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Wie Amazon den Einzelhandel aufmischt

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Wer das Internet kennt, der kennt Amazon. Nach Zahlen des Datenportals Statista kaufen fast 52 Millionen Deutsche online ein. Amazon hat in Deutschland 44 Millionen regelmäßige Kunden. Aber Amazon hat noch viel mehr zu bieten als eine Verkaufsplattform. Mit Cloud- und Streamingdiensten, echten Supermärkten und einer schier endlosen Liste an Dienstleistungen mischt der Konzern von Gründer Jeff Bezos in beeindruckend vielen Märkten mit. Ganz besonders hart trifft es den Einzelhandel, dessen gesamtes Geschäftsmodell immer mehr in Frage gestellt wird.

Wo Amazon auftaucht, verändern sich die Machtverhältnisse, in der Regel in Richtung Amazon. Jeff Bezos ist durch Amazon zu einem der reichsten Menschen der Welt geworden.

Wie ist sowas möglich? Eine Reise durch das Verkaufsimperium Amazon.
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Wohl am bekanntesten ist Amazon für seinen Internethandel. Angefangen hat der Konzern Ende der Neunziger Jahre mit dem Buchhandel. Heute kann auf Amazon so ziemlich alles gekauft werden, was nicht niet- und nagelfest ist, auf ein und derselben Plattform. Nur im Lebensmittelbereich gibt es noch Nachholbedarf. Aber da ist Amazon längst dran.

Kein ewiges Shophopping und schmerzende Füße nach einem langen Marsch durch urbane Einkaufsstraßen mehr, so das Werbeversprechen. Einfach auf die Couch, das Smartphone in die Hand, mit wenigen Klicks bestellen und liefern lassen. Was soll man dem entgegen halten?

Manche haben die Mittel und versuchen es. Viele scheitern.
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Einer der erbittertsten Gegner von Amazon im Einzelhandel ist der Supermarktriese Walmart. Walmart macht fast vier mal so viel Umsatz wie Amazon, hat aber in vielen Bereichen das gleiche Angebot. Während man zum Walmart aber noch hingehen muss, reicht bei Amazon ein Klick. Ein paar Tage später wird dann an die Haustür geliefert.

Deshalb wurde im Kampf zwischen Walmart und Amazon oft schon vom Kampf Alt gegen Modern gesprochen. Walmart als Vertreter des alten, konservativen Modells, mit riesigen Supermärkten aus Stahl und Beton. Amazon als die junge, innovative Internetfirma mit dem Geschäftsmodell der Zukunft.

Auch wenn Amazon deutlich weniger Umsatz macht als Amazon - Jeff Bezos Unternehmen hat eine Marktkapitalisierung von rund 466 Milliarden Dollar - Walmart ist nur rund 239 Milliarden Dollar schwer. (Stand 19.09.2017)
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Ein Bereich, den Walmart und andere Supermarktketten Amazon immer noch voraus haben, sind die Lebens- und Nahrungsmittel. Doch geht es nach Jeff Bezos, wird auch das sich schon sehr bald ändern. Jüngst erst hat Amazon die Biosupermarktkette Whole Foods übernommen. Die soll fortan mit einem von Amazons jüngsten Angeboten zusammenarbeiten: mit Amazon Fresh.

Bestellt wird bei Amazon Fresh online. Geliefert werden soll spätestens am nächsten Tag mit einem speziellen Fahrzeug, so zumindest die Vermutung in Bezug auf das Werbevideo. Wenn Amazon Fresh funktioniert, muss sogar für den Lebensmitteleinkauf die Couch nicht mehr verlassen werden.

Eine ganze Reihe von Supermarktketten hat schon eigene Lieferdienste gestartet. Der Vorteil von Amazon Fresh wird sein, dass sie ihr bestehendes Warenangebot einfach um die angebotenen Lebensmittel erweitern können. Kunden kaufen dann nicht nur Bücher, Kleidung und Elektronikartikel, sondern erledigen auch gleich ihren Wocheneinkauf, ohne die Couch oder die Webseite wechseln zu müssen.

In Berlin und Potsdam läuft bereits der Testbetrieb. Wann Amazon in anderen deutschen Städten angeboten wird ist sicher nur eine Frage der Zeit.
Amazon Fresh Werbevideo
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Im Oktober 2017 gab die Nachrichtenagentur Bloomberg bekannt, dass Amazon auch in die Produktion von Sportbekleidung einsteigen will. Die Nachricht hatte unmittelbaren Einfluss auf die Aktienkurse der Konkurrenten Under Amour, Lululemon und Nike. Auch Adidas dürfte als einer der führenden Hersteller von Sportbekleidung ganz genau hingeschaut haben. Produziert werden sollen die Kleidungsstücke von Auftragsherstellern in Taiwan.
Zudem hat sich Amazon eine neue Produktmanagerin ins Haus geholt, die sich in dieser Branche bestens auskennt. Kirsten K. Harris hat unter anderem schon bei Nike gearbeitet.
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Der Fall Walmart zeigt aber auch, wie sehr die neue Konkurrenz das Geschäft belebt. Die attackierten Unternehmen erfinden sich oft neu und/oder erweitern ihr Firmenmodell. So hat Walmart bereits 2006 den deutschen Ableger Real an die Metro AG verkauft und zwischenzeitlich den Onlinediscounter jet.com übernommen. Vor kurzem wurde bekannt, dass Walmart eine Partnerschaft mit Google eingegangen ist. Über Googles Sprachassistenten sollen zukünftig hunderttausende Walmart-Produkte bestellbar sein.

Aber auch die angesprochene Metro AG, bekannt für Media Markt und Saturn, hat aufgerüstet - und das musste sie auch. Amazon macht einen Großteil seines Umsatzes mit dem Verkauf von Elektroartikeln. Vor einigen Jahren hat Media Markt schließlich den Onlineversandhändler Redcoon gekauft. Und auch Rocket Internet hat auf Amazon reagiert. Ein Beispiel ist das Kleidungsportal Zalando, dem die Amazon-Seite Zappos Modell gestanden hat.

Amazon zwingt seine Kontrahenten also ins Internet. Mit einem Unterschied. Amazon scheint deutlich internationaler zu denken, während viele der bestehenden Unternehmen vor allem versuchen, Marktanteile auf ihren Heimatmärkten zu sichern.

Mit Souq.com hat Amazon zum Beispiel eine der größten Shoppingseiten im Mittleren Osten eingekauft.
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In einen Supermarkt gehen, sich nehmen, was man möchte und einfach wieder gehen. So in etwa ist der Plan für Amazon Go, dem Supermarkt ohne Kassen oder Personal. Beim Betreten des Marktes muss man nur sein Smartphone an ein Lesegerät halten und wird dann als Kunde registriert. Mit einer Technologie, die Amazon bisher nicht näher erläutert hat, scannt ein System genauestens was man aus dem Regal in den Einkaufskorb oder -wagen legt und überträgt die Ware an den Amazonaccount des Kunden. Sobald man den Laden verlässt wird automatisch bezahlt. Abgerechnet wird über die bei Amazon hinterlegte Zahlungsmethode.

Was technisch interessant klingt ist nicht nur ein neuartiges Konzept für zukünftige Supermärkte. Es macht auch den Menschen zum größten Teil überflüssig. Konkurrenten sind hier also nicht nur die Einzelhändler, sondern auch die Menschen als Arbeitnehmer.
Amazon Go Werbefilm
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Als wäre das noch nicht alles, bietet Amazon seit einiger Zeit die sogenannten Dash Buttons an. Auf den WLan-fähigen Geräten prangt das Logo eines einzigen Herstellers. Programmiert sind sie auf ein einziges Produkt. Drückt man den einzigen Knopf, wird automatisch das gewünschte Produkt bestellt. Hierbei geht es vor allem um Haushaltsartikel wie Wasch- und Reinigungsmittel. Aber auch für Bier gibt es schon Dash Buttons. Aufladbar sind die Geräte nicht. Die Batterie soll aber mehrere Jahre lang halten.

Wer einen Dash Button haben möchte, kann bei Amazon einen bestellen. Der Kaufpreis für den Button wird bei der ersten Bestellung des gewünschten Produkts wieder erstattet.
Amazon Dash Werbefilm
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Große Konzerne haben meist noch die Mittel, sich gegen einen großen Player wie Amazon zur Wehr zu setzen. Meist. Das jüngste Negativbeispiel ist die Spielwarenkette Toys 'R' Us, die Mitte September Insolvenz angemeldet hat. Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg ist Toys 'R' Us aber nur eine von über einem Dutzend großer Einzelhändler, die alleine in den USA zwischen Januar und September 2017 pleite gemacht haben. 
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Für kleinere Unternehmer sieht es oft noch schlechter aus. Vor allem der selbstständige Einzelhandel in Dörfern und Städten hat mir der Allgegenwart von Amazon zu kämpfen. Am härtesten trifft es wohl die Buchhändler. Mit dem Kindle hat Amazon den E-Reader populär gemacht und tritt selbst gleichzeitig als Verlag und als Verkäufer auf. Zwar schwören noch immer viele Menschen auf das gedruckte Buch aus Papier, aber die E-Book-Verkäufe steigen stetig. Für ein E-Book muss nur leider niemand mehr in einen Laden gehen, genau so, wie für jede andere Warenbestellung, die von zuhause aus getätigt und anschließend geliefert wird.
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"Ein Monster Namens Amazon" ist ein multimedialer Pageflow von boerse.ARD.de

Autor: Marc Brockmöller
Bildredaktion: Martin Brandt
Musik: Gerald Ohl
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