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Los geht's

Der Lehman-Crash im Kino

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Sehr reiche Menschen, gerne auch skrupellos, machen illegale Sachen und fallen tief. Das ist der Stoff aus dem Filme gemacht werden.

Kaum verwunderlich also, dass Hollywood und Dokumentarfilmer die Lehman-Pleite längst für sich entdeckt haben. Denn das Geschehen von vor zehn Jahren hat uns gelehrt, dass unser Schicksal, ob wir wollen oder nicht, auch mit den Finanzmärkten verknüpft ist.

Das Kino bieten einen ebenso lehrreichen wie emotionalen Zugang zu den Ereignissen, die die Lehman-Pleite erst möglich machten. Denn es geht um die Geschichten, die dort passieren und die erzählenswert sind: Was passiert an der Börse, welche Menschen arbeiten dort, welche Konflikte erleben sie und was treibt sie an?

Menschen wie Michael Burry.

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Mutige Männer, die gegen die gesamte Expertise der Finanzwelt erfolgreich auf den Zusammenbruch des US-Immobilienmarktes wetteten: Darum ging es im Bestseller "The Big Short" von Michael Lewis. Adam McKay hat daraus einen sehenswerten, ebenso witzigen wie bitteren Film gemacht.

Wie eine Naturkatastrophe sei die Krise über uns gekommen, wollte uns die Finanzindustrie weismachen. Ach wirklich? Wer im Jahr 2003 oder 2004 einen genauen Blick auf den sensationell boomenden US-Immobilienmarkt geworfen hatte, konnte erkennen, dass etwas gewaltig schief läuft. Ein paar Männer haben hingesehen, die Situation analysiert und damit ziemlich viel Geld verdient. Mittels Kreditausfallversicherungen, sogenannten Credit Default Swaps, setzten sie auf den Zusammenbruch des Hypothekenmarktes.

Der Film "The Big Short" von Adam McKay basiert auf dem gleichnamigen Sachbuch und Finanzthriller von Michael Lewis und erzählt, wie ihr Coup gelang.

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CDO, CDS, synthetische CDO, Kreditverbriefungen, strukturierte Produkte, Hypothekenanleihen, Subprime-Hypotheken…

In ziemlich komischen Exkursen, die den Lauf der Erzählung unterbrechen, leistet der Film Verständnishilfe: Was Sie immer schon über CDOs wissen wollten, aber nicht zu fragen wagten.

"The Big Short" ist lehrreich, weil er zeigt, dass man sich manchmal mutig gegen die herrschende Meinung stellen muss, um erfolgreich zu sein.

Und der Film ist bitter, weil diese Selbstgefälligkeit zu einer globalen Finanzkrise führte, die die Existenz von Millionen Menschen aufs Spiel gesetzt hat. Besonders bitter ist das Fazit Baums nach seinem immens erfolgreichen Trade: Er habe gedacht, die Banker seien dumm gewesen, weil sie die klaren Krisensignale des Marktes nicht verstanden hätten. Vermutlich hätten sie aber gewusst, dass der Staat sie raushauen würde, wenn es schiefgeht.

So sieht es wohl aus.

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Konkret mit der Finanzkrise befasst sich Jeffrey C. Chandors Film "Margin Call" aus dem Jahr 2011. Der Film verdichtet die Geschichte, die den Zusammenbruch der Lehman-Bank erzählt, auf ein paar Stunden einer Nacht und ein paar Menschen. Es wird ein spannendes Drama daraus.

In "Margin Call" geht es um Männer, die vor Bildschirmen hängen. Nachdenkliche Kerle in Anzuguniformen, die im Cabrio sitzen. Manager, die mit Demi Moore im Besprechungszimmer über die Zukunft der Wall Street verhandeln. Manager die Entscheidungen treffen, die das Leben von Millionen beeinflussen und Milliarden Dollar vernichten. Und um die Strukturen, die in der Bank herrschen - um Mensch und Maschine.

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"Margin Call" ist ein Finanzthriller: Ein Mitarbeiter entdeckt, dass die Bilanz der Bank aufgepumpt ist mit wertlosen aber riskanten "kreativen Finanzprodukten". Für ihre löchrige Kapitaldecke ist sie zu hohe Risiken eingegangen und steht kurz vor der Pleite - eine Frage von Stunden. Der Zusammenbruch könnte die ganze Finanzwelt in den Abgrund reißen! Man muss das ganze Teufelszeug sofort loswerden. Also wird der Subprime-Kram dem nächsten Dummen aufgeschwätzt. Die Katastrophe ist damit natürlich nur vertagt, das System wird trotzdem implodieren, wie wir heute wissen.

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Die Protagonisten sind keine Testosteronjunkies wie Gordon Gecko aus "Wall Street". Es sind die gewöhnlichen, auf Erfolg getrimmten Unter- und Oberschergen einer Bank, die versuchen, angesichts der drohenden Katastrophe, so gut es eben geht zu funktionieren. Nur der Boss hat seine dämonischen Momente.

Der Filmkritiker Georg Seeßlen fasst die Botschaft des Films in der "taz" böse zusammen: "Die Maschine, von der sie ein Teil sind, ist derart groß und komplex geworden, dass niemand die zerstörerische Macht begreifen konnte, die von ihr ausging. Bis es zu spät war, sagt der Regisseur Chandor. Weniger freundlich könne man es auch umgekehrt sagen: "Die Menschen, die eine solche Maschine bedienen, sind so beschränkt, trivial und charakterlos, dass die Katastrophe unausweichlich wird."

Die Katastrophe eines vielleicht charakterlosen, aber nicht beschränkten Menschen, zeigt  Martin Scorsese im nächsten Film.  

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Im Dokumentarfilm "Master of the Universe" präsentiert uns Regisseur Marc Bauder einen Insider aus der Bankenwelt. Rainer Voss ist einer der ehemals führenden Investmentbanker Deutschlands, einer von denen also, die uns die Finanzkrise eingebrockt haben sollen.

Wer nicht Teil der "Bande" ist, betrachtet den Finanzmarkt als etwas Abstraktes, redet vom System, dem Markt, der Börse oder den Investmentbankern. Das Thema ist kaum geeignet für das Medium Film, denn welche Bilder könnten diese Begriffe veranschaulichen? Deshalb stellt Marc Bauder in seinem Dokumentarfilm "Master of the Universe" den Menschen Rainer Voss in den Mittelpunkt.


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Besonders eindrucksvoll sind seine Schilderungen, wenn er die Dynamik seines Jobs beschreibt, das Abgeschottetsein in den Wolkenkratzern, von denen auch "Unter dir die Stadt" erzählt. Dort droht man vor lauter Zahlen und Profitdenken und ausgerüstet mit den Privilegien großen Reichtums den Kontakt zur Realität zu verlieren. Denn im Maschinenraum des Kapitalismus scheinen sich nur Menschen mit gleichen Anschauungen und Vorstellungen zu begegnen. Die Bilanz des Investmentbankers Voss angesichts der Krisen des Finanzmarkts ist deshalb nicht ermutigend: Märkte lernen nicht, Banken lernen nicht und Investoren auch nicht. Lernen Banker?

Wer sich Werturteile oder gar eine moralische Abrechnung erhofft, wird von "Master of the Universe" nicht bedient. Das ist auch eine der Stärken des preisgekrönten Films. Wer aber einen pathosfreien Einblick in die Welt der Banken und Banker gewinnen möchte, der sollte sich diesen Film nicht entgehen lassen.

Deutlich moralischer wird es im nächsten Beispiel.

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Wer ist schuld an der Finanzkrise? Haben korrupte Zocker uns die Finanzkrise eingebrockt? Sind professionelle Zyniker die Herrscher über die Welt des Geldes – also letztlich über unsere Welt? Fragen wir die Bankrotteure und Experten doch einfach selbst: So funktioniert der Ansatz des Regisseurs Charles Ferguson in seinem Film "Inside Job". Politiker, Banker und Wirtschaftsprofessoren sprechen, große Namen wie George Soros, Nouriel Roubini und Dominique Strauss-Kahn kommen zu Wort und schildern uns ihre Perspektive auf das Geschehen.

Richter und Historiker wissen zwar, wie unzuverlässig die Beweisführung durch Zeugen und Zeitzeugen ist. Und doch ist es zunächst ein guter Weg, sich einem Thema zu nähern. "Inside Job" gewann im Jahr 2011 den Oscar für den besten Dokumentarfilm.

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Der Film forscht nach den Ursachen der Finanzkrise. Das nicht überraschende Ergebnis lautet, dass der Grund in der Liberalisierung und Deregulierung der Finanzmärkte liegt. Nur: Wer dereguliert? Für Ferguson ist die Finanzkrise das Werk von Insidern. Interessant ist deshalb sein Versuch zu zeigen, wie die agierenden Personen aus Politik, Wissenschaft und Wall Street miteinander verflochten sind. Die Wege zwischen ihnen scheinen kurz zu sein und Interessenkonflikte vorprogrammiert.

Die Wissenschaft, so Fergusons These, steht allzu oft auf der Lohnliste der Wall Street. Und Leute, die eben noch in der Finanzindustrie tätig waren, sitzen später in Aufsichtsbehörden. Für den sogenannten Drehtüreffekt gibt es viele Beispiele. Ferguson wirft unter anderem einen Blick auf die Karriere von Larry Summers, ehemaliger Chefökonom der Weltbank, ehemaliger Finanzminister und ehemaliger Präsident der Harvard University. Kritiker werfen Ferguson das Verbreiten von Verschwörungstheorien vor. Das mag sein – trotzdem ist das Bild, das er von der Lage der Finanzindustrie der USA zeichnet, bedrückend. 

Jetzt wird es in der Zeitleiste aber wieder rückwärtsgehen, in die Zeit der Reagan-Jahre.

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Irgendwie war "Let's make Money" vom Regisseur Erwin Wagenhöfer der richtige Film zur richtigen Zeit. Er erschien auf dem Höhepunkt der Finanzkrise im Jahr 2008. Der Dokumentarfilm will zeigen, was in einer Welt schief läuft, in der Rendite und Aktienkurse die bestimmenden Ideen sind. Hören wir Mark Mobius, Präsident von Templeton Emerging Markets: "Ich glaube nicht, dass ein Investor verantwortlich ist für die Ethik, für die Verschmutzung oder das, was eine Firma verursacht, in die er investiert. Das ist nicht seine Aufgabe. Seine Aufgabe ist zu investieren und Geld für seine Klienten zu verdienen."

"Lets make money" verzichtet auf einen Off-Kommentar und lässt Investoren, Fondsmanager, Economic Hitmen, Politiker oder Globalisierungskritiker sprechen - und die Bilder, die Wagenhöfer gefunden hat. Schauplätze in Indien, Burkina Faso, Spanien oder in einer Goldmine in Ghana sollen veranschaulichen, welche Spuren die Gipfel und Täler der Börsenkurse in der Welt hinterlassen. Wer den "Zement-Tsunami" an Spaniens Küsten gesehen hat, versteht, was sich hinter den Begriffen Immobilienblase oder Kapital-Fehlallokation verbirgt: Unbewohnte, absurde Betonwüsten, in die Milliarden investiert wurden: "Gewinne für wenige, Verluste für alle." Auch das Thema Verteilung wird angerissen: In der Ahafo-Mine in Ghana wird Gold unter den schwierigsten Bedingungen gewonnen und in die Schweiz geflogen. Wagenhöfer meint: drei Prozent Afrika, 97 Prozent Westen.

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Die Anschaulichkeit von "Let's make Money" geht vielleicht ein bisschen zu Lasten der Analyse. Und der Film überrascht nicht. Er bietet einem ohnehin schon kritischen Publikum das, was es erwarten darf: Tendenziell zynische Investoren, empörte Globalisierungskritiker, renditefixierte Manager, um Objektivität bemühte Wissenschaftler. Vor lauter rechtschaffener Wut kommt der Zuschauer kaum zum Nachdenken darüber, ob er selbst vielleicht auch etwas mit der Weltlage zu tun haben könnte oder ob nur die Kerle an der Börse den Karren in den Dreck gefahren haben.

Der Regisseur schaffe ein geschlossenes Argumentations-System, kritisiert "Die Zeit". Der Preis sei die Vereinfachung komplexer Zusammenhänge. Aber womöglich ist ein Dokumentarfilm nicht das richtige Medium, um die Finanzwelt in ihrer Komplexität zu erklären. Wer sich von den Bildern berühren lässt, kann sich aber anregen lassen, selbst weiter nachzuforschen.

Und jede Menge Material für eigene Recherchen bietet die folgende Sammlung.

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Dem Filmemacher und Alleskönner Alexander Kluge geht es nicht um eine steile These. Die "Früchte des Vertrauens" sind kein Film, eher eine atemberaubend umfangreiche Materialsammlung zu den Themen Geld, Finanzen und Krise, die insgesamt rund zehn Stunden dauert.

Sie besteht aus Interviews, Kurzfilmen, kleinen Szenen, Texteinblendungen und Musikstücken, die man sich in beliebiger Reihenfolge ansehen kann. Deutsche Filmemacher wie Tom Tykwer, Christoph Hochhäusler, Christian Petzold und Romuald Karmakar haben Kurzfilme beigesteuert, Wissenschaftler wie Joseph E. Stiglitz, aber auch Künstler wie Helge Schneider kommen zu Wort.

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Kluge gehe es um den Gegenpol der Krise - das Vertrauen, heißt es in der Beschreibung des Projekts: Was lässt sich für Geld nicht kaufen? Er beleuchtet das Thema Finanzkrise aus allen möglichen und überraschenden Blickwinkeln und erzählt Geschichten, die Räume zum Nachdenken öffnen. Die Beiträge bilden ein Netz aus den unterschiedlichsten Bezügen und es entsteht etwas Neues – eine Perspektive, die einem die Welt der Nachrichten nicht bieten kann.

Auch das Drama ist besser im Kino als in den Nachrichten aufgehoben, werden wir sehen.

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Texte: Thomas Spinnler
Redaktion: Burghard Schnödewind

Grafik und Bildredaktion:
Hannes Möller
Martin Brandt

Fotos und Videos:
Allegro Film Produktions GesmbH
Bauderfilm
DCTP
dpa picture alliance
Myriad Pictures
Piffl Medien GmbH
Sony Pictures
Studiocanal
Touchstone Pictures
Twentieth Century Fox
Universal Pictures International
The Weinberg Company

Impressum von boerse.ARD.de

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