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Samuel Sachs: Erfinder der Aktie

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Zugegeben, kein runder Geburtstag, aber ein Anlass zum Feiern allemal: Vor 168 Jahren, am 28. Juli 1851, ist der "Erfinder der Aktie" geboren worden. Samuel Sachs war ein amerikanischer Investmentbanker, der die Ausgabe von Aktien für junge Unternehmen zur Kapitalbeschaffung eingeführt haben soll.
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Um die Geschichte um Samuel Sachs zu verstehen, empfiehlt es sich, das Familiengeflecht um Goldman Sachs näher zu betrachten. 

Alles beginnt mit der gescheiterten Märzrevolution 1848. Der Versuch misslingt, aus dem Flickenteppich des Deutschen Bundes ein einheitliches Deutschland zu schaffen. Das einfache Volk schafft es nicht, die Unterdrückung durch den Adel zu beenden. Für viele ein Grund, das Land zu verlassen. Auch Deutsch-Juden wie Mark Goldmann und Joseph Sachs sind darunter.

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Samuels Vater, Joseph Sachs, stammt aus ärmlichen Verhältnissen. Nichtsdestotrotz unterrichtet er als Sohn eines bayerischen Sattlers im Alter von nur 19 Jahren die Tochter eines reichen Würzburger Goldschmieds. Joseph Sachs und Sophia Bär verlieben sich.

Beide nutzen das Jahr der Märzrevolution, um selbst zu rebellieren. Zum Missfallen der Familie heiraten sie und nehmen das nächste Schiff, um sich in die USA abzusetzen.
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Drei Jahre später kommt Samuel Sachs in Maryland auf die Welt.

Aufgewachsen zu einer Zeit, in der Thomas Edison, Erfinder der Glühbirne, Kaufhausmogul Frank Winfield Woolworth und der erste Milliardär der Welt John Davison Rockefeller geboren werden – Sinnbilder des „American Dream“, die die Welt später verändern sollten. So auch Samuel Sachs, der ein gigantisches Bankenimperium aufbauen würde. Zugegeben, nicht ohne fremde Hilfe.



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Obwohl die Bezeichnung "American Dream" erstmals im Jahr 1931 auftaucht (Samuel Sachs ist zu diesem Zeitpunkt schon 80 Jahre alt), verkörpert der Investmentbanker in gewisser Weise den amerikanischen Traum: Erfolg und Reichtum durch harte Arbeit, unabhängig von der sozialen Herkunft.

Bereits mit 15 Jahren arbeitet Sachs als Buchhalter. Später betreibt er ein Geschäft für Spiegel und Gläser. Den Grundstein für die Bank und die Verwirklichung des "amerikanischen Traums" legt aber Marcus Goldman, Samuels Schwiegervater. 
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Denn Mark Goldmann verlässt mit 27 Jahren die jüdische Gemeinde Trappstadt im Großherzogtum Würzburg und wandert in die USA aus. Es ist das Jahr der gescheiterten Märzrevolution, 1848.

Als Sohn eines deutsch-jüdischen Landwirtes strebt er nach einem besserem Leben, nach politischer und sozialer Gleichberechtigung. Juden ist es zu diesem Zeitpunkt nämlich nicht erlaubt, einen Beruf auszuüben oder einen Partner ihrer Wahl zu heiraten. Stattdessen stehen hohe Steuerzahlungen und Sonderabgaben auf dem Programm. Sein Glück sucht er daher in den USA – und sollte damit bald den Weg seines zukünftigen Schwiegersohns als Juniorpartner im Bankenimperium ebnen: Samuel Sachs. 

Goldman heiratet in Pennsylvania eine gebürtige Bayerin und zeugt mit ihr fünf Kinder. Zunächst arbeitet er sich in Philadelphia hoch, vom Haustürverkäufer zum Besitzer eines kleinen Krämerladens. Schließlich geht er 1869 mit Sack und Pack nach New York und gründet in einem Ein-Zimmer-Büro in der Pine Street das Unternehmen "M. Goldman & Company".

Zu diesem Zeitpunkt ist Samuel Sachs gerade erst 18 Jahre alt.
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Die Familien sind zu diesem Zeitpunkt schon eng miteinander verbunden. Denn die Goldmans teilen nicht nur die deutsch-bayerische Herkunft mit den Sachs', sie sind auch mit ihnen befreundet. 

Später heiraten zwei Kinder der Goldmans zwei der Sachs'. Allen voran Samuel, der sich 1882 mit der jüngsten Tochter Louisa traut.


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1882, im gleichen Jahr, übernimmt Marcus Goldman seinen Schwiegersohn Samuel Sachs als Juniorpartner und ändert den Firmennamen von "M. Goldman & Company" zu "M. Goldman & Sachs".

Samuel gilt als „konservativ und zutiefst bemüht, den Ruf und das Ansehen des Unternehmens in der Bankengemeinschaft zu festigen“.

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Die Geschäfte entwickeln sich prächtig. Mitte der 80er Jahre des 19. Jahrhunderts verfügt Goldman bereits über ein Kapital von 100.000 Dollar. Der Erfolg bleibt auch weiter nicht aus: Nach und nach stellen Goldman und Sachs eine der weltweit größten Investmentbanken auf die Beine.

Samuel gilt zusammen mit Philip Lehman als Wegbereiter der Ausgabe von Aktien, um neuen Unternehmen bei der Kapitalbeschaffung zu unterstützen. Lehman, ein langjähriger Freund von Samuel und ebenfalls Sohn eines deutsch-jüdischen Auswanderers, ist Teilhaber der Lehman Brothers.




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Goldman & Sachs erweitert die Führung im Jahr 1885 mit Goldmans Sohn Henry und dessen zweiten Schwiegersohn Ludwig Dreyfuß als Geschäftspartner. Fortan lautet der Firmenname "Goldman Sachs & Co."

Das Unternehmen profitiert von der Industrialiserung Amerikas und wächst ebenso rasant wie die Wirtschaft des Landes. In den 1890er Jahren spezialisiert sich Samuel Sachs außerdem auf den Ankauf und Weiterverkauf von Schuldscheinen, den späteren "Commercial Papers". Sie gelten als wichtigster Geschäftsbereich des Unternehmens. 1896 wird dem Geldhaus sogar die Ehre zuteil, der New Yorker Börse beizutreten.

Zu diesem Zeitpunkt steigt das Unternehmen zum erfolgreichsten Verkäufer von Wertpapieren auf und verfügt über mehr als 500.000 Dollar Eigenkapital. Marcus Goldman selbst hatte sich bereits zwei Jahre zuvor, 1894, aus dem aktiven Geschäft zurückgezogen.
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Aber nicht nur das: Samuel will in ausländische Märkte expandieren, träumt von einem internationalen Bankimperium. Er soll der erste gewesen sein, der behauptete, dass amerikanische Kunden nur dann vollständig bedient würden, wenn Goldman Sachs nach Übersee expandierte.

1897 knüpft Samuel erste Beziehungen zu anderen renommierten Handelsbanken. Er reist nach London, Paris und Berlin, um auf europäischen Märkten Fuß zu fassen.
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Mit dem Tod seines Schwiegervaters 1904 übernehmen Samuel Sachs und sein Schwager Henry Goldman schließlich die Führung des Unternehmens als Seniorpartner.

Um sich von der angelsächsischen Konkurrenz abzuheben, muss sich der Goldman-Sachs-Clan an der Wallstreet Gedanken über andere Investitionsmöglichkeiten machen.

Das Eisenbahngeschäft, auf das viele andere Bankiers setzen, scheint zu riskant, zu waghalsig zu sein. Stattdessen konzentriert sich Goldman Sachs auf neue Firmen aus dem Mittleren Westen. Mit Erfolg: 1906 bewegen sie die Kaufhauskette Sears aus Chicago zum Börsengang.  

Und Sachs versteht es, auf neue Finanzprodukte zu setzen, zum Beispiel auf Freiverkehrs-, Renten- und Wandelanleihen.
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1929 zieht sich Samuel aus dem Bankengeschäft zurück. Sechs Jahre später stirbt der "Erfinder der Aktie" in New York.

Heute ist die US-Großbank Goldman Sachs für viele Amerikaner ein Symbol für Maßlosigkeit und Gier. Der Hauptgrund: Die Finanzkrise 2008. US-Politiker beschuldigten Goldman Sachs, den Kunden wertlose Finanzpapiere verkauft zu haben, die die Banker intern sogar als "Schrott" bezeichneten. Bislang konnte der Investmentbank aber kein strafrechtlich relevantes Verhalten nachgewiesen werden. 2012 stellte das Justizministerium das Verfahren ein.

Noch nicht ausgestanden ist die Korruptionsaffäre rund um die Plünderung des malaysischen Staatsfonds vor etwa sechs Jahren. Der Vorwurf: Zwei frühere Goldman-Händler sollen im Auftrag des malaysischen Staatsfonds, bekannt als 1MDB, betrügerische Anleihegeschäfte getätigt haben. Die Rede ist von 3,3 Milliarden veruntreuter Dollars.

Anknüpfen an den guten Ruf im 19. Jahrhundert konnte die Investmentbank seither nicht mehr. Das Erbe von Samuel Sachs als Wegbereiter der Aktie aber bleibt.
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Redaktion: Freya Helmstätter

Bildredaktion: Hannes Möller

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