Hinweis

Für dieses multimediale Reportage-Format nutzen wir neben Texten und Fotos auch Audios und Videos. Daher sollten die Lautsprecher des Systems eingeschaltet sein.

Mit dem Mausrad oder den Pfeiltasten auf der Tastatur wird die jeweils nächste Kapitelseite aufgerufen.

Durch Wischen wird die jeweils nächste Kapitelseite aufgerufen.

Los geht's

Commerzbank: Aufstieg und Fall

Logo https://multimedia.boerse.ard.de/commerzbank-geschichte

Die Commerzbank war mal wer. Stolz und altehrwürdig. Vielleicht nicht so stolz wie die Deutsche Bank, nicht so altehrwürdig wie ein Bankhaus Metzler. Aber doch ein stattliches Geldinstut mit gutem Ruf, dessen Wurzeln bis in die Kaiserzeit reichen. In der Welt des Geldes ist nicht viel vom alten Glanz geblieben.
Zum Anfang
Heute sticht die Commerzbank nur noch optisch hervor. Ihr Hauptquartier überragt die Skyline der Finanzmetropole Frankfurt, ihr grellgelbes Licht überstrahlt die Stadt. Der Turm ist sogar der höchste Wolkenkratzer Deutschlands. Stolze 300,10 Meter misst er vom Bürgersteig bis zur Antennenspitze. Doch das ist eine Mogelpackung.
Zum Anfang
Der Sprung über die 300-Meter-Marke gelang nur dank Antenne und nachträglich installierter Flugsicherungslampe on top. Aber ob nun mit oder ohne Lampe: Stararchitekt Sir Norman Foster schuf mit dem Tower 1997 ein Sinnbild von Macht. Das Hochhaus wurde mit seinen 56 Stockwerken das größte Europas. Der Titel hielt aber nicht lang. 2003 baute Moskau einen noch größeren Turm - wie eine Art Vorzeichen für den Niedergang der Commerzbank.
Zum Anfang
Heute hat die Commerzbank sogar ihren Platz in der obersten Börsenliga eingebüßt - und ist in den MDax abgestiegen. Noch vor wenigen Jahren ein unvorstellbarer Abstieg, ist doch die Commerzbank ein Dax-Gründungsmitglied. Deutlicher kann ein Niedergang kaum illustriert werden. Er ist zugleich das Symbol für den Umbruch einer ganzen Branche.
Zum Anfang
Angefangen hat die Commerzbank als private Handelsbank in Hamburg zur Zeit des deutschen Kaiserreichs. Am 26. Februar 1870 gründen Kaufleute, Merchant Banker und Privatbankiers die Commerz- und Disconto-Bank (hier im Bild das Stammhaus der Bank in Hamburg 1885). Die Bank war noch um Längen kleiner als heute. Die erste Bilanz zeigt eine Summe von rund sechs Millionen Banco-Mark. Das entspricht heute nicht einmal fünf Millionen Euro.
Zum Anfang
Den Anstoß zur Bankgründung gab Theodor Wille. Er war ein deutscher Großkaufmann, der stark im Südamerika-Handel tätig war. Um der Hamburger Kaufmannschaft Kredite zu ermöglichen, schloss er sich mit einigen Bankhäusern zusammen und hob die Commerz- und Disconto-Bank aus der Wiege. Den Gründerkrach überstand die neu gegründete Aktiengesellschaft noch relativ unbeschadet.
Zum Anfang
Ab etwa 1900 verlagert die Commerz- und Disconto-Bank ihren Schwerpunkt in die aufstrebende Metropole Berlin. Sie übernimmt die Berliner Bank. Das ehemalige Gebäude der Berliner Bank an der Ecke Behrenstraße 46/Charlottenstraße 47 im Stadtbezirk Mitte entwickelt sich zur neuen Zentrale der Bank.
Zum Anfang
Eine Aktie der Commerz- und Disconto-Bank aus dem Jahr 1905: Zur Übernahme der Berliner Bank erhöht die Commerz- und Disconto-Bank ihr Kapital um 35 auf 85 Millionen Mark. Dafür gibt es neue Aktien. Später werden die Papiere umgestellt auf Reichsmark.

 
Zum Anfang
Es gibt unzählige kleine Übernahmen und Fusionen kleinerer Banken. Einige größere stechen hervor: 1920 mit der Mitteldeutschen Privat-Bank aus Magdeburg; 1929 mit der Mitteldeutschen Creditbank aus Frankfurt. 1920 ändert die Commerz- und Disconto-Bank ihren Namen zunächst in Commerz- und Privat-Bank (hier im Bild ein Gebäude der Bank in Hamburg-Harburg). Erst im Jahr 1940 nimmt sie die in der Öffentlichkeit bereits übliche Kurzform „Commerzbank Aktiengesellschaft“ auch offiziell an.
Zum Anfang
1931 erschüttert die Bankenkrise die deutsche Wirtschaft. Viele ausländische Banken kündigen angesichts des Chaos ihre Kredite in Deutschland. Das Beben, das von Berlin ausgeht, hält die Finanzwelt viele Monate in Atem. In der Folge wird in der Politik viel über Fusionen gesprochen, auch über eine Fusion von Commerzbank und Dresdner Bank. Letztlich entscheidet der Staat aber anders: Die Dresdner Bank muss mit der Danat fusionieren und die Commerzbank mit der Barmer Bank. Beide werden verstaatlicht. Über eine Kapitalerhöhung kommt die Bank in den Besitz des Deutschen Reichs und der Reichsbank.

Eine prekäre Situation zu Zeiten der Machtergreifung der Nationalsozialisten. Das Reich kontrolliert die Geschäfte der Bank über zwei Vertreter der Reichsbank im Aufsichtsrat und Arbeitsausschuss. Beide Banken können die im Staatsbesitz befindlichen Aktien aber bis 1936/37 wieder bei privaten Anlegern unterbringen.
Zum Anfang
Mit Ende des 2. Weltkrieges wurde die deutsche Bankenlandschaft zerschlagen. Die Militärregierungen in den Westzonen verfügen die Dezentralisation der Großbanken. Anstelle der früheren Commerzbank bestehen nun neun Filialgruppen ohne klaren Rechtsstatus. Drei Regionalinstitue werden erst 1958 wieder zur „Commerzbank Aktiengesellschaft“ vereinigt. Damals noch mit Sitz in Düsseldorf. In den fünfziger und sechziger Jahren beginnt die Entwicklung zu einem internationalen Konzern. Von 1970 an wurden die bisherigen Hauptverwaltungen in Frankfurt am Main zentralisiert, wo sich seit 1990 auch der juristische Sitz befindet. Hier im Bild das 1974 fertiggestellte Hochhaus in Frankfurt, von Richard Heil konzipiert.
Zum Anfang
1969 entsteht in Luxemburg die Commerzbank International S.A. Damit etablierte sich die Bank quasi in der internationalen Weltwirtschaft. 1971 eröffnete die Filiale in New York. Es war die erste operative Niederlassung einer deutschen Bank in den USA. Es gab zudem Kooperationen mit europäischen Partnerbanken. Daraus entstand 1972 das Logo „quatre vents“ - für„vier Windrichtungen“ , womit die Bank „die weltoffene Dynamik unserer Bank und unserer Partnerinstitute gut zum Ausdruck" bringen will. Es ist einer stilisierten Windrose nachempfunden, damals aber noch in schwarz oder kobaltblau auf gelbem Hintergrund.
Zum Anfang
Im Mai 2001 wird Klaus-Peter Müller zum Vorstandssprecher ernannt; in der Bank nur KPM genannt. Es sollte der Anfang vom Niedergang der Commerzbank werden. Müller kauft zunächst den Immobilienfinanzierer Eurohypo. Damit sollte eine potentielle Übernahme der Commerzbank abgewährt werden. Doch der Schritt erweist sich in der Finanzkrise als Gift für die Bank selbst, musste sie doch milliardenschwere Abschreibungen auf die Hypothekendarlehen der Eurohypo vornehmen - und die Eurohypo schließlich abwickeln.

Bis 2008 spielte Müller bei der Expansion des damals drittgrößten deutschen Bankhauses eine entscheidende Rolle. Er gilt als treibende Kraft hinter der Übernahme der Dresdner Bank. Diesen Schritt hält er auch heute noch für richtig, nur der Zeitpunkt sei ungünstig gewesen.
Zum Anfang
 Martin Blessing wird im Mai 2008 Sprecher des Vorstands der Commerzbank. Klaus-Peter Müller übernimmt den Aufsichtsratsvorsitz. Schon Ende August 2008 gibt Blessing den großen Coup bekannt: die Übernahme der Dresdner Bank. "Wir wollen zu den führenden Banken im Herzen Europas gehören", sagt Blessing bei Bekanntgabe der Pläne.
Zum Anfang
Ziel der Fusion sei es, neben dem Platzhirsch Deutsche Bank einen zweiten nationalen Champion zu etablieren. Doch das Timing ist schlecht. Zwei Wochen später erschüttert die Lehman-Pleite die Bankenwelt. Die Commerzbank muss unter den staatlichen Rettungsschirm schlüpfen.
Die Finanzkrise zieht weite Kreise. Durch Fehlinvestitionen der Banken werden Milliarden vernichtet.
Zum Anfang

ARD-Mittagsmagazin vom 28.10.2009

0:00
/
0:00
Video jetzt starten
Zum Anfang

Hamburg Journal, NDR, 30.09.2008

0:00
/
0:00
Video jetzt starten
Zum Anfang
Aus zwei Schwachen wird noch lange kein Starker. Im Gegenteil. Die Übernahme der Dresdner Bank belastet die Commerzbank. Ohne die Hilfe des Staates hätte sie sich daran sogar verschluckt. Bis heute hält der Staat 15 Prozent der Anteile der Commerzbank. Von den Lasten der Fusion hat sich das Geldhaus also noch nicht befreien können.
Zum Anfang

Tagesthemen vom 8.1.2009

0:00
/
0:00
Video jetzt starten
Zum Anfang
Mit nahezu 70 Prozent an der mBank SA hält die Commerzbank eine Mehrheitsbeteiligung an einer der bedeutendsten Firmenkundenbanken in Polen. Das Institut wurde 1986 unter dem Namen BRE Bank als erste moderne Firmenkundenbank in Polen gegründet. Die mBank ist eine Universalbank, die internationale Konzerne, Großunternehmen, kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sowie Privatpersonen betreut.
Zum Anfang
Mit Blessings Antritt im Mai 2008 wechselte Klaus-Peter Müller nahtlos in den Aufsichtsrat, dessen Vorsitz er bis zur Hauptversammlung im Mai 2018 innehatte. Angesichts des Kursverfalls der Aktie fiel das Abschiedsgeschenk der Aktionäre entsprechend bescheiden aus: eine Tafel "Merci"-Schokolade.
Zum Anfang
Seit Mai 2016 leitet Martin Zielke die Geschicke der Bank. Er hat die Kosten gesenkt und das Geschäftsmodell weiter gestrafft. Ausreichend Geld verdienen lässt sich mit der Bank aber trotzdem nicht.
Zielke hat deshalb den Kontakt zur Deutschen Bank gesucht. Fusionsgespräche mit dem Nachbarinstitut wurden aber im Frühjahr 2019 erfolglos abgebrochen: Ein Zusammengehen beider Häuser habe wirtschaftlich keinen Sinn ergeben - und wäre wohl auch schwer umsetzbar gewesen, da mehrere Zehntausend Arbeitsplätze verloren gegangen wären. Nun warten Anleger und Aufsichtsräte auf einen Plan B.
Zum Anfang
Zum Anfang
... ist ein Special von boerse.ARD.de.


Redaktion: Lothar Gries
Bildredaktion: Hannes Möller


Bildquellen:
Commerzbank
picture-alliance/dpa
picture alliance / akg-images
Imago


www.boerse.ARD.de
Zum Anfang
Scrollen, um weiterzulesen Wischen, um weiterzulesen
Wischen, um Text einzublenden