Sie mehr über Jürgen Käfer erfahren wollen, klicken Sie hier.
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Zurück in Deutschland. Uns wird eine Liste mit über hundert Sharewood-Kunden zugespielt, der größte Teil aus Deutschland. Wir rufen einige an und stellen fest: Von knapp 20 Kunden sind lediglich drei voll zufrieden mit Sharewood. Aber: Sie besitzen Bäume auf Plantagen, deren Abholzung erst noch bevorsteht. Wird sich ihre Meinung noch ändern?

Denn viele der anderen warten seit Jahren auf ausstehende Beträge oder bekamen Gelder aus Durchforstungen sehr viel später als angekündigt.

Sharewood schreibt uns dazu:

“Hauptursache für Verzögerungen bei Ausforstungen sind Witterungsverhältnisse.”
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Balsa-Holz

Eines fällt auf: Besonders viele Kunden warten schon lange vergeblich auf ihre Erträge aus schnellwachsenden Balsa-Bäumen, die vor Jahren geerntet werden sollten. Das extrem leichte Holz wird beispielsweise in Rotorblättern von Windkraftanlagen verwendet.

Fast 800.000 solcher Bäume hat Sharewood nach eigenen Angaben gegenüber dem Schweizer Rundfunk verkauft. Geld hat keiner der angerufenen Kunden dafür bekommen. Experte von Reitzenstein hat da eine ernüchternde Vermutung.
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Dass das Ganze nicht funktioniert, hat man mittlerweile auch bei Sharewood erkannt. Uns schreiben sie:

“Aus der Vielzahl geprüfter Varianten lässt sich keine realisieren, hauptsächlich ist das Scheitern im Fehlen eines lokalen Abnehmers von stehenden Balsa-Bäumen begründet.”
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Damit ist klar: Die Bäume lassen sich nicht verkaufen - die Anleger gehen wohl leer aus. Denn so lange stehen lassen kann man die leichten Balsa-Bäume nicht. Dann nimmt ihre Dichte zu und sie können nicht mehr für den Leichtbau verwendet werden.

Und das vorzeitige Abholzen ist ebenfalls keine Option. Es kommt nämlich noch schlimmer...
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Platos Vater hat 2011 insgesamt 1.200 Balsa-Bäume für 19.840 Euro gekauft. 2015 sollten die Plantagen abgeholzt werden. Doch daraus wurde nichts. Zunächst begründete Sharewood die Verschiebung mit einer unerwarteten Regenzeit. Anschließend habe man keinen Käufer finden können, der einen angemessenen Preis zahlen wollte.

Von Sharewood bekam die Familie ein sehr kurioses Angebot:
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"Fachgerecht zerkleinert"

Doch dafür bietet Sharewood Anlegern eine vermeintlich gute Alternative. Eine Auktionsplattform für Bäume: treetrade.ch.

Dort können Anleger versuchen, ihre Plantagen in Auktionen loszuwerden - ab 50 Euro Einstellungsgebühr und acht Prozent des neuen Kaufpreises. Das geht an Sharewood.
Wir schauen uns Treetrade genauer an. Bei 31 von 36 Auktionen gab es (Stand: 28. August 2019) kein einziges Gebot - das sind 86 Prozent. Bei den fünf “erfolgreichen” fällt auf: Die Verkaufspreise liegen sehr deutlich unter den einst prognostizierten Erlösen. Die einzig verkauften Balsa-Bäume beispielsweise sollten dem ursprünglichen Anleger eigentlich mindestens 14.742 Euro einbringen. Versteigert hat er sie stattdessen bei Treetrade für die sagenhafte Summe von 1.00 (Währung unbekannt).

Nur eine Auktion fällt aus der Reihe. 200 Teakbäume wechselten hier für immerhin 13.560 Schweizer Franken - und damit doppelt so viel wie der zweithöchste Verkauf bei Treetrade - den Besitzer. Der Verkäufer hier zufälligerweise: Die Sharewood AG selbst.
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Mit ihrem Anwalt versucht Familie Plato nun, wenigstens einen Teil des Geldes doch noch zu retten. Gegenüber boerse.ARD.de schreibt Sharewood zum Fall der Familie:

“Aus Datenschutzgründen geben wir keine Auskünfte über Käufer / Baumeigentümer.”
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Anfang August bekommt Familie Plato erneut Post von Sharewood. Mit einem neuen Angebot wegen der Balsa-Bäume:

“Nun herrscht leider die traurige Klarheit: Sie können mit Ihren Balsa-Bäumen keinen Verkaufserlös erzielen. Wir bedauern, Ihnen selbst nach umfassender Evaluation einer wirtschaftlich noch sinnvollen Verwertung Ihrer Bäume keinen positiveren Bescheid erstatten zu können.”

Weiter heißt es:

“Es ist nicht mehr absehbar, dass wir für Sie einen Käufer für Ihre stehenden Balsa-Bäume in Mato Grosso finden können. Dennoch müssen auch Ihre Balsa-Bäume raschmöglichst geschlagen werden. [...] Wir sehen heute und auch in Zukunft keine andere Möglichkeit mehr, als Ihnen im Rahmen des Baumservicevertrags zu unterbreiten, das Balsa-Projekt zu stoppen. Nach diversen Abklärungen kommen wir angesichts des gänzlich fehlenden Absatzmarktes zum Schluss, dass die effizienteste und nachhaltigste Lösung darin besteht, das Holz der geschlagenen Bäume fachgerecht zu zerkleinern und gleich vor Ort in den Boden einzuarbeiten.
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Und weiter:

“Für Sie als Eigentümer der betroffenen Balsa-Bäume fallen keinerlei Kosten an. Diese werden vollumfänglich von ShareWood übernommen (aus Kulanz, eine Verpflichtung besteht gemäss Baumservicevertrag nicht).

[...]

Wir bitten Sie, uns Ihre Bestätigung bzw. Instruktion mit dem von Ihnen unterzeichneten Antworttalon „Bestätigung und Instruktion Balsa-Bäume“ gemäss Beilage bis spätestens zum mit dem beiliegenden Rückantwortcouvert portofrei zurückzusenden. Wenn wir den unterzeichneten Antworttalon nicht rechtzeitig erhalten, können wir das Angebot nicht länger aufrechterhalten, den Lösungsvorschlag für Sie kostenfrei umzusetzen. Sämtliche Kosten, die durch fehlende oder unvollständige Instruktion anfallen, müssen Ihnen belastet werden.”
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Mit anderen Worten:

Die 20.000 Euro, die Gunther Biegel in Balsa-Holz investiert hat, werden “fachgerecht zerkleinert” und in den Boden des brasilianischen Regenwald “eingearbeitet.” Statt einer stattlichen Rendite gibt es nicht mal Feuerholz. Und wenn Familie Plato nicht fristgerecht zustimmt, muss sie sogar noch draufzahlen.

Anwalt Seimetz kann das “Angebot” kaum fassen. Es bestätigt seine Bedenken, dass die Risiken den Anlegern im Vorhinein nicht richtig vermittelt wurden.
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Für seine Mandanten zog Seimetz gegen Sharewood vor Gericht.

Am 23. August 2019 dann der Durchbruch: Das Landgericht Frankfurt gab ihm Recht. Sharewood muss der Anlegerin das gesamte Geld plus Zinsen zurückzahlen. Der Grund: eine fehlerhafte Widerrufsbelehrung bei Vertragsabschluss.
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Mit dem Verfahren könnte ein Präzedenzfall geschaffen worden sein. Uns ist kein anderes Urteil in Deutschland gegen Sharewood bekannt. Im Grunde können sich alle Anleger, die Bäume bei Sharewood gekauft haben, auf die gleichen Argumente berufen, so Seimetz.
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Outro

Bei einer Insolvenz Sharewoods wäre vermutlich ein großer Teil von Amelie Platos Erbe verloren.

Gunther Biegel hat sich das Investment ganz anders vorgestellt.
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Sicher scheint für Familie Plato und andere Anleger von Waldinvestments nur eines: Wenn sie ihr Geld wieder haben wollen, wird der Weg lang und beschwerlich.
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Erst in ein paar Jahren wird Familie Plato wissen, ob sich Sharewood bei den Teak-Bäumen genau so krass verspekuliert hat wie bei Balsa. Dann wäre das gesamte Geld des ehemaligen Feuerwehrmanns futsch.

Und für seine Enkelin bliebe nichts anderes übrig als die Gewissheit, für 130.000 Euro “fachgerecht zerkleinertes” Tropenholz in den brasilianischen Dschungelboden “eingearbeitet” zu haben.
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Auf dem Holzweg ist ein Beitrag von boerse.ARD.de.

Redaktion: Till Bücker, Julian Herbst
Kamera: Julia Pannewick, Georg Gilstein, Marco Peschmann
Schnitt und Bildredaktion: Julia Pannewick, Till Bücker

Bildquellen:
ShareWood Switzerland AG
https://www.youtube.com/user/ShareWoodAG
Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin)
Schweizer Rundfunk (SRF)

Impressum von  ⠀ boerse.ard.de
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Öko schützt nicht vor Pleite

In der Branche der grünen Geldanlage müssen Anleger immer wieder mit dem Verlust ihrer Investition rechnen. Nach Angaben der Verbraucherzentrale Hamburg haben in den Jahren 2012 bis Anfang 2018 über 50 Anbieter von Umweltinvestments Insolvenz angemeldet. Mehrere Milliarden Euro Anlagevermögen sind von der wirtschaftlichen Schieflage der grünen Projekte betroffen.

Und bei den insolventen Unternehmen tauchen auch immer wieder Anbieter von Waldinvestments auf. So etwa die Green Planet AG aus Frankfurt, die angeblich Bäume in Costa Rica verkaufte. Die Staatsanwaltschaft vermutete ein Schneeballsystem, in dem ein Anleger mit dem Geld der anderen ausgezahlt wurde. Der Gründer und Geschäftsführer von Green Planet wurde zu sechs Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt.

Ein Verlust von 70 Millionen Euro droht 3.500 Anlegern, die beim Anbieter Lignum Sachwert Edelholz AG in Edelholzplantagen in Bulgarien investiert haben. Die Firma ging 2017 pleite.
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Einen besonders bemerkenswerten Fall im Bereich Waldinvestments gab es 2006 in der Schweiz. Die Schweizer Bankenkommission ordnete den Konkurs von Prime Forestry an. Die Gesellschaft hatte gewerbsmäßig Publikumsgeld eingesammelt und damit laut der Kommission gegen das Bankengesetz verstoßen. In einer Vielzahl von Fällen sei - anders als versprochen - keine Individualisierung der Baumbestände erfolgt.

Die Prime Forestry Switzerland war 2003 gegründet worden. Das Anlageprodukt wurde über Telefonverkäufer in Zürich und Toronto vertrieben - beworben mit Renditen von bis zu 14 Prozent. Die Investoren kauften dabei Anteile an einer Plantage in Panama. Etwa 60 Millionen Franken hatten Privatanleger in die Firma aus Zürich investiert. Und damit nicht genug der Gemeinsamkeiten. Präsident von Prime Forestry war Peter Möckli, der kurz darauf Sharewood Switzerland gründete und bis heute als CEO leitet.
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Jürgen Käfer

Bei der Auswahl seiner Verkäufer steht für Peter Möckli offenbar vor allem der Umsatz im Vordergrund - nicht etwa die Seriosität. Um noch mehr Erfolg bei den Telefonanrufen zu generieren, setzte Möckli 2010 auf den Verkaufsprofi Jürgen Käfer. Käfer ist ein Krimineller. 2016 wurde der Deutsche in der Schweiz wegen gewerbsmäßigen Betrugs zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren verurteilt.

Mindestens seit den 1990er Jahren sollen Käfer und sein Team mit zwielichtigen Firmen wertlose Aktien verkauft und dadurch insgesamt etwa 20 Millionen ergaunert haben. Er überredete leichtgläubige Investoren, Aktien von heißen Start-Ups und Geheimtipps zu erwerben - von sagenhaften Renditen und einem schnellen Börsengang war die Rede. Allein über das Firmenprojekt Max Entertainment, mit dem angeblich eine Kampfsportliga in der Schweiz aufgebaut werden sollte, flossen angeblich sieben Millionen Euro in die Taschen der Betrüger. Alle Anleger erlitten Totalverlust.

Bei Sharewood will man von Käfers Machenschaften nichts gewusst haben. “Zu damaliger Zeit war uns nichts Negatives bekannt über Jürgen Käfer”, schreibt das Unternehmen dem Schweizer Rundfunk. Kurios, denn Käfer war wegen seiner Schwindeleien mehrfach in den Schweizer Medien.
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