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Glaubst Du an den Binary King?

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“Es gibt so Tage im Leben, die ja, einen Zusammenbruch bedeuten und es ist sehr sehr schwer für das eigene Leben zu einem klaren Gedanken zu kommen und feststellen zu müssen, dass der Kontakt plötzlich weg ist. Es sind Schädigungen, ganz eindeutig Schädigungen.”

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Raphael M. hat den falschen Leuten vertraut und dadurch mehr als 60.000 Euro verloren. Geld, das er eigentlich nutzen wollte, um die Jugendarbeit im Theater zu finanzieren. Das kostet.

M. hat deshalb nach Möglichkeiten gesucht, sein Geld zu vermehren, stößt auf Werbung, macht sich schlau, nimmt Kontakt mit einem Broker auf und unternimmt viel, um sicher sein zu können, dass er dem Broker vertrauen kann.

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"Zum Beispiel die Einladungen ins Büro, die persönlichen Vorstellungen etc. Boris Becker als internationalen Star, als Flaggschiff. Das ist ja auch eine stark vertrauensbildende Maßnahme, wenn ein internationaler Star sich dort zeigt. Bei anderen Anbietern sieht man das nicht. Da denkt man, die wären vertrauenswürdig.

Willst Du helfen? Kannst Du helfen? Kann ich mich darauf verlassen? Genau so ist gesprochen worden.

Wenn man so viele Wochen, Monate darüber gesprochen hat. Bin ich da in der richtigen Betreuung, Beratung? Es wurde immer wieder wiederholt: Kann ich mich da verlassen? Immer wieder: Ja, kannst Du. Ich bin der beste und und und..."

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Also eröffnet er ein Konto beim Onlinebroker 24Option, zahlt Geld ein, telefoniert täglich mit seinem “persönlichen Berater” Kevin S.

M. tradet, erzielt kleine Gewinne. Wenn er mehr gewinnen wolle, müsse er auch mehr setzen, erklärt ihm Kevin S. Am Ende hat er Raphael M. überzeugt, sein Erspartes einzuzahlen - mit fatalem Ergebnis

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Die Geschichte von Raphael M., seinem Berater und 24Option klingt abenteuerlich. Wir machen uns an die Recherche, die uns auf die Spur eines milliardenschweren Betrugs von weltweit agierenden Onlinebrokern bringt. Ein Betrug, bei dem die Kunden ihren gesamten Einsatz verlieren und am Ende oft hohe Schulden haben. Manche nehmen sich aus Verzweiflung das Leben.

Sie verlieren ihr Geld beim Handel mit Finanzprodukten auf dubiosen Onlineplattformen.

Wir fragen uns: Wie konnte das passieren?
Sind die Geschädigten einfach nur naiv oder steckt mehr dahinter?
Wer ist überhaupt betroffen?
Wie viele Menschen sind betroffen?
Wie funktioniert das System?

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Wir finden noch mehr Geschädigte, vor allem Menschen, die sich vorher noch nie mit der Börse beschäftigt haben. Alle erzählen uns ähnliche Geschichten.

Durch Werbeanzeigen wurden sie auf Onlinebroker aufmerksam, die tolle Gewinne in kurzer Zeit versprachen. Mit kostenlosen Demo-Konten, persönlicher Beratung am Telefon und anfangs schnellen Gewinnen ließen sie sich davon überzeugen, mehr und mehr Geld zu investieren.

Dann aber lief es plötzlich gar nicht mehr. Die Tipps der Kundenbetreuer ließen sie letztendlich ihren gesamten Einsatz mit nur wenigen Trades verlieren.

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Was vielen nicht bewusst ist: Sie handeln extrem riskante Finanzprodukte. Binäre Optionen, CFDs und Forex unterscheiden sich kaum von Glücksspiel.

Das Prinzip: Der Kunde hat, ähnlich wie beim Roulette, die Wahl zwischen zwei Optionen: Er wettet entweder, dass der Kurs einer Aktie, einer Währung oder eines Rohstoffs in einem bestimmten Zeitraum steigt, oder, dass er fällt.

Das Perfide: Nicht allein Zufall oder Börse entscheiden über den Kursverlauf. Denn die Kurse stellt der Onlinebroker. Das ist, als würde beim Roulette das Casino darüber entscheiden, ob die Kugel bei rot oder schwarz hält.

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Aber warum fallen so viele Menschen auf die Machenschaften rein?
Googlen sie nicht vorher, machen sich schlau?
Wir googlen selbst und stellen fest: Es ist gar nicht so einfach.

Auf den ersten Google-Seiten finden wir fast nur positive Bewertungen: Ausführliche Testberichte von vermeintlich neutralen Betrugstestseiten, die die Broker in den Himmel loben. Auffällig oft taucht das Wort Betrug auf.

Wer also nach einem Broker und “Betrug” sucht, der landet auf solchen Seiten. Was bezwecken diese Seiten? Und wer steckt hinter den Bewertungsportalen? Auf diese Fragen finden wir jetzt noch keine Antwort.

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Dafür finden wir auf einer Jobbewertungsseite ein paar wenige sehr negative Kommentare über einen Broker, der in Deutschland sitzt und über den sich schon einige beschwert haben: 24Option.

Über die Betreiber der Jobbwertungsseite versuchen wir die ehemaligen Mitarbeiter zu kontaktieren.

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Ortswechsel: Österreich im Sommer 2015. Liesel Wirt ist 70 Jahre alt, lebt von der Pension ihres verstorbenen Mannes in einer kleinen Wohnung und hat sich 100.000 Euro fürs Alter zusammengespart.

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Sie ist gesundheitlich nicht mehr ganz fit, hat keinen Magen mehr. Für eine entspannte Rente reichen ihr Erspartes und die Pension ihres verstorbenen Mannes. Sie würde aber gern etwas spenden und will ihr Geld dafür vermehren.

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Immer öfter trifft sie im Internet auf Werbung von verschiedenen Onlinebrokern. "Gewinne, wie es sie sonst nirgendwo gibt", "Es gibt nichts zu verlieren" und "Reguliert von der EU", versprechen sie.

So stößt sie auf den Broker 24Option.

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Als wir mit Liesel Wirt sprechen, fragen wir uns, welche Art Mensch eigentlich Kunde von solch dubiosen Onlinebrokern wird.

Nach langem Suchen finden wir einen negativen Eintrag bei Google. Eine Münchener Anwaltskanzlei berichtet über betrügerische Onlinebroker. Also machen wir uns auf den Weg und treffen uns mit Patrick Wilson von den Herfurtner Anwälten.

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"Es ist wirklich erstaunlich, was für gestandene Geschäftsmänner da auch handeln. Die sich das selbst kaum erklären können. Die immer konservativ angelegt haben.

Sie haben es da mit Leuten zu tun, das sind absolute Profis. Jeder, der glaubt, er könne vor so etwas gefeit sein, der täuscht sich.

Da braucht es nur mal Neugier und diese Neugier wird schamlos ausgenutzt."

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Er selbst, der sich mit dem Thema gut auskennt, hat sehr lange gebraucht, um herauszufinden, ob die Broker seriös sind oder nicht.
Die Liste dubioser Onlinebroker ist lang. Und sie wird immer länger.

Jeden Tag melden sich neue Geschädigte bei ihm. Mittlerweile betreut er schon hunderte Mandanten, für die er Vergleiche mit den Brokern aushandelt.

Alle Geschädigten verbindet eine Eigenschaft: Sie hatten Hoffnung. Die meisten hatten schon viel Geld verloren und haben gehofft, mit dem nächsten Trade ihr Geld wieder hereinzubekommen. Deswegen verlieren die Kunden oft alles, anstatt nach einem ersten großen Verlust aufzuhören.

Patrick Wilson hat auch über die Wertpapierkurse bei den Brokern Beunruhigendes zu berichten.

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"Man muss vermuten, dass die Anbieter die Möglichkeit haben, diese Software völlig frei zu handhaben und die Kurse auch völlig frei zu bestimmen und das führt immer dazu, dass am Anfang die Kurse immer so gesetzt werden, dass der Trader eben Gewinne einfährt und später, wenn dann die großen Beträge gesetzt werden, die Kunden ihr Geld verlieren.

Die Kurse kommen eben nicht von der Börse. Sondern meistens behalten sich die Broker das sogar vor und vermerken das in den Klauseln oder in den AGBs, dass sie die Kurse völlig frei bestimmen dürfen.

Dabei handelt es sich um eine sogenannte überraschende Klausel. Kein Kunde muss damit rechnen. Er muss ja damit rechnen, dass er zumindest eine faire Chance hat, zu gewinnen. Deswegen würde so eine Klausel einer juristischen Prüfung nicht standhalten."

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Das sieht man auch bei der Verbraucherzentrale so. Wolf Brandes hat sich mit seinem Team von “Marktwächter Finanzen” mal die AGBs durchgelesen und hat Ernüchterndes zu berichten.

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"Es ist beispielsweise so, dass die Anbieter einseitig Preise ändern können, auch den Handel aussetzen oder die Plattform stillegen können, ohne die Kunden zu informieren. Die Allgemeinen Geschäftsbedingungen sind eigentlich ein Freifahrtsschein, den man da unterschreibt.

Nach deutschem AGB-Recht sind solche Regelungen angreifbar. Das Problem ist aber, dass die Vertragspartner teilweise sogar im außereuropäischen Ausland sitzen.
Es ist zwar theoretisch möglich, über internationale Abkommen, aber der Aufwand wäre riesig und die Chancen sehr schlecht."

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Mittlerweile haben sich mehrere ehemalige Mitarbeiter von 24Option bei uns gemeldet. Aus Angst vor ihrem ehemaligen Arbeitgeber möchten sie anonym bleiben.

Damit nicht erkenntlich ist, von wem die Aussagen stammen, haben wir sie zusammengefasst. Die Szenen sind nachgestellt. Der Name ist frei erfunden.

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"Ich habe mich auf die Stelle eines Account Managers beworben. Ich hatte vorher eigentlich keine Erfahrungen in dem Bereich, habe nur im Vertrieb gearbeitet. Von diesen Finanzprodukten hatte ich nur grob etwas gehört, aber wusste nicht viel darüber.

Das Vorstellungsgespräch lief ganz normal ab. Mich hat nur ein bisschen gewundert, dass sie mich genommen haben, obwohl ich keine Ahnung hatte."

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Zu Beginn betreut Maximilian Richter die Kunden, die sich gerade neu bei 24Option angemeldet haben. Er soll sie überzeugen, die Anfangsgebühr von 250 Euro einzuzahlen. Haben sie das gemacht, leitet er sie an einen Mitarbeiter in der Retention weiter, also der Kundenbindung.

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"Das wirkte am Anfang eigentlich alles ziemlich normal. Ich brauchte den Job und habe mir auch nicht so große Gedanken darüber gemacht. Das Gehalt war okay und umso mehr Kunden man überzeugt hat, einzuzahlen, desto mehr Bonus hat man auch bekommen."

Dass der Bonus ein zweischneidiges Schwert ist, wird Maximilian Richter erst später klar, als er in die Retention aufsteigt.

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Zurück in München: Patrick Wilson beobachtet auch, wie Kunden immer wieder massiv unter Druck gesetzt werden und berichtet von “Verkaufsgesprächen”, wie man sie sonst aus Filmen wie Wolf of Wall Street oder Boiler Room kenne.

Er erzählt von Kunden, die am Telefon anfangen zu weinen und trotzdem von ihren Account Managern dazu gebracht werden, große Summen zu setzen. Und zu verlieren.

Da stellt sich natürlich die Frage:

Wie können solche Broker in der EU überhaupt eine Lizenz bekommen?

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"Um Onlinebroker werden zu können, müssen Sie eine Lizenz bekommen. Das hängt natürlich davon ab, wo Sie sich bewerben. In Deutschland müssen Sie hohe Anforderungen erfüllen. Sie müssen sicherlich auch Nachweise erbringen, dass Sie hier ein sauberes Geschäft führen. In anderen Ländern ist das vielleicht nur eine Frage des Geldes."

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Wenn es in Deutschland also schwer ist, eine Lizenz als Onlinebroker zu bekommen: Woher kommen dann die Broker?

Und wieso dürfen sie in Deutschland aktiv sein?

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Dank der europäischen Finanzmarktrichtlinie MIFID II können Onlinebroker ihre Dienste innerhalb der gesamten EU anbieten, wenn sie in einem Mitgliedsland reguliert sind. Dafür scheint Zypern erste Wahl zu sein.

Allein hier haben fast 250 Unternehmen ihren offiziellen Sitz und bieten auf mehr als 650 Onlinebroker-Seiten ihre riskanten Geschäfte an.

Hinzu kommen noch diejenigen, die nicht mal diese Anforderungen erfüllen - die Broker, die ihre offiziellen Sitze in Ländern wie Belize, Samoa, British Virgin Islands und anderen Steuerparadiesen haben.

Die sind nicht mal EU-reguliert und können quasi machen, was sie wollen.

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Für die Regulierung der zypriotischen Onlinebroker ist die Finanzdienstaufsicht Cysec zuständig. 2016 arbeiteten dort 99 Beamte, die die mehr als 650 Broker-Seiten überwachten.

Zum Vergleich: In Deutschland ist nur eine Handvoll Broker registriert. Und die zuständige Finanzdienstaufsicht BaFin hatte 2016 über 2.500 Mitarbeiter. Wie viele der Mitarbeiter sich um Onlinebroker kümmern, wissen wir nicht.

Wie kann die Cysec die Broker allein überwachen?

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Was sagt eigentlich die deutsche Finanzdienstleistungsaufsicht BaFin zu den sich häufenden Beschwerden über die Onlinebroker?

Schließlich ist "kollektiver Verbraucherschutz" Aufgabe der Behörde. Außerdem wacht die BaFin darüber, dass Bank- und Finanzdienstleistungsgeschäfte nicht ohne staatliche Erlaubnis betrieben werden. Und sie ist für die Verfolgung unerlaubter Geschäfte zuständig.
Auf unsere Interviewanfrage bekommen wir nur eine telefonische Rückmeldung:

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Zunächst sei die BaFin für nur wenige Fälle zuständig. Die Aufsicht, bei der der Broker registriert sei, sei der richtige Ansprechpartner für Geschädigte. Das ist meistens die Cysec. Dorthin leitet die BaFin die Beschwerden weiter.

Außerdem ist sie der Meinung, dass die neuen Bestimmungen der europäischen Finanzdienstaufsicht ESMA ausreichen, um das Problem in den Griff zu bekommen. Die ESMA hat binäre Optionen verboten.

Für CFDs wird durch das neue Gesetz ein kleinerer Hebel vorgegeben, sodass die Kunden weniger verlieren. Ob das Gesetz mehr bewirkt, als das Geld verdienen der Onlinebroker etwas mühseliger und langwieriger zu gestalten, bleibt abzuwarten.
Generell fragt man sich, wie sinnvoll es ist, dass bei den europäischen Finanzdienstaufsichten so unterschiedliche Konditionen herrschen. Die meisten Broker auf Zypern hätten vermutlich niemals eine deutsche Lizenz bekommen.

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Auch die Österreicherin Liesel Wirt hätte wohl nie angefangen, bei 24Option zu traden, wenn dieser Broker keine zypriotische Lizenz bekommen hätte. Die Broker werben auf ihren Seiten nämlich fleißig mit der EU-Regulierung.

Kurz nach ihrer Anmeldung bei dem Broker 24Option wird sie von einem Kundenberater angerufen. Er ist sehr freundlich zu ihr, zeigt sich interessiert an ihren Lebensumständen und nennt sie irgendwann fast liebevoll seine "Tradingoma".

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Sie zahlt ihre Altersvorsorge ein - 100.000 Euro. Zuvor fragt sie aber die österreichische Finanzdienstaufsicht FMA, ob sie solche Onlinebroker empfehlen würde. Diese gibt ihr dazu keine Informationen.

Ihr persönlicher Kundenberater - Kevin S. - verspricht ihr aber, dass sie jederzeit ihr Geld wieder bekomme und sie glaubt ihm.
Obwohl sie nicht weiß, was sie tut, vertraut sie Kevin S. und tradet mit Hilfe seiner Tipps. Er versichert ihr, dass sie sehr gut trade und bietet ihr einen Bonus an. Den will sie jedoch nicht. Ihrer Meinung nach braucht sie ihn nicht. Doch trotz ihres Widerwillens schreibt Kevin S. ihr den Bonus auf ihrem Konto gut.

Ihre Zurückhaltung soll sich später als richtig erweisen.

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Obwohl sie langsam skeptisch wird, zahlt Liesel Wirt weitere 25.000 Euro ein - Geld, das sie eigentlich für die Renovierung des Hauses braucht, in dem sich ihre Wohnung befindet. Eigentlich wollte sie sich ihr gesamtes Geld auszahlen lassen.

Doch Kevin S. hat sie extrem unter Druck gesetzt. Sie hatte nur noch Angst, zitterte und weinte am Telefon, wenn er ihr sagte, was sie tun solle. Sie konnte nicht anders, machte, was er ihr sagte. Wie eine Marionette.

Eine schreckliche Zeit für Liesel Wirt.

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Wenn Sie mal hören wollen, wie Kevin S. seine Kunden überzeugt, ihre letzten Groschen einzuzahlen und zu verlieren, dann klicken Sie auf den Link unten.

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Zurück bei Maximilian Richter in Köln. Wie mit den Kunden in der Retention, also Kundenbindung, umgegangen wird, bekommt auch er mit, als er nach kurzer Zeit dorthin befördert wird.

"Wir haben aufgenommene Anrufe von unserem Teamleiter Kevin S. zugeschickt bekommen. Wir sollten sie uns zu Hause anhören und uns als Hausaufgabe Notizen machen, was wir daraus für unsere eigene Arbeit ziehen können. Da waren schon krasse Sachen dabei.

Einmal hat er einen Mann, der schon 600.000 Euro verloren hat, noch seine letzten Tausender aus der Tasche gezogen. Hat sich "Binary King" genannt und so getan, als ob er mit ihm fühle und total entsetzt sei, dass der Kurs anders verlaufen ist, als vorhergesehen. Der Mann hat geweint am Telefon und konnte nicht mehr. Und das war das Beispiel für ein gutes Telefonat. Das sagt ja schon alles."

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Ein anderes Mal habe Kevin S. nur darauf gewartet, bis ein Kollege im Urlaub war, um eine seiner Kundinnen zu übernehmen. Diese Kundin hatte schon 300.000 Euro eingezahlt und mit Hilfe des Kollegen ein bisschen Gewinn gemacht.

Als der Kollege aus dem Urlaub kam, hatte Kevin S. die Kundin dazu gebracht, alles zu setzen. Sie hat ihre gesamte Einzahlung verloren. "Finanzielle Befreiung" nennt Kevin dies.

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"Ich habe mich dann auch gefragt, wie 24Option so gute Bewertungen haben kann bei Google usw.
Irgendwann habe ich dann mitbekommen, dass diese ganzen Betrugstestseiten Geld von 24Option bekommen, wenn jemand auf ihren Affiliate-Link klickt. Das ist ein auf der Testseite platzierter Link, der zu 24Option führt.

Genauso funktionieren diese Youtube-Videos, bei denen diese Kids in dicken Autos auftreten und dir auch versprechen, dass du 60.000 Euro im Monat machst, wenn du ihnen nur bei WhatsApp schreibst "Ich will reich werden" oder so einen Schwachsinn. Die leiten ihre "Kunden" auch oft zu 24Option weiter."

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Wir finden auch Werbung von Boris Becker für 24Option. Außerdem ist Juventus Turin der offizielle Partner von 24Option.

Ein Ex-Tennisstar und einer der weltweit bekanntesten Fußballvereine lassen den Broker seriös wirken.

Zu unseren Rechercheergebnissen über 24Option schreibt uns Juventus Turin, dass wir uns an 24Option selbst wenden sollen. Boris Becker lässt über seinen Anwalt ausrichten, dass er um Verständnis bittet, dass er nicht im Zusammenhang mit dem Unternehmen genannt werden will, da die Zusammenarbeit beendet sei.

Es gibt auch noch unzählige andere Sportler, die für andere Broker Werbung machen: Michael Ballack, Lothar Matthäus, Ole Einar Björndalen und Christiano Ronaldo sowie die Mannschaft Real Madrid.

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Wir versuchen herauszufinden, wer hinter 24Option steckt und stoßen auf ein undurchsichtiges Firmengeflecht und verschiedene Namen - aber stets eine Adresse in Zypern.

24Option wird innerhalb der EU mittlerweile von Rodeler Limited betrieben, einer zypriotischen Firma, die wiederum zwei anderen Unternehmen gehört, die wiederum Einzelpersonen gehören. Alle sitzen sie offiziell in Limassol, teilweise an der gleichen Adresse.

Über archive.org lässt sich herausfinden, dass 24Option in den letzten Jahren von unterschiedlichen Firmen betrieben wurde: Vor Rodeler Limited gehörte die Marke eine Zeit lang 247 Holdings Group Limited und Cbay Financial Services Limited.

Auch hier offizielle Adresse: Limassol.

Die Mehrheit an Rodeler Limited wiederum besitzt Uzi Baruch, ein Anwalt aus Tel Aviv.

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Aus einer Anklage israelischer Ermittlungsbehörden geht hervor, dass 247 Holdings Group Limited als 24Option-Mutter in Israel gegründet wurde.

Auch eine Beta Media taucht in der Anklageschrift als Betreiber von 24Option auf.

Eine Firma, für die auch ein Anwalt tätig war, dessen Name kein unbekannter ist: Uzi Baruch, dem Rodeler zum größten Teil gehört.

Beta Media residiert in einem schicken Wolkenkratzer im Zentrum Tel Avivs.

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Überhaupt scheint Tel Aviv bei Onlinebrokern ein sehr beliebter Standort zu sein, wie wir in der israelischen Presse lesen. Also packen wir die Koffer und fliegen nach Israel.

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Wieder bei Maximilian Richter. Auch er hat mitbekommen, dass die Besitzer von 24Option eigentlich aus Israel kommen.
Ab und zu kommt jemand aus Israel in das Büro. Meistens bekommen die Mitarbeiter nicht viel von diesen Besuchen mit.

Es sei denn, ein Kunde, der sehr viel Geld auf dem Konto hat, möchte es sich auszahlen lassen, dann mischt sich der Herr aus Israel ein und setzt den Berater unter Druck, den Kunden möglichst immer alles setzen zu lassen, damit er irgendwann alles verliert und sich nichts mehr auszahlen lassen kann.

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"Morgens gab es Vorgaben von den Chefs. Wir sollten dann allen Kunden sagen, dass zum Beispiel die Facebook-Aktie sinkt. Ich glaube, die hatten aber selber keine Ahnung. Das war alles willkürlich.

Einmal hatte Kevin einen Kunden am Telefon und hat seine Sekretärin gefragt, steigt Gold, oder fällt Gold? Sie, die absolut keine Ahnung hatte, hat irgendwas geraten. Der Kunde hat natürlich nichts davon mitbekommen und hat Kevin blind vertraut. Und der war Teamchef. Obwohl der ständig zugekokst war und seine Mitarbeiter super schlecht behandelt hat. Aber das hat da ja keinen interessiert."

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Kevin S. feuert Mitarbeiter in Konferenzen vor der ganzen Belegschaft. Er reißt alle "guten" Fälle an sich. Die meisten Mitarbeiter sagen, so jemand Skrupellosem seien sie noch nie begegnet.

Was viele besonders ärgert: Er bevorzugt Mitarbeiter, mit denen er sich gut versteht und sorgt dafür, dass sie gute Boni bekommen.

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"Das war halt auch so eine Sache mit dem Bonus. Das waren immer Anteile der Einzahlungen. Je höher die Einzahlungen deiner Kunden insgesamt, desto mehr hast du bekommen.

Allerdings wurden auch die Auszahlungen deiner Kunden davon abgezogen. Es lag also in unserem Interesse, dass die Kunden nur einzahlen und nie auszahlen lassen. Im Endeffekt war es also besser für uns, wenn unsere Kunden das Geld verzockt haben."

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Zurück in Österreich.

Als Liesel Wirt einfach nur ihre Einzahlung wieder haben möchte, erfährt sie, dass auch sie nicht auszahlen lassen kann - wegen des Bonusses, den sie nie haben wollte. Der beinhaltet die Bedingung, dass sie ein bestimmtes millionenschweres Volumen traden muss, um ihr Geld auszahlen lassen zu dürfen.

Sie wird ihr Geld also nie wieder sehen. Die Rechnung ist einfach: Spielt man 50 mal Roulette, kann man sich ausrechnen, wie viel Geld übrig bleibt.

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Um sie zu beruhigen, bietet Kevin S. ihr einen versicherten Trade an. Egal, ob sie richtig oder falsch setze, sie könne das eingesetzte Kapital nicht verlieren. Sie setzt 55.000 Euro.

Doch der Trade läuft schief und sie verliert alles.

Kevin S. hat sie angelogen. Etwas, was ihm später noch zum Verhängnis wird.

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Nach ihrem Verlust meldet sich ihr persönlicher Berater nicht mehr bei ihr. Stattdessen ruft der Chef von 24Option an. Er versichert ihr, dass ihrem Berater gekündigt worden ist, weil er sich falsch verhalten habe und dass sich nun ein anderer Berater, ein Profi, um sie kümmern werde.

Der nächste Berater überzeugt sie, nochmal 10.000 Euro einzusetzen und tradet Sekundentrades mit ihr, die sie noch weniger versteht.

Nach kurzer Zeit ist auch der neue Einsatz verloren.

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"Diese Masche kenne ich. Das machen die öfters. Erst kümmert sich der eine um einen Kunden und wenn der Kunde sich dann nur noch beschwert, übernimmt der nächste und saugt den Rest aus dem Kunden heraus.

Übrigens haben unsere Chefs früher sogar Stage-Namen benutzt, damit sie nicht erkannt werden können. Mein Chef Stephan Hacker hieß für Kunden mal Stephan Aigner. Er hat auch mal aus Israel heraus gearbeitet.

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Dort, von wo aus Stephan Hacker einst gearbeitet hat, in Israel, treffen wir Shmuel Hauser, den Chef der israelischen Finanzaufsicht ISA und die Knesset-Abgeordnete Rachel Azaria.

Beide haben in Israel für ein Gesetz gekämpft, das gerade vom Parlament verabschiedet wurde. Es verbietet den Vertrieb von binären Optionen von Israel aus ins Ausland. Vorher galt das Verbot nur für den Vertrieb binärer Optionen innerhalb Israels.

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Binary option is called as an option, but is not really an option. All you do is guess, is gamble. Whether it’s gonna go up or down within a few minutes. I thought it’s gambling. I thought it does not belong into the securities business. And that’s why we banned binary options in Israel.


Deutsch:
"Binäre Optionen heißen zwar Optionen, sind es aber nicht wirklich. Alles, was man damit tut, ist wetten. Ob es nach oben oder nach unten geht und das innerhalb von Minuten. Ich war der Meinung, dass es Glücksspiel ist und deswegen überhaupt nicht zum Geschäft unserer Aufsicht gehört. Deswegen haben wir binäre Optionen in Israel verboten."

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Zunächst habe die Finanzaufsicht nicht die Möglichkeit gehabt, die Geschäfte auch im Ausland zu verbieten. Das habe sich jetzt geändert.

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Usually the law here protects Israelis and that is the same that is done elsewhere.
The new law ban trading platforms to offer binary options not only to Israelis but also to investors outside of Israel. We’ve heard a lot of complaints from investors who suffered from these firms.

Deutsch:
"Normalerweise ist das Gesetz hier dafür da, Israelis zu schützen, so, wie es auch woanders gehandhabt wird. Das neue Gesetz verbietet Onlineplattformen aber zusätzlich, binäre Optionen im Ausland anzubieten. Wir haben von vielen Beschwerden von Investoren gehört, die unter diesen Firmen gelitten haben."

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Rachel Azaria betont, dass sie sich geschämt hat, als sie das erste Mal von diesem Betrug gehört hat.

Laut der Polizei sei es eine der größten Betrügereien, die es zurzeit gebe.

Sie ist der Meinung, dass die Knesset Verantwortung übernehmen musste und es auch getan hat. Es habe sie jedoch geschmerzt, von all diesen Menschen weltweit zu hören, die so viel verloren haben.

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I think, that this gap that it was forbidden in Israel, but that it was allowed for Israelis to sell binary options to other countries around the world. That’s what make it more difficult for everyone to stop it. For the police, for everyone. Cause it is very different if it is a problem in your country or in other countries and then you have many barriers on the way to stop it.

But once i got the data about whats happening with binary options and what happening around the world and it is also about the name, the reputation that we and our stock market is dealing with because of these binary options. It was something that was obvious that we have to stop."

Deutsch:
"Ich denke, dass es für alle schwierig war, etwas zu unternehmen, weil das Anbieten binärer Optionen zwar an Israelis verboten war, binäre Optionen aber weiterhin in allen anderen Ländern angeboten werden durften. Es war schwierig, auch für die Polizei. Es war eben ein Problem von anderen Ländern und nicht von unserem Land.

Aber als ich dann herausgefunden habe, was mit binären Optionen auf der ganzen Welt getrieben wird, und welches Licht es auf uns und unsere Börse wirft, war es klar für mich, dass wir das stoppen müssen."

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Von Shmuel Hauser haben wir erfahren, dass bei den Onlinebrokern in Tel Aviv täglich Milliarden getradet werden und dass dort tausende Mitarbeiter beschäftigt sein sollen.

Einen von ihnen treffen wir in seiner Wohnung in einem Vorort von Tel Aviv. Er will nur anonym mit uns sprechen, weil es ihm peinlich ist, für so etwas gearbeitet zu haben.

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Ich bin eben in Israel eingewandert und war dann in diesem Aufnahmezentrum und war die ersten ein, zwei Monate ohne Job. Und weil die Lebenshaltungskosten in Israel eben so enorm hoch sind und auch so, habe ich dann eben nach einem Job gesucht und das der Leiterin des Aufnahmezentrums erzählt und ihre Schwester hat für diese Firmen Leute angeworben. Ohne überhaupt zu wissen, worum es dabei geht, habe ich mich dann eben beworben und fünf Interviews in einer Woche bekommen.

Ein Kurs von einer Woche, um Menschen Finanzprodukte zu erklären?
Ja.

Und du hattest vorher überhaupt keine Ahnung davon?
Ich hatte überhaupt keine Ahnung.

Den Bonus habt ihr aber bekommen für die Einzahlung? Oder für die Einzahlung minus die Auszahlung?

Es gab keine Auszahlung."

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Er erzählt auch, dass die Mitarbeiter in seinem Call Center Formulare bekommen haben, so genannte Resistance Paper, auf denen stand, welche Antworten man auf welche Fragen geben solle, damit die Kunden möglichst leicht zu überzeugen sind, ihr Geld zu investieren.

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"Der Algorithmus ist genauso gemacht, dass die Leute erst immer gewinnen und dann noch mehr einzahlen, weil sie haben im Prinzip nichts zu verlieren.

Öfters wurden wir angerufen und da haben Leute gesagt, dass die Kurse bei eztrader anders verlaufen sind als bei irgendwelchen Wirtschaftsseiten. Das kam öfter vor.

Sich über den Kunden lustig machen oder ihn missachten, das war schon so die Regel.

Der deutsche Markt war mit Abstand der Stärkste.

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Der Bericht macht uns neugierig. Ist es wirklich so einfach, als Einwanderer ohne Hebräisch-Kenntnisse eine Stelle bei einem Onlinebroker zu bekommen?

Wir machen den Test und bewerben uns nur mit einem spärlichen Lebenslauf, ohne Zeugnisse, ohne An- oder Motivationsschreiben auf Stellenanzeigen, die wir auf Facebook finden.

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Durch einen Mitarbeiter, der vielleicht so viel Ahnung hat wie wir laut unserem Lebenslauf, hat Liesel Wirt all ihr Geld verloren: Ihre Altersvorsorge und das Geld für die Renovierung des Hauses. Sie will das nicht auf sich beruhen lassen und setzt sich zur Wehr.

Sie schreibt Briefe an die CySec und andere Behörden. Letzten Endes an den europäischen Ombudsmann.

Zwischendurch muss Rodeler, die Firma hinter der Marke 24Option, 156.000 Euro Strafe an die CySec zahlen. Diese angeblich versicherten Trades, die auch Liesel Wirt angeboten bekommen hat, sind nämlich verboten, weil es sie schlicht und ergreifend nicht gibt.

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Der Ombudsmann entscheidet: Liesel Wirt bekommt 50.000 Euro zurück. Eine Erleichterung, aber das reicht ihr nicht.

Sie kämpft weiter.

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Während wir auf Antworten für unsere Bewerbungen warten, suchen wir nach BetaMedia, der Firma, die hinter 24Option steckt. Mittlerweile heißt sie Bittech, wie wir herausfinden. Vor kurzem ist sie in ein nagelneues Hochhaus in Tel Aviv umgezogen. Ob wir ein Interview bekommen?

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Wir waren gerade bei Bittech, der Mutter,der Mutter der Mutter von 24Option, wir sind da relativ einfach reingekommen, mussten unten nur unsere Pässe abgeben, haben dann so einen Hausausweis bekommen und sind dann mit den schicken Aufzügen bis in den 9. Stock gefahren.

Dort konnten wir dann in das Büro ganz einfach reinkommen, weil uns gerade jemand entgegen gekommen ist. Wir haben uns dann durchgefragt, bis wir mit dem Verantwortlichen oder vermeintlich Verantwortlichen sprechen konnten. Jetzt haben wir seine E-Mailadresse und schauen mal, ob er einen Interviewtermin mit uns ausmachen wird.“

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Bei unseren Bewerbungen tut sich auch einiges. Innerhalb eines Tages bekommen wir auf unsere fünf spärlichen Bewerbungen vier Antworten und führen erste Bewerbungsgespräche am Telefon.

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Jetzt wird es Zeit, mit Simona Weinglass zu sprechen. Die Journalistin hat viel in Israel zu unserem Thema veröffentlicht. Wir hoffen, dass sie uns helfen kann, fehlende Puzzleteile zu ergänzen. Mit der Journalistin treffen wir uns in Tel Aviv.

Das neue Gesetz sieht sie skeptisch. Wichtiger sei, dass die Strafverfolgung gestärkt würde.

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"The whole law was a bit unnecessary. Because the people basically did stealing. And you don’t need a new law to forbid stealing.
We have thousands of complaints from all over the world and no one was prosecuted, no one convicted within ten years. So of course Israel has to enforce its own law. What kind of law do you have when such a thing can happen?"

Deutsch:
Dieses Gesetz war unnötig. Diese Menschen haben gestohlen und das ist verboten. Wir haben tausende Beschwerden von der ganzen Welt und niemand wurde in den letzten zehn Jahren bestraft oder verurteilt. Also muss Israel sein Gesetz vollstrecken. Was für ein Gesetz haben wir, wenn so etwas passieren kann?

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"A lot of them but not all of them were part of crime indicates, organised crime groups and what they did before binary options was more local crimes like prostitution, drug sales, gambling stores.
But then when the internet were growing they were doing the same thing but online so they were doing gambling online and investment frauds online and suddenly their audience became bigger from Israel to the whole world. Anyone in the world who has an internet connection. And they grew vastly as the result."

Deutsch:
Nicht alle, aber viele waren Mitglieder organisierten Verbrechens. Vor den binären Optionen haben sie sich eher auf lokale Verbrechen wie Prostitution, Drogenhandel und Glücksspiel konzentriert.
Durch das Internet haben sie dann das Online-Glücksspiel für sich entdeckt und dann auch den Online-Investment-Betrug. Plötzlich konnten sie nicht nur die Isrealis, sondern auch die ganze Welt betrügen. Jeden, der eine Internetverbindung hat. Deswegen haben sich auch die Verbrechergruppen extrem vergrößert.

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Wieso die Polizei nicht aktiver gegen die Broker vorgeht, versteht sie nicht.

“It’s a mystery. I don’t know why they don’t do more."

Aber die Polizei habe bei der Anhörung zum neuen Gesetz in der Knesset versichert, dass ihnen nun die Augen geöffnet worden seien. Dass das organisierte Verbrechen dahinter stecke. Die Polizei verspricht, sich der Sache anzunehmen. Weinglass vermisst aber bisher Ergebnisse.

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“What bothered me the most is that they get away with it. That they steal money over and over again and that they just got away with it and I asked someone who worked for a binary options firm why they think they can get away with it and he said to me that these are just middle-class ordinary people who can’t afford a lawyer and the binary option firms know this.”“The thing that bothers me the most is that the European government does nothing they are not helping victims.“
Deutsch:
Was mich am meisten ärgert ist, dass sie damit davon kommen. Dass sie Geld klauen und es keine Konsequenzen hat. Ich habe einmal jemanden gefragt, der für so eine Firma gearbeitet hat, warum er denkt, dass er damit davon kommt und er meinte zu mir, dass diese normalen Mittelklasse- Menschen sich keinen Anwalt leisten können und dass die Firmen das eben wissen. Mich ärgert es, dass auch die europäische Regierung nichts tut, um den Opfern zu helfen.

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Laut Weinglass verdienen die Broker zwischen fünf und zehn Milliarden Dollar im Jahr. Kein Wunder also, dass die Bezahlung der Mitarbeiter verhältnismäßig hoch ist, was bei den rapide steigenden Mieten in Tel Aviv sehr wichtig sei. Und gerade für Einwanderer ohne Hebräisch-Kenntnisse sei es eine einfache Möglichkeit, gut bezahlte Jobs zu ergattern.

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Und sie hat auch eine Erklärung dafür, dass so viele Onlinebroker sich in Israel niedergelassen haben. Vor zehn Jahren hat die Regierung ein Gesetz beschlossen, dass die Immigration fördern sollte: Einwanderer müssen für zehn Jahre keine Einkommenssteuer auf Einnahmen aus dem Ausland zahlen, nicht einmal eine Steuererklärung abgeben.

Wer beispielsweise aus Amerika nach Israel auswandert und einen Onlinebroker auf Zypern betreibt, der muss in Israel keine Steuern zahlen.

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Wir machen uns auf den Weg zu jemandem, auf den das zutreffen dürfte, den Chef von Bittech, Elad Levy, der uns zum Interview eingeladen hat...

Vor der Kamera will er nicht mit uns reden, aber er überrascht uns und spricht lange mit uns. Wir haben das Gespräch zusammengefasst.

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Seine Beziehung zu 24Option:
Nach eigenen Aussagen gehört Elad Levy nicht zu 24Option, Bittech liefert nur die Software für die Seite. Er hat trotzdem eine E-Mail-Adresse von 24Option, die er für Kundenkontakte nutzt, weil er früher dort gearbeitet hat. Er ist aber regelmäßig in Köln im Büro von 24Option und kann auch Mitarbeiter entlassen.

Seine Meinung zu den Finanzprodukten:
Elad Levy ist klar, dass 85 Prozent seiner Kunden all ihr Geld verlieren. Diese Finanzprodukte, die auch 24Option anbietet, sind extrem riskant und sollten eigentlich verboten werden. Die Branche hat zurecht einen schlechten Ruf. 24Option ist aber seiner Ansicht nach eine Ausnahme. Das Unternehmen profitiert auch nicht von dem Verlust seiner Kunden. Das tut der Marketmaker. Wer das ist, will Elad Levy nicht sagen.

Seine Ansicht über die Behörden:Elad Levy würde den regulierenden Behörden wie der CySec nicht vertrauen. Obwohl auch 24Option davon in Zypern reguliert ist.

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Für uns wird es Zeit, die Heimreise anzutreten, auch wenn wir dafür die Bewerbungsgespräche als Onlinebroker in Israel sausen lassen müssen. Wir reisen zurück nach Frankfurt, wo wir erstmal alle Ergebnisse zusammenfassen.

Jetzt fehlt uns nur noch eins: Wir fahren nach Köln zu 24Option, wohin uns Elad Levy ausdrücklich eingeladen hat.

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Vorher erzählt uns Maximilian Richter, dass die BaFin 24Option sogar auch schon einen Besuch abgestattet hat...

"Die Chefs haben sie einfach selbst angerufen und gesagt, sie sollen sich die Büros mal anschauen, sie hätten ja nichts zu verbergen. Am Tag vorher wurde dann Mitarbeitern gesagt, die nicht unbedingt "BaFin-konform" reden können, dass sie doch zu Hause bleiben sollen. Außerdem wurden vor dem Besuch noch ein paar PCs und Papiere beiseite geschafft."

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Zurück zu Liesel Wirt. Sie weiß sich mittlerweile nicht anders zu helfen und schreibt in alle sozialen Netzwerke, was ihr passiert ist und dass man bei 24Option nicht handeln sollte. Jeden Tag postet sie etwas auf Facebook und schreibt, dass auch die Presse darüber berichten wird.

Irgendwann schreibt sie jemand an und berichtet ihr, dass er bei 24Option gearbeitet hat und dass man dort nur darauf warte, dass Liesel Wirt sterbe. Er fragt sie aus, welche Sendung über ihren Fall berichten wird.

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Das bringt den Stein ins Rollen.

Rodeler, die Firma, die hinter 24Option steckt, meldet sich bei Liesel Wirt und bietet ihr 35.000 Euro an. Sie erklärt jedoch, dass ihr das nicht reiche.

Nach einigem Hin und Her bietet Rodeler ihr 60.000 Euro an und sie willigt ein.

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Immerhin bekommt sie fast ihr ganzes Geld zurück. Als eine von ganz wenigen. Was bleibt, ist eine schreckliche Zeit. Die 73-Jährige ist krank geworden und psychisch am Ende. Sie hofft, dass nicht noch mehr Menschen auf diese Masche hereinfallen.

Über ihre Erfahrungen mit 24Option darf sie allerdings nicht mehr berichten. Das ist der Preis für die 60.000 Euro. Und die Masche, mit der Broker wie 24Option ihre Opfer zum Schweigen bringen. Wer einen, oft kleinen, Teil seines Verlustes wieder bekommt, der darf anschließend nicht mehr darüber reden.

Und wer noch hofft, dass ein halbwegs akzeptables Angebot aus Zypern kommt, der will nicht reden. Aus Angst, dass sich dann das Angebot in Luft auflöst. So werden die Geschädigten oft monatelang hingehalten. Mit uns hat Liesel Wirt, die eigentlich anders heißt, aber schon vorher gesprochen.

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Überraschungsbesuch in Köln. Das Büro von 24Option im schicken Rheinauhafen. Nachdem wir weder per Mail, noch per Telefon Antworten bekommen haben, wollen wir persönlich mit den Verantwortlichen sprechen und gehen in das Büro.

Doch: Es ist keiner da. Laut der Frau am Empfang ist der Chef seit vier Wochen und auch weiterhin im Urlaub. Auch die Teamleiter sind nicht da: Einer ist verreist, der andere im Meeting.

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Maximilian Richter hat bei 24Option gekündigt. Zu schwer wiegt das schlechte Gewissen, zu viel Leid hat er dort gesehen und gehört. Zu viele Schicksale erlebt, zu viele Menschen in den finanziellen Ruin stürzen sehen.

Er hofft, dass sein Beitrag andere Menschen davon bewahrt, ebenfalls von Kevin S. und Co. „finanziell befreit“ zu werden.

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Im Gegensatz zu uns ist Raphael M. ins Kölner 24Option-Büro reingekommen. Für ihn wäre es aber besser gewesen, es wäre ihm wie uns ergangen.

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"Es wurde am Vorabend telefoniert, versprochen, dass noch vor dem Urlaub der große Gewinn stattfinden wird. Dann kam der Anruf mit der kleinlauten Stimme: Setz mal in 10 Minuten auf das und das. Da muss man vertrauen können. Alles? Ja, alles. Und das landete innerhalb kürzester Zeit im Minus. War einfach eine Katastrophe. Weg, einfach weg.

Als ich gesehen habe, diesen Kursverlauf. Tja, das sind Emotionen, Gefühle, das ist mehr als das. Das ist ein körperlicher Schmerz, eine Lähmung.

Das bedeutet ja, statt dem eigentlich angestrebten “wie kommst Du voran” ein “wie überlebst Du jetzt ”.

Also für mein Leben hat das bedeutet: Schmerz und große Probleme durchzukommen. Aber ich bin da… "

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Mittlerweile hat uns die Staatsanwaltschaft Köln bestätigt, dass gegen Kevin S. Anzeigen vorliegen.

Die Staatsanwaltschaft überprüft im Moment, ob sie ein Ermittlungsverfahren einleiten wird.

Sie steht noch ganz am Anfang.

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... ist eine Multimedia-Reportage von boerse.ARD.de

Autoren: Anja Lordieck, Julian Herbst

Redaktion: Burghard Schnödewind

Videos: Georg Gilstein, Julia Pannewick, Anja Lordieck, Julian Herbst

Quellen: picture alliance/RPOI

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24Option-Mitarbeiter wie Kevin S. sind keine Finanzberater. Empfehlungen dürfen sie - eigentlich - nicht geben.
Wie das dann in der Praxis klingt, hören Sie hier.

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Der Geschädigte in diesem Telefonat hat an einem Freitag dank der Empfehlungen von Kevin S. mehr als 200.000 Euro verloren.
Am Montag nach dem Wochenende meldet sich Kevin S. wieder bei dem Geschädigten und versucht ihn davon zu überzeugen, seine letzten 25.000 Euro einzuzahlen.

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Binäre Optionen sind im Prinzip nichts anderes als eine hopp oder top Wette – ähnlich wie beim Roulette, wenn der Spieler auf schwarz oder rot setzt. Bei binären oder digitalen Optionen wettet der Spieler nicht auf Farben, sondern, ob ein Kurs in einem bestimmten sehr kurzen Zeitraum steigt oder fällt. Liegt er richtig, gewinnt er nach Abzug von Gebühren bis zu 80 Prozent seines Einsatzes, liegt er falsch, verliert er alles.

Binäre Optionen sind also reines Glücksspiel. Es kann wohl keiner von sich behaupten, dass er die Entwicklung eines Aktienkurses innerhalb von Minuten vorhersagen kann.

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Bei Contracts For Difference (CFDs), also Differenzkontrakten, spekuliert der Anleger auf die Kursentwicklung von Basiswerten, wie zum Beispiel einer Aktie oder eines Rohstoffs. Er erwirbt allerdings nicht den Basiswert, sondern hinterlegt nur einen geringen Teil des Basiswertes als Sicherheitsleistung beim Anbieter.

Entwickelt sich der Kurs positiv, erhält der Anleger den Differenzbetrag. Andernfalls muss er die Differenz ausgleichen. Anders als bei binären Optionen verliert er also nicht seinen gesamten Einsatz. Handelt der Anleger mit Forexkontrakten, spekuliert er auf die Kursentwicklung von Währungen. Das funktioniert ähnlich wie bei Differenzkontrakten.

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